Politik

Julia Küng engagiert sich gegen Ukraine-Krieg
«Wie viele Krisen braucht es noch, um Zug wachzurütteln?»

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Duo mit politischen Ambitionen: Julia Küng und Luzian Franzini. (Bild: zvg)

engagiert sich mit Vehemenz gegen den . Welche Noten die neue Vizepräsidentin der Grünen Schweiz dem erteilt und wieso sie trotz Krieg gegen neue Kampfjets ist.

Die Schweiz müsse sich für eine solidarische, pazifistische Schweizer Friedens- und Migrationspolitik starkmachen. Das fordern die Jungen Grünen und mit ihr an der Spitze . Die 21-jährige Zugerin engagiert sich derzeit mit ganzer Kraft gegen den Krieg und für die Geflüchteten, sei es vor 20’000 Menschen an der Friedensdemo in Bern oder beim Protest vor den Firmensitzen der Rohstoff-Unternehmen in Zug.

Obwohl Julia Küng bislang kein Parlamentsamt ausübt, sammelt die Zugerin fleissig politische Erfahrung: Seit zwei Jahren ist sie Co-Präsidentin der Jungen Grünen und seit kurzem Vizepräsidentin der Grünen Schweiz. Kein Wunder, gilt sie als Hoffnungsträgerin in den Reihen der Grünen. Ein Gespräch über Krieg und Frieden.

zentralplus: Julia Küng, viele Menschen in Ihrem und meinem Alter kennen Krieg nur aus Erzählungen, sei es von den Grosseltern oder Kollegen mit Migrationshintergrund. Was hat der mit Ihnen gemacht?

Julia Küng: Zum einen, und das spüre ich bei vielen Leuten um mich herum, löst er grosse Betroffenheit aus. Ein Mitgefühl für die Menschen, die das alles erleben müssen. Zum anderen entsteht daraus das Bedürfnis, alles zu tun, was in unserer Macht liegt, um die Not zu lindern. Sei es, indem man solidarisch ist mit den Geflüchteten, sei es mit Spenden. Oder indem man auf die Verantwortung aufmerksam macht, die der hat.

zentralplus: Hat Ihr aktuell intensives Engagement direkt mit Ihrer Herkunft zu tun?

Küng: Ja, definitiv. Wer aus Zug kommt, dem fällt noch viel stärker auf: Wenn auf der Welt etwas schiefläuft – ob Panama-» oder «Paradise-Papers», «Luanda» oder «Crypto-Leaks» –, fast immer gibt es eine Verbindung nach Zug. Da frage ich mich manchmal schon: Wie viele Krisen braucht es eigentlich noch, um Zug wachzurütteln?  

zentralplus: Wie verhält sich die Schweiz in Ihren Augen in dieser Krise?

Küng: Überraschend gut. Der Schutzstatus S gewährt Geflüchteten unkompliziert und rasch Hilfe. Das hätte ich mir bei Betroffenen aus anderen Ländern in der Vergangenheit oft gewünscht. Unverzeihlich spät hat die Schweiz die Sanktionen der EU übernommen. Ein paar Oligarchen konnten so wohl ihr Vermögen noch retten. Für uns ist klar: Jetzt müssen die Sanktionen durchgesetzt werden – auch im Kanton Zug. Und sie müssen auf den Rohstoffsektor ausgeweitet werden.

zentralplus: Und welches Zeugnis stellen Sie dem Kanton Zug aus?

Küng: Ein etwas weniger löbliches. Die Aussagen von Finanzdirektor Heinz Tännler in der Sendung «SRF-Reporter» zeigten: Da bestehen offenbar noch grosse Mängel. Es braucht mehr Druck. Und ich hoffe, der Krieg bewirkt auch ein Umdenken.

SRF beleuchtete in einem Dokfilm die Spuren des russischen Geldes in der Schweiz:

zentralplus: Inwiefern?

Küng: Dass sich Bürgerliche und Bevölkerung gerade in Zug fragen: Ist es so schlau, mit der Tiefsteuerpolitik und einer Kultur des Wegschauens alle möglichen Firmen bei uns anzusiedeln? Es passiert ja nicht aus Versehen, dass so viele russische Firmen, gerade in der Rohstoffbranche, ihren Sitz in Zug haben. Wir haben eine Umgebung geschaffen, in der diese Unternehmen finden, was sie suchen.

zentralplus: Wovon Zug profitiert. Sie fordern jetzt, dass Stadt und Kanton einen Teil der 2021 erzielten Millionengewinne für Kriegsbetroffene spenden. Das klingt beinahe nach Ablasshandel.

Küng: Nein, so ist das nicht gemeint. Uns ist natürlich bewusst, dass wir uns nicht freikaufen können. Der Beitrag zeigt, dass wir uns unserer Verantwortung bewusst sind. Er rechtfertigt nicht, dass wir einfach weitermachen können wie bisher.  

zentralplus: Dass sich in Europa 2022 ein konventioneller Krieg ereignen kann, haben viele nicht für möglich gehalten. Und er hat der linken Vision einer Schweiz ohne Armee einen Realitätsschock verpasst.

Küng: Da muss ich widersprechen. Die Gefahr, dass die Schweiz auf konventionelle Art angegriffen wird, ist nach wie vor sehr klein. Mir scheint eher, dass gewisse Kreise jetzt einfach die Angst der Menschen vor dem Krieg ausnützen, um die eigenen Armeeforderungen zu intensivieren.

«Wir drücken die Demokratie nicht einfach auf Pause, wenn ein Krieg ausbricht.»

zentralplus: Aber der Krieg zeigt doch, dass eine funktionierende Armee wichtig ist.

Küng: Aber die Welt wird nicht sicherer, wenn alle aufrüsten! Die Antwort auf die sicherheitspolitische Frage ist: Wir müssen das Völkerrecht und internationale Organisationen wie die UNO und die OSZE stärken.

zentralplus: Auch die Nato?

Küng: Nein, die Nato ist ein Militärbündnis. Und für die Schweiz wäre eine Annäherung definitiv der falsche Weg. Vielmehr müssen wir in Europa dafür sorgen, dass Sicherheit möglich ist, ohne von der Nato abhängig zu werden. Als kleines Land nützt es uns am meisten, wenn wir auf diplomatisch-vertraglichem Weg für sichere Rahmenbedingungen sorgen.

Neu im Präsidium der Grünen Schweiz: Julia Küng folgt auf ihren Zuger Parteikollegen Luzian Franzini.

zentralplus: Kritik gab es auch an der Initiative, die nochmals den Kampfjet an die Urne bringen will. Müsste man die jetzt nicht zurückziehen, wie es auch Bundesrätin Viola Amherd anregte?

Küng: Wir drücken die Demokratie nicht einfach auf Pause, wenn  ein Krieg ausbricht. Die Bevölkerung soll über den Kampfjet-Typ abstimmen können. Das ist auch demokratiepolitisch legitim. Darüber hinaus ist egal, wie viele Kampfjets von welchem Typ auch immer wir anschaffen: Wenn es wirklich zu einer Konfrontation käme, könnte die Armee sowieso nur wenig ausrichten. Die grösste Sicherheitskrise für die Schweiz ist meines Erachtens nach wie vor die Klimakrise.

zentralplus: Der Ukraine-Krieg hat bei Ihnen in diesem Punkt also nicht zu einem Sinneswandel geführt. Hat er in andern Punkten einen Meinungsumschwung herbeigeführt?

Küng: Lassen Sie mich überlegen, damit ich nicht vorschnell Nein sage (zögert). Der Ukraine-Krieg stimmt sicher nachdenklich und wirft die Frage auf, wie wir in unserer privilegierten Rolle Verantwortung übernehmen können. Aber in meinen Positionen fühle ich mich, besonders in Bezug auf die Kritik am Rohstoffhandel, auf tragische Weise eher bestärkt.

zentralplus: Zum Schluss eine persönliche Frage: Sie sind seit 2020 Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz und neu Vizepräsidentin der Grünen Schweiz. Wie sehen Ihre persönlichen Zukunftspläne aus, streben Sie auch ein politisches Mandat an?

Küng: Ja, ich kandidiere im Oktober für den Grossen Gemeinderat in Zug und hoffe natürlich, gewählt zu werden.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Julia Küng
  • Mitteilung zur Einzelinitiative
  • Frühere Medienberichte
Weitere Quellen
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4 Kommentare
  1. sowas, 20.04.2022, 10:00 Uhr

    Vielleicht kann uns der Bitterli Peter ja einmal mitteilen, was diese grünen Politkarrieristen seiner Meinung nach tun müssten, um einen aktiven Beitrag zur Beendigung dieses unsäglichen Krieges zu leisten. Vermutlich interessiert ihn das aber gar nicht. Darum kann man nur spekulieren: Ist seine Abneigung auf alles Rot-Grüne seiner eigenen Vergangenheit geschuldet, bzw. als späte Abrechnung zu interpretieren?

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    1. Peter Bitterli, 21.04.2022, 11:33 Uhr

      Was denken denn Sie, was so ein Splittergrüppchen in Zug ausser kräftig zu spenden für einen aktiven Beitrag zur Beendigung dieses unsäglichen Krieges zu leisten vermag? Gendern gegen Putin?

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  2. Peter Bitterli, 20.04.2022, 06:38 Uhr

    „Mir scheint eher, dass gewisse Kreise jetzt einfach die Angst der Menschen vor dem Krieg ausnützen, um die eigenen […] Forderungen zu intensivieren.“ Soviel Selbstreflexion ist bei den Grünenden selten. Was aber haben Rohstoffunternehmen mit dem Ukraine-Überfall zu tun? Was hilft die Konfiskation der Jacht des Milliardärs X und die Blockierung des Vermögens von Y dem Oligarchenstaat Ukraine? Wieso ist jemand eine Hoffnungsträgerin, bloss weil sie Parteikarriere macht? Wieso muss der Kanton Zug „wachgerüttelt“ werden?

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    1. Justizia, 20.04.2022, 09:26 Uhr

      Ja, was helfen Gesetz und Verfassung, und Justizsystem? Können wir ja direkt abschaffen wenn man es nicht braucht.

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