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Sie haben die Nase voll – Schnupfmeister im Duell
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Vier Schnupfer versuchen in einer Minute fünf Gramm Schnupftabak zu konsumieren. Die Schiedsrichter kontrollieren die Sauberkeit. (Bild: Manuel Burkhard )

Schweizermeisterschaft in Luzern Sie haben die Nase voll – Schnupfmeister im Duell

5 min Lesezeit 1 Kommentar 20.09.2015, 12:56 Uhr

«Kiffen macht dumm, koksen macht krank, ich bin Schnupfer, Gott sei Dank»  ein spezieller Anlass fand am Samstag auf der Luzener Allmend statt: die 16. Schweizer Schnupfmeisterschaft. zentral+ stürzte sich ins Vergnügen und weiss nun, wie man innert 60 Sekunden fünf Gramm Schnupftabak durch die Nase pfeffern kann. Respektive könnte.

Musikalische Klänge der Tätschchappe-Musig Lozärn eröffneten die 16. Schweizer Schnupfmeisterschaft. Schnell war allen klar, diese Schnupfmeisterschaften würden besonders – ein Hauch Luzerner Fasnacht war zu spüren. Dies lag nicht nur am Fliegerschuppen, den Hallen des Luzerner Fasnachtskomitees. OK-Präsident Peti Federer von der Luzerner Guuggenmusig Chottlebotzer machte in seiner Festansprache auch keinen Hehl daraus, wie nahe Fasnacht und Schnupfen miteinander verbunden sind, doch darüber später mehr.

Fahnenmarsch und Landeshymne

Der offizielle Teil startet mit dem Einzug der Fahnen der acht teilnehmenden Schnupfclubs. Natürlich untermalt mit dem Fahnenmarsch, wozu jeder im Takt – oder auch ausserhalb – klatschen konnte. Wirklich traditionell ging es zu und her. Insbesondere als Federer mit einem breiten Grinsen die Menge aufrief, sich zu erheben, um die Nationalhymne zu singen.

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Zu den Klängen des Fahnenmarschs betreten die Fahnenträger der teilnehmenden Schnupfclubs den Fliegerschuppen.

Zu den Klängen des Fahnenmarschs betreten die Fahnenträger der teilnehmenden Schnupfclubs den Fliegerschuppen.

(Bild: Manuel Burkhard)

Es folgten die obligaten Grussworte von Uli Walpen, Präsident des Schweizer Schnupfverbandes und Alfons Lechner, Präsident des internationalen Schnupfverbandes. Und wer nun denkt, diese Reden verkamen zu einer trockenen und langweiligen Angelegenheit, der täuscht sich gewaltig. Insbesondere Schnupflegende Lechner, seit 36 Jahren im Amt und damit in Sphären, die an Sepp Blatter erinnern, vermochte mit seinem bayrischen Schalk der Menge ein paar ordentliche Lacher zu entlocken. Besonders seine Ausführungen zur Schädlichkeit des Tabakkonsums sorgte für Schmunzeln: «Wie auch beim Bier sei alles eine Frage des Masses – eins bis zwei pro Tag seien in Ordnung.» Ehrengast Marcel Perren, Direktor Luzern Tourismus, verspätete sich zwar, doch dass seine Rede später zwischengeschoben werden musste, war der einzige Zwischenfall an diesem Abend.

Fünf Gramm in einer Minute

Nun aber rein ins Wettkampfgeschehen. Immer vier «Athleten» nahmen auf der Bühne Platz und versuchten, innert 60 Sekunden fünf Gramm Schnupftabak in ihren Nasenlöchern zu versorgen. Im Gegensatz zum normalen Schnupfen, wird beim Wettkampfschnupfen der Tabak aber nicht tatsächlich geschnupft, sondern einfach in die Nase gestopft. Jeder oder jede – schnupfen ist keineswegs eine reine Männerdomäne – der Teilnehmenden trug einen Latzen. Denn auch die Sauberkeit des Schnupfens wurde bewertet. Gewonnen hatte, wer am wenigsten Schnupftabak übrig liess und gleichzeitig keine Sauerei veranstaltete.

Im Video sehen Sie die Athleten während des einminütigen Wettkampfes:

Alles wäre eine Frage des Trainings

zentral+ fragte beim ältesten Schnupfclub der Schweiz, dem «Snuff Club Weisslingen» nach, was es denn brauche, um erfolgreich zu sein. Training, Training, Training, sind sich die Zürcher einig. Und natürlich Technik. Am besten sei, mit möglichst schnellen Fingerbewegungen den Schnupftabak in die Nase zu befördern. Sämtliches Reindrehen um den Schnupf wirklich zu versorgen, koste nur unnötig Zeit. Und da sei noch die Sache mit dem zweiten Nasenloch: einfach Nein. Da falle nur alles, was man auf der einen Seite reinbringe, auf der anderen Seite wieder raus.

«Kiffen macht dumm, koksen macht krank, ich bin Schnupfer, Gott sei Dank.»

Wie es um die Siegeschancen stehe, wollte zentral+ abschliessend wissen. Die Weisslinger lachten. Genau einmal habe er trainiert, antwortet einer und ein anderer erklärt, der olympische Gedanke zähle. In der Tat, bereits vor dem Wettkampf fliessen kühle Blonde und das eine oder andere Tee mit Gügs. Wie an der Fasnacht halt. Die Offenheit der Schnupferfamilie beeindruckt. Sie kennen sich, lassen dumme Sprüche fallen und lachen ausgelassen.

Was als Jux begann…

Aber wie kommen die Chottlebotzer eigentlich dazu, eine Schnupf-Schweizermeisterschaft zu organisieren? OK-Chef Peti Federer erklärt die Beziehung zum Schweizer Schnupfverband: «Seit je wurde bei den Cottlebotzern geschnupft, jährlich organisieren wir zudem das ‹Chottlebotzer Schnopf- und Hudigääggler-Fäscht› im Stadtkeller.» Im Gespräch ist die Leidenschaft Federers fürs Schnupfen spürbar. «Als Gag habe ich 2011 beim Schweizer Schnupfverband einmal angefragt, ob wir als Guggenmusik beitreten könnten.» Es folgte eine Delegiertenversammlung, wo Federer die Idee vorstellte und die Delegierten überzeugen konnte. Seither sind die Chottlebotzer offiziell aufgenommen.

«Ein Schnupf in Ehren, kann niemand verwehren.»

Als Bieridee entstanden, folgten mit dem Beitritt zum Schnupfverband auch einige Pflichten. «Es war Bedingung, dass wir eine aktive Rolle übernehmen würden», erklärt Federer. Etwa in der Durchführung von Delegiertenversammlungen oder eben der Schweizer Meisterschaft. «Ich wusste, dass die Chottlebotzer gut aufgestellt sind und alle am gleichen Strick ziehen würden.» Was als Gag begann, fand nun also diesen Samstag seinen Höhepunkt.

Geselligkeit trotz Wettkampf

Während beim Wettbewerb darauf verzichtet wird, sich den Schnupftabak hochzujagen, wird unter den rund 400 Besuchern immer wieder spontan eine Prise genommen. Hände treffen sich in der Tischmitte, Daumen und kleiner Finger nach aussen, es folgt ein Spruch und Priis. Genau dies macht nun auch ein vollends zufriedener OK-Chef Peti Federer: «Alois – Priis!»

«Schnüfli nä und Schnüpfli ha, besser cha’s eim gar ned gah, und dr zue e gueti Priise, das es s’Läbä ned duet vermiise.»

OK-Chef Peti Federer (rechts) zeigt sich hochzufrieden mit den 16. Schweizer Meisterschaften.

OK-Chef Peti Federer (rechts) zeigt sich hochzufrieden mit den 16. Schweizer Meisterschaften.

(Bild: Manuel Burkhard)

Ganz knappe Entscheidung um den Titel

Bei so viel Geselligkeit ging natürlich nicht vergessen, worum es eigentlich ging – das Erküren des Schweizermeisters. Titelverteidiger, fünffacher Schweizermeister und haushoher Favorit Markus Albisser wurde dabei zur grossen Überraschung der Anwesenden ganz knapp geschlagen. 0.008 Gramm fehlten ihm zur Titelverteidung. Die Krone schnappte sich Uli Walpen, ebenfalls Mitglied des Napf Schnupf-Clubs Willisau, mit 4.893 Gramm.

Die besten Schnupfer des Landes. v.l.: Matthias Wittwer, Snuff-Club Weisslingen, Sieger Uli Walpen, Napf-Schnupfclub Willisau und Markus Albisser, ebenfalls Napf-Schnupfclub Willisau.

Die besten Schnupfer des Landes. v.l.: Matthias Wittwer, Snuff-Club Weisslingen, Sieger Uli Walpen, Napf-Schnupfclub Willisau und Markus Albisser, ebenfalls Napf-Schnupfclub Willisau.

(Bild: zvg)

Bei den Frauen gewann Pia Walpen mit 4.906 Gramm. Somit ist die diesjährige Schnupfkrone fest in den Händen des Ehepaars Walpen. Einen grossen Erfolg feierten die gastgebenden Chottlebotzer alias ChottleSchnopfer, welche etablierte Vereine wie die Schnupfclubs Riederalp, Fiescheralp und Seelisberg-Emmetten hinter sich lassen konnten. Schlussendlich zählte aber bei allen Teilnehmenden, dabei gewesen zu sein. Und mit dem Schnupfen war es nach Wettkampfende auch noch lange nicht vorbei.

Was halten Sie vom Schnupfen und welcher ist ihr liebster Schnupfspruch? Teilen Sie ihre Meinung im Kommentarfeld.

Sehen Sie in unserer Bildergalerie weitere Eindrücke der 16. Schweizer Schnupfmeisterschaften

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1 Kommentare
  1. Andreas Estermann, 09.12.2015, 15:48 Uhr

    Die ganze Welt scheint kurz vor dem Niedergang, so kommt es einem jedefalls vor, wenn man die Zeitungen öffnet. Darum liebe ich diese Artikel, welche sich so gar nicht mit den aktuellen Problemen dieser Welt befassen, sondern einfach nur belustigen. Merci Linsu.