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Hans-Peter Strebel: «Volle Stadien gibt es erst wieder mit einem Impfstoff»
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Es wird einige Zeit dauern, bis sich EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel wieder für die Unterstützung der Fans bedanken kann. (Bild: EVZ/Philipp Hegglin)

Der EVZ-Präsident über die sportliche Situation Hans-Peter Strebel: «Volle Stadien gibt es erst wieder mit einem Impfstoff»

6 min Lesezeit 2 Kommentare 25.04.2020, 05:00 Uhr

Als erfolgreicher Apotheker und Wissenschaftler ist Hans-Peter Strebel zu einem vermögenden Mann geworden. Der EVZ-Präsident sagt, wie er als Teil der Risikogruppe mit dem Corona-Virus umgeht, was die Krise für den Klub bedeutet und wie die Profis mit dem Thema Lohnverzicht umgehen.

Die Rückkehr des EV Zug in die Beletage des Schweizer Eishockeys ist eng verknüpft mit seiner umsichtigen Persönlichkeit und seinem leidenschaftlichen Engagement fürs Eishockey. Hans-Peter Strebel hat in Cham mit dem topmodernen Leistungszentrum OYM sein Lebenswerk erschaffen.

Aber die Corona-Krise hat nicht nur dafür gesorgt, dass die Eröffnung des OYM abgesagt werden musste (zentralplus berichtete). Sie schüttelt auch das Unternehmen EVZ durch.

Zeit für zentralplus, Hans-Peter Strebel auf verschiedene Brennpunkte im und rund um den EV Zug anzusprechen.

zentralplus: Hans-Peter Strebel, können Sie abschätzen, wann die EVZ-Profis das Sommertraining im OYM aufnehmen können?

Hans-Peter Strebel: Anfang Mai, denke ich. Wahrscheinlich wird das Training in Dreiergruppen wieder erlaubt werden. Aber wir müssen dafür ein anspruchsvolles Programm mit Schutzmassnahmen für die Mannschaft im OYM hochfahren. Wir können nicht alles so handhaben, wie wenn es die Corona-Krise nie gegeben hätte.

zentralplus: Sie gehören mit Ihren über 70 Jahren zur Corona-Risikogruppe. Wie muss man sich Ihren Alltag seit Mitte März vorstellen?

Strebel: Ich habe viele Video- und Telefonkonferenzen, fast ausschliesslich von zu Hause aus. Ich meide selbst Versammlungen mit maximal fünf Personen, auch wenn ich eigentlich gerne mit Leuten zusammensitze. Aber das wird so lange nicht mehr möglich sein, bis es gegen das Corona-Virus zumindest ein Medikament geben wird, das die Symptome bekämpft und die Menschen am Leben erhält. Und Normalität gibt es erst wieder mit einem Impfstoff.

zentralplus: Bis zur Verfügbarkeit dieses Medikaments werden aber noch ein paar Monate ins Land ziehen. Heisst das in der Konsequenz auch, dass Sie in diesem Jahr nicht mehr mit Spielen vor Zuschauern in der Bossard-Arena rechnen?

Strebel: Nicht unbedingt. Man kann auch nur eine gewisse Anzahl Zuschauer ins Stadion lassen unter Berücksichtigung der Hygiene-Massnahmen und des Social Distancing. Aber bis die Stadien in der Schweiz wieder bis auf den letzten Platz gefüllt sein werden, braucht es meiner Einschätzung nach einen Impfstoff für die Bevölkerung.

«Ja, die aktuelle Lage des EV Zug macht mir Sorgen.»

EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel

zentralplus: Diese Ausgangslage bringt viele Eishockey-Vereine in der National League in einen harten Existenzkampf. Muss man sich um die Zukunft des EV Zug Sorgen machen?

Strebel: Wie alle anderen Eishockey-Vereine ist auch unser EVZ hiervon stark betroffen; und ja, die aktuelle Lage macht mir Sorgen. Wir arbeiten auf verschiedenen Ebenen daran, unsere Ausgaben zu reduzieren. Aber die Grundkosten, die viele Vereine haben, bleiben und die Einkünfte fehlen. In der Bossard Arena sind wir Mieter der Stadt Zug, die uns vielleicht entgegenkommen wird. Zudem denke ich, dass der Politik in Zug die Bedeutung des EVZ bewusst ist und sie finanziell mithelfen wird, falls es notwendig sein sollte. Wir gehen bis heute davon aus, dass die nächste Saison im September gestartet werden kann.

zentralplus: Und wenn nicht?

Strebel: Es gibt auch das Szenario in der Liga, dass die nächste Saison später beginnen wird. Oberste Priorität ist, dass die Spiele mit Zuschauern stattfinden – letztlich kommt von den Zuschauern auch ein grosser Anteil der Einnahmen. Das schlimmste Szenario wäre, wenn die ganze nächste Saison ausfiele. Aber ab 2021/22 wird wieder Normalbetrieb im Schweizer Eishockey herrschen.

zentralplus: CEO Patrick Lengwiler hat das Thema aufgeworfen, dass er einen Lohnverzicht von den EVZ-Profis erwarte. Was ist da der Stand der Dinge?

Strebel: Die Spieler in der Schweiz haben sich vor einigen Jahren in einer Interessen-Gemeinschaft formiert. Diese Vereinigung wird den Klubs einen Vorschlag für eine gesamtschweizerische Lösung zur Diskussion unterbreiten. Davor haben wir es intern thematisiert und dazu gab es keine einheitliche Meinung unserer Spieler. Das Gros denkt aber, dass Mithilfe sein muss. Diesen Spielern ist klar, dass ihr Lohn über Sponsoring, Ticketverkauf und Gastronomie generiert wird. Denn woher soll das Geld sonst kommen?

«Das Erwirtschaften ihres Lohns ist kein Selbstläufer, der zu einem egoistischen Umgang mit diesem Thema berechtigt.»

zentralplus: Und wie argumentiert die Minderheit?

Strebel: Sie glaubt, dass sie das Geld ungeachtet der aktuellen Situation zugute hat. Allerdings ist das Erwirtschaften ihres Lohns kein Selbstläufer, der zu einem egoistischen Umgang mit diesem Thema berechtigt. In Finnland zum Beispiel ist das Lohnniveau um einiges tiefer als in der National League, trotzdem haben die Spieler auf einen gewissen Prozentsatz Lohn verzichtet, um ihre Arbeitgeber solidarisch zu unterstützen.

zentralplus: Wie sieht das weitere Vorgehen des EVZ beim Thema Lohnverzicht aus?

Strebel: Wir sind gespannt, welchen Vorschlag die Spielervereinigung für eine gesamtschweizerische Lösung unterbreiten wird. Diesen warten wir ab.

zentralplus: Im Schweizer Eishockey existiert ausserhalb von Zug die Überzeugung, dass sich der EVZ wegen Ihrer finanziellen Möglichkeiten alles leisten kann. Was sagen Sie dazu?

Strebel: Das ist dem Unwissen der Leute, die so etwas behaupten, geschuldet. Seit ich mich als Präsident des EVZ engagiere, ist klar, dass die erste Mannschaft mit den Einnahmen auskommen muss, die über Sponsoring, Ticketverkauf und Gastronomie generiert werden. Allerdings gäbe es die EVZ Academy in der Swiss League nicht ohne meine finanzielle Unterstützung. Das Projekt ist auf gutem Weg und kann nun in der Ausbildung der Talente von den Kompetenzen des OYM profitieren.

«Eine Überbrückung in Form eines Darlehens würde ich im Notfall leisten – aber das müsste zurückbezahlt werden.»

zentralplus: Aber Sie würden das Zuger Flaggschiff kaum im Stich lassen, wenn es im Zuge der Corona-Krise finanzielle Schlagseite bekäme.

Strebel: Nein. Eine Überbrückung in Form eines Darlehens würde ich im Notfall leisten – aber das müsste zurückbezahlt werden. Ich bin nicht dazu bereit, Geld in die erste Mannschaft zu pumpen. Das hilft nicht, das Überleben des EV Zug auf langfristige Sicht zu sichern.

zentralplus: Eine Krise, wie sie aktuell herrscht, bietet auch immer die Chance, das eigene Produkt auf Liga-Ebene zu überprüfen. Was versprechen Sie sich von den laufenden Gesprächen?

Strebel: Es ist ein guter Moment, um sich mit allen Klubvertretern intensiv auszutauschen. Thema sind in erster Linie die Senkung des Lohnniveaus der Schweizer Spieler und die künftige Handhabung eines Auf- und Abstiegs. Eine nahezu geschlossene Liga macht durchaus Sinn. Aber wenn der Sieger des Playoffs in der Swiss League nach oben will und alle finanziellen und infrastrukturellen Anforderungen erfüllt, müssen die Vertreter der National League bereit sein, mal eine Saison mit 13 Teams zu spielen.

zentralplus: Sie sprechen damit vor allem auch die zumeist sinnfreien Investitionen in neue Spieler und Trainer an, zu denen sich abstiegsgefährdete Vereine hinreissen lassen.

Strebel: Genau. Das macht erst recht keinen Sinn, wenn das Geld aus betriebswirtschaftlicher Sicht gar nicht vorhanden ist. Eine nahezu geschlossene Liga würde dieses Problem aus der Welt schaffen.

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2 Kommentare
  1. mebinger, 25.04.2020, 16:27 Uhr

    Wenn solche Wissenschaftler unseren Bundesrat beeinflussen, rate ich allen Konzertagenturen und Sportclubs jetzt schon Konkurs anzumelden, alles andere wäre unverantwortlich und vor allem unseriös, genau so unseriös wie diese unnötigen Massnahmen. Übriges auch alle Zirkusse können Konkurs anmelden, liebe Parlamentarier wacht endlich auf, die Fakten sind sonnenklar

    1. Andy Bürkler, 26.04.2020, 09:59 Uhr

      Das sehe ich auch so.
      Ob und wann es einen Impfstoff geben wird und was bis dahin noch alles passiert, ist völlig unklar.
      Seriöse Wissenschaftler gehen von 24 Monaten aus, bzw. bezweifeln die Möglichkeit, überhaupt einen wirksamen Impfstoff zu finden.

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