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Rooter Berg und Zugerberg eignen sich für Windkraftwerke
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Bald auch auf dem Zugerberg? Montage des Windparks auf der Rengg im Entlebuch. (Bild: zvg )

Neue Erkenntnisse – Zuger Regierung ist gefragt Rooter Berg und Zugerberg eignen sich für Windkraftwerke

5 min Lesezeit 04.07.2019, 15:27 Uhr

Im Energieleitbild des Kantons Zug fehlt eine Aussage über das Potential der Windkraft. Das möchte der Zuger Grünliberale Daniel Stadlin ändern. Neue Messungen des Bundes legen nämlich nahe, dass es im Kanton Zug mehr Wind gibt, als bisher angenommen.

Wasserkraft wird in der Schweiz gross geschrieben, Geothermie und Sonnenergie finden in der öffentlichen Diskussion über erneuerbare Energien gebührende Beachtung. Anders sieht es mit der Energieerzeugung aus Windkraft aus, bei der die Schweiz ein Entwicklungsland ist. Selbst das Nachbarland Österreich erzeugt ein Vielfaches mehr an Strom aus Luft.

Dass Windkraftanlagen nun doch am Horizont der Zuger auftauchen, liegt nicht nur an den geplanten Grosskraftwerken auf dem Lindenberg – über dem von Zug aus immer die Sonne untergeht. Sondern auch an einem Vorstoss des Zuger GLP-Kantonsrats Daniel Stadlin.

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Volk steht hinter Energiestrategie

Er bedient sich dazu des Instruments der Interpellation. Diese hat einerseits den Vorzug, dass sie im Kantonsrat nicht abgeblockt werden kann, sondern von der Zuger Regierung beantwortet werden muss. Andererseits ist es ein recht unverbindliches parlamentarisches Mittel, das eine offene Diskussion zulässt. Denn Windräder haben viele Feinde mit zahlreichen Argumenten, wie wir noch sehen werden.

Die Industrie hat bewährte Schwachwindanlagen für den Voralpenraum entwickelt.»

Daniel Stadlin, Kantonsrat (GLP)

Bekanntlich hat vor zwei Jahren die Schweizer Bevölkerung der Energiestrategie 2050 des Bundes zugestimmt. Die entsprechenden Gesetze und Verordnungen sind seit Anfang 2018 in Kraft. Nun sind die Kantone gefordert, ihren Beitrag zu leisten. Das «Energieleitbild des Kantons Zug 2018» bildet den konzeptionellen Rahmen dazu und irgendwann werden darauf basierend auch noch kantonale Gesetze im Kantonsparlament beraten werden.

Wärmepumpen brauchen Strom

Stadlin hat bemerkt, dass der Strombedarf erheblich – laut einer Studie um 40 Prozent – steigen würde, wenn man im Kanton Zug das gesamte Potential an Umweltwärme mittels Wärmepumpen ausnützen würde. Diesbezüglich sind mit Circulago in Zug und dem Wärmeverbund Ennetsee auch schon grosse Projekte angegangen worden. Deshalb möchte der Grünliberale, dass die Zuger Regierung auch das Potential an Windkraftwerken im Kanton Zug abklären lässt und sich eine Meinung dazu bildet.

Winpotentialkarte des Bundes. Wo es blau ist, sieht er Potential für Windparks.

Immerhin wurde die durch den Bund erstellte Windpotentialkarte anfangs Jahr aktualisiert, und ausserdem findet Stadlin, «dass die Industrie mittlerweile bewährte Schwachwindanlagen für den Voralpenraum entwickelt hat».

Zusammenarbeit mit Schwyz?

In der Tat sind auf der Windpotentialkarte der Zuger- und Walchwilerberg sowie Teile des Hüritals als vielversprechendes Energiegewinnungsgebiet ausgewiesen – ebenso wie Teile des Rooter Bergs, an dem auch die Gemeinde Risch ihren Anteil hat. Windmessungen in 125 Metern Höhe zeigen auch, dass ebenso auf dem Morgartenberg oder dem Gottschalkenberg bemerkenswerte Windgeschwindigkeiten herrschen.

Wohl aus diesem Grund muss sich nun die Zuger Regierung den Kopf zerbrechen, ob und wie man allenfalls mit Zürich und Schwyz in Sachen Windenergie kooperieren könnte.

Riesenräder auf dem Lindenberg

Das Windenergie-Projekt, das derzeit in der Umgebung die höchsten Wellen schlägt, soll indes im Kanton Aargau, genauer in der Gemeinde Beinwil im Freiamt realisiert werden. Es ist eine private Unternehmung, angestossen durch Energieunternehmen, wobei die CKW  der grösste Anteilseigner der Windpark Lindenberg AG sind. Geplant sind vier über 200 Meter hohe Windräder, derzeit wird eine Umweltversträglichkeitsprüfung dazu erstellt. Später ist eine Genehmigung durch die Gemeinde nötig. Das letzte Wort hat das Kantonsparlament.

Die Opposition dagegen kommt vorab aus dem Nachbarkanton, dem Luzerner Seetal, wo man sich mächtig darüber ärgert, dass man im Aargau nicht wirklich etwas zu melden hat. Der Verein Pro Lindenberg will das Projekt dennoch verhindern und hat als mögliches Argument dagegen alles zusammengetragen, was man sich überhaupt ausdenken kann. Die landschaftliche Beeinträchtigung durch die hohen Räder liegen auf der Hand, ebenso die Immissionen durch Infraschall.

Wasser und Pflanzen in Gefahr

Auch von der Gefährdung von Vögeln und Fledermäusen ist – wie bei ähnlichen Projekten – die Rede. Doch damit nicht genug: Laut den Seetaler Windkraftgegnern gefährden die Windräder auch die Pflanzen und das Grundwasser und führen zu niedrigeren Immobilienpreisen. Überhaupt bezweifeln die Gegner, dass das Projekt wirtschaftlich sei.

Die Zuger Regierung muss sich nun auf Wunsch Stadlins eine Meinung über den Windpark Lindenberg bilden – auch hinsichtlich der Frage, ob man Projekte auf eigenem Boden gutheissen und befördern soll. 

Zuger schlafen noch

Bisher sind weder der regionale Energieversorger WWZ noch die Korporationen als Eigentümer der windumtosten Höhen im Kanton Zug als grosse Interessenten an Windenergie aufgefallen.

Und auch wenn das Zuger Strompotential durch Windpärke vom Bund im Vergleich zu den Kantonen Waadt oder Bern sehr gering ist, so dürften Riesenräder wie auf dem Lindenberg auch im Kanton Zug polarisieren.

Aus dem Windatlas des Bundes: Windgeschwindigkeiten, 125 Meter über Boden.

Warum so hoch?

Die Industrie setzt übrigens derzeit auf solche Grosswindanlagen, weil sie mit einem Windrad die Leistung von über 100 «Kleinwindanlagen» mit einer Masthöhe von bis zu 30 Metern egalisieren können.

Auf der andern Seite gibt sie damit den Gegnern auch ein gutes Argument in die Hand: Die verweisen gern darauf, dass in Deutschland für eine Bewiligung jeweils die zehnfache Höhe als Distanz zur nächsten Siedlung einzuhalten ist, was auf dem Lindenberg nicht immer der Fall ist – und in der dicht besiedelten Schweiz generell ein Problem darstellt.

Material zusammentragen

Stadlin mag auch nicht zum Sinn oder Unsinn von Riesenrädern oder der Distanz zur nächsten Siedlung äussern. «Es geht darum eine Auslegeordnung zur Windenergie zu erstellen, um nachher vernünftige Entscheidungen zu treffen und gute Gesetze zu verabschieden» sagt er. Und verweist drauf, dass die technologische Entwicklung in der Branche nicht stehen geblieben sei. Dass es einziehbare Anlagen gäbe, ebenso wie solche, die den Wind nicht mit einem verikalen Propeller, sondern mit einer horizontalen Einrichtung einfangen.

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