Regionales Leben
Nach Wolfsrissen im Mittelland

Luzerner Herdenschutz wird jetzt von Nachfrage überrannt

Die Wolfssichtung in Nottwil sowie Risse in mehreren Mittelland-Gemeinden haben die Luzerner Bauern aufgeschreckt. (Bild: zvg)

Herdenschutz hat im Luzerner Mittelland bislang keine grosse Rolle gespielt. Nach den Wolfsrissen in Ruswil, Menznau und Grosswangen hat sich das drastisch geändert.

Der Wolf war bislang ein Thema, das vor allem in den Bergkantonen polarisierte. Hier im Mittelland interessierte sich niemand so wirklich für die Verbreitung des Raubtiers. Zu weit weg die bekannten Rudel, zu klein die Betroffenheit.

Nachdem ein Wolf innert kürzester Zeit aber in Ruswil, Menznau und Grosswangen Nutztiere gerissen hat, sieht die Sache plötzlich ganz anders aus (zentralplus berichtete). Dieter von Muralt ist Herdenschutzbeauftragter des Kantons Luzern. Im Interview mit der «Luzerner Zeitung» sagt er, dass er von der plötzlichen Nachfrage überrannt werde. Erhielt er bis vor kurzem noch durchschnittlich zehn Anfragen pro Jahr zum Thema Herdenschutz, so sind es jetzt wöchentlich so viele.

Bauern hätten sich besser vorbereiten können

Das wirft die Frage auf, ob die Bauern im Mittelland denn zu wenig gut auf dieses Szenario vorbereitet waren. Muralt will die Frage nicht abschliessend beantworten, räumt aber ein, dass man in den letzten Jahren mehr Mittel in den Herdenschutz hätte investieren können.

Doch das exponentielle Wachstum des Wolfbestands habe zu einer sehr raschen Verbreitung des Raubtiers geführt. «Wenn weit und breit kein Wolf ist, wer würde sich da schon freiwillig mit arbeitsintensiven Zäunen auseinandersetzen? Der Herdenschutz funktioniert ähnlich wie die Feuerwehr: löschen, wenn es brennt. Aber natürlich hätte man schon früher mehr tun sollen, das wäre vielleicht auch mein Job gewesen.»

Herdenschutz ist unbeliebt und wirkt nicht immer

Nun rüsten die Bäuerinnen also im Eiltempo nach. Doch setzt von Muralt ein Fragezeichen hinter die Wirksamkeit der Schutzmassnahmen. «Wenn ich Ihnen sagen muss, wie ein Zaun aussieht, der wirklich wolfsdicht ist, schicke ich Sie in den Tierpark Goldau. Diese Zäune sind zwei Meter hoch und einen halben Meter im Boden versenkt.» Es ist klar, dass ein solches Bauwerk in der benötigten Menge nicht finanzierbar ist. So räumt er ein, dass die Zäune, die umsetzbar sind, «ganz sicher nicht zu 100 Prozent schützen».

Die Situation sei zusätzlich komplex, weil Herdenschutzhunde die einzig wirksame Alternative zu Zäunen seien. Doch diese haben in der Bevölkerung nur eine geringe Akzeptanz. Sie werden als gefährlich und laut empfunden.

Darum, so das ernüchternde Fazit von Dieter von Muralt: «Irgendjemand muss zurückstecken. Entweder die Tierhalter, Touristinnen oder der Wolf.»

Verwendete Quellen
Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.