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Sind Weggiser und Reider Politmuffel?
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Vernachlässigen die Weggiser vor lauter Seeblick das politische Engagement? (Bild: Fabian Duss)

Kandidaten für die Wahlen Sind Weggiser und Reider Politmuffel?

3 min Lesezeit 12.02.2015, 09:34 Uhr

631 Bewerber für 120 Sitze: Das Kandidatenfeld für die Kantonsratswahlen am 29. März ist so gross wie nie zuvor. Doch nicht in allen Gemeinden wird munter drauflos kandidiert, wie unsere Auswertung zeigt. Aus Weggis möchte bloss eine Person in den Kantonsrat, aus Reiden drei. Als Grund dafür das allgemeine politische Desinteresse zu bemühen, greift jedoch zu kurz.

Ein Streifzug durch die Kandidatenliste für die kommenden Kantonsratswahlen zeigt: Die Stadtluzerner sind mit Abstand am kandidaturfreudigsten. Von 1’000 Einwohnern wollen – die Kommastelle sei verziehen – 2,3 Personen einen Sitz im Kantonsrat ergattern. Am wenigsten Interesse weckt ein Mandat anscheinend im Wahlkreis Willisau: Nicht mal ein Promille der Bevölkerung möchte ins Parlament. Entsprechend gut sind die Wahlchancen der einzelnen Kandidaten: Bloss 46 Personen streiten sich um die 16 Sitze. 

So gross die Unterschiede zwischen den Wahlkreisen, so gross sind sie auch zwischen den Gemeinden: Aus dem 4’200 Einwohner zählenden Wolhusen möchten gleich neun Personen in den Kantonsrat, derweil aus dem gleich grossen Weggis mit Lorenz Hilpert gerade mal eine einzige Person kandidiert. Udligenswil, halb so gross wie Weggis, stellt indes stolze sechs Kandidaten. Und auch bei den Weggiser Nachbarn in Greppen und Vitznau herrscht mit drei, beziehungsweise zwei Kandidaten deutlich regeres Interesse an der Kantonalpolitik. 

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Seegemeinden kandidieren gemeinsam

55 Listen mit 631 Kandidaten

Die grösste Auswahl haben die Stadtluzerner: In ihrem Wahlkreis kandidieren 187 Personen auf 14 Listen für den Kantonsrat. Ähnlich viele Kandidaten (178), verteilt auf 11 Listen stehen im Wahlkreis Luzern-Land zur Wahl. In den ländlichen Wahlkreisen Hochdorf (101 Kandidaten / 10 Listen), Sursee (86/8), Willisau (46/6) und Entlebuch (31/6) ist die Auswahl etwas geringer. Knapp ein Drittel aller Kandidierenden sind Frauen.

Weder die Grösse einer Gemeinde, noch deren Entfernung zum Kantonshauptort, das «Ressourcenpotenzial» oder die durchschnittliche Sonnenscheindauer scheinen einen Einfluss auf das kommunale Kandidatenfeld zu haben. Sind die Weggiser einfach unpolitischer als ihre Kantonsgenossen? «Ganz bestimmt nicht», richten mehrere Gemeindepolitiker unisono aus. «Die Weggiser sind politisch sehr engagiert», sagt auch Gallus Bucher, Herausgeber der «WochenZeitung». Es hänge eben von einigen wenigen Persönlichkeiten ab. Toni Zimmermann bestätigt – und der muss es wissen, sass er doch selber bis 2009 im Kantonsrat. Früher sei es nicht anders gewesen, erinnert er sich: «Es gab Zeiten, da war Weggis mit drei Personen im Rat vertreten und dann wieder überhaupt nicht», so Zimmermann. 

Und der Alt-Kantonsrat sagt, was man in Weggis oft hört: Obschon die drei Seegemeinden keine Fusionsabsichten hegen, ist die Zusammenarbeit zwischen Weggis, Vitznau und Greppen vielfältig. Für Zimmermann ist es wichtig, dass zumindest jemand aus den drei Seegemeinden im Rat vertreten ist, und deren Anliegen vertreten kann. Im Moment geschieht das sogar dreifach: Mit den Greppern Claudia Bernasconi (CVP) und Franz Gisler (SVP) sowie der Vitznauer Gemeindevorsteherin Irene Keller (FDP), die alle zur Wiederwahl antreten.

Philipp Stalder, Präsident der CVP Weggis weist zwar darauf hin, seine Partei habe vergeblich nach einer aussichtsreichen Kandidatur gesucht, zeigt sich aber wie sein Parteikollege und Vizegemeindepräsident Philipp Christen glücklich über die Nomination der Grepper Gemeindepräsidentin Claudia Bernasconi. Journalist Gallus Bucher lobt indes die «Wahltaktik» von CVP, SVP und FDP: «Wir Seegemeinden müssen schauen, dass wir die drei Sitze halten können», sagt er. «Wenn wir mehr Kandidaten stellen, schwächen wir die Erfolgschancen unserer aussichtsreichen Kandidaten.»

Fokus auf Kommunalpolitik

Ganz anders klingt es aus der anderen Ecke des Kantons, aus Reiden. Die Gemeinde zählt rund 6’500 Einwohner und bringt es gerade mal auf drei Kandidaturen für den Kantonsrat – aus dem ähnlich grossen Meggen kandidieren elf Personen. Neben dem Bisherigen Robert Arnold (SVP) aus Mehlsecken treten Josef Stocker (SP und Gewerkschaften) und der Grünliberale Daniel Bugnon an. «Schade» und «bedauerlich» nennen Ortspolitiker das geringe Interesse an einem Sitz im Kantonsrat. «Leute für politische Ämter zu finden, ist nicht ganz einfach», sagt David Bugnon.

Auffallend ist, dass weder die CVP, noch die FDP Kandidaten für die Kantonsratswahlen stellen. Der CVP scheint der Verlust ihres letzten Gemeinderatssitzes im vergangenen Mai noch in den Knochen zu sitzen. In einer Ersatzwahl verlor damals die CVP-Kandidatin deutlich gegen den parteilosen Bruno Aecherli.

In Reiden haben die grossen Parteien an Bedeutung eingebüsst – zugunsten der «IG Reiden», einer relativ jungen, überparteilichen Interessengemeinschaft, die von Aecherli präsidiert wird. Für ihn ist klar: «Die Reider sind keine Politmuffel.» Ihm zufolge konnte die IG Reiden in den letzten Monaten zahlreiche Mitglieder gewinnen. Seine Gruppierung ist indes weder eine Partei, noch interessiert an einem Sitz im Kantonsparlament. «Wir müssen nicht auf dem kantonalen Parkett wischen, sondern zuerst vor den Reider Türen Ordnung halten», unterstreicht IG-Präsident Aecherli den Fokus auf die Kommunalpolitik. Und in Reiden, da gäbe es in den nächsten Jahren noch einiges zu tun.

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