«Die Absage der Eröffnung machte uns fassungslos»
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Bauherr Hans-Peter Strebel, der im Auditorium des OYM in Cham sitzt, hofft darauf, die offizielle Eröffnung des topmodernen Leistungszentrums nachholen zu können. (Bild: zvg)

Corona traf EVZ-Präsident Strebel ins Herz «Die Absage der Eröffnung machte uns fassungslos»

4 min Lesezeit 23.04.2020, 12:00 Uhr

In Cham steht sein Lebenswerk – das von ihm finanzierte Leistungssportzentrum OYM. Aber die Corona-Krise hat eine Eröffnung und Benutzung des Gebäudes bislang verunmöglicht. Bauherr Hans-Peter Strebel erzählt zentralplus, was das mit seiner Gefühlswelt gemacht hat.

Auf den 23. März war die grosse Eröffnungsfeier terminiert. Mit Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Sport. Und das im Scheinwerferlicht der nationalen Medien.

Aber die vom Bundesrat ausgerufene nationale Notlage machte dem EVZ-Präsidenten einen Strich durch die Rechnung. Das hochmoderne Leistungssport-Zentrum «on your marks» (OYM), das der frühere Apotheker und Wissenschaftler Hans-Peter Strebel für rund 100 Millionen Franken erbauen liess (zentralplus berichtete), konnte seinen Betrieb bis heute nicht aufnehmen.

zentralplus: Wie weh tat es Ihnen, dass Sie das neugebaute OYM nicht eröffnen und der Öffentlichkeit präsentieren konnten?

Hans-Peter Strebel: Das war schmerzhaft. Selbst als die Absage unausweichlich wurde, konnten wir es fast nicht fassen. Die Vorbereitungen auf diesen Tag waren enorm, viele Leute daran beteiligt – aber plötzlich war alles nicht mehr realisierbar. Ich hätte das Leistungszentrum gerne der Öffentlichkeit präsentiert. Die Absage hat mich darum am 23. und 24. März alles andere als erfreut.

zentralplus: Wie sieht es mit einer nachträglichen Eröffnung aus?

Strebel: Darauf hoffe ich. Aber das wird meiner Einschätzung nach erst möglich sein, wenn es einen Impfstoff gegen das Corona-Virus gibt. Und das wird frühestens Ende Jahr der Fall sein. Daran führt kein Weg vorbei.

zentralplus: Nach gut zweieinhalb Jahren Bauzeit steht Ihr Lebenswerk am Lorzenpark in Cham. Was für ein Gefühl gibt Ihnen das?

Strebel: Es ist schön, dass eine topmoderne Infrastruktur für den Schweizer Spitzensport entstanden ist. Das Haus wird vielen Athleten den Schritt an die Weltspitze ermöglichen.

zentralplus: Worauf fusst Ihre Zuversicht?

Strebel: Die topmoderne Infrastruktur ist bloss ein Aspekt. Unser Konzept besteht aus dem engen Zusammenspiel und der stetigen Auswertung der Kernkompetenzen Athletik, Health Management, Nutrition und Research&Development. Vor diesem Hintergrund werden die Leistungs-entwicklung und das OYM-Programm des Spitzenathleten ständig überwacht, ausgewertet und angepasst. Der Athlet wird so auf dem Weg an die Spitze begleitet.

zentralplus: Können Sie uns ein Beispiel geben, was die Kernkompetenz Nutrition betrifft?

Strebel: Eine optimale Ernährung wird bei der Unterstützung eines Athleten immer wichtiger. Also was der Sportler vor und nach einem Training isst oder vor und nach einem Wettkampf. Ich erinnere mich noch genau daran, als Jürgen Klopp verkündete, dass er den wichtigsten Zuzug als Liverpool-Trainer gemacht hat. Mich nahm natürlich wunder, welcher Spieler das sein könnte. Wissen Sie, von wem er redete?

zentralplus: Sie werden es hoffentlich gleich sagen.

Strebel: Er redete nicht von einem Spieler, sondern von einer Ernährungswissenschaftlerin. Das zeigt exemplarisch die Wichtigkeit des Themas. Eine weitere wichtige Säule des OYM ist das Health Management.

zentralplus: Das wird wohl weit über die Arbeit eines Physiotherapeuten hinausgehen.

Strebel: Wir verstehen darunter Physiotherapie und Medizin. Vor dem Training wird individuell beurteilt, was ein einzelner Sportler in der Übungseinheit machen darf. Die Tests, die die Profi-Sportler bislang meist zu Saisonbeginn und am Ende gewohnt waren, sind nun ein permanenter Prozess. Und daraus ergeben sich laufend Inputs für die individuelle Trainingsgestaltung. Meines Wissens gibt es das noch nirgendwo in der Welt des Sports.

zentralplus: Wie wirkt sich dieses Training auf die Leistungsfähigkeit eines Athleten aus?

Strebel: Das OYM führt die Athleten an die maximale Ausschöpfung des individuellen Leistungspotenzials heran.

zentralplus: Das ist erst die Grundlage, aber noch nicht der Schlüssel zum Erfolg.

Strebel: Ja, das Mindsetting, unbedingt an die Spitze der jeweiligen Sportart zu wollen und diesem Ziel alles unterzuordnen, muss der Sportler oder die Sportlerin selbst mitbringen.

zentralplus: Was für einen Zeitrahmen benötigt OYM, um seine Schützlinge athletisch an die Leistungsgrenze zu bringen?

Strebel: Wir schliessen langfristige Verträge ab.

zentralplus: Das heisst konkret?

Strebel: In der Regel vier Jahre.

zentralplus: Und was kostet die individuelle Betreuung jährlich?

Strebel: Das wird individuell mit jedem Sportler erarbeitet und hängt von der Anzahl bezogener Dienstleitungen ab. Wir bewegen uns hier in einem fünfstelligen Bereich.

zentralplus: Engagieren Sie sich weiterhin finanziell bei OYM?

Strebel: Mein Engagement für OYM besteht in der Erstellung des Baus und der Bereitstellung der benötigten Infrastruktur. Nach einer Betriebszeit von rund drei bis vier Jahren sollte der Betrieb eine ausgeglichene Bilanz erarbeiten können.

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