Politik
50-Meter-Becken steht auf der Kippe

Wie die Littauer «ihr» Waldschwimmbad Zimmeregg erkämpften

Spatenstich für den Bau des Schwimmbads Zimmeregg. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Der Grossstadtrat Luzern entscheidet heute über den Erhalt des 50-Meter-Beckens in der Zimmeregg-Badi. Dass die Littauer um ihre Schwimmanlage kämpfen, hat Tradition. Gebaut wurde sie 1965 nur dank eines enormen Engagements der Bevölkerung.

Der Stadtrat will die Zimmeregg-Badi für 12,5 Millionen Franken modernisieren. Das 50-Meter-Becken soll dafür weichen und durch eines ersetzt werden, das nur halb so lang ist (zentralplus berichtete). Littauer Schwimmerinnen setzen sich dagegen zur Wehr (zentralplus berichtete). Und zwar mit einem Bevölkerungsantrag, der heute im Grossen Stadtrat diskutiert wird.

Die Littauerinnen und Littauer mussten bereits 1965 um ihre Badi kämpfen. Die Zeitung «Die Heimat» begleitete das Projekt damals eng. «Ohne Zweifel hat der grösste Teil unserer Bevölkerung schon oft den Wunsch nach einer Schwimmbadanlage in Littau verspürt», schrieb sie. Die in der Umgebung zur Verfügung stehenden Bademöglichkeiten seien wegen des Massenandrangs «alles andere als ideal».

«Leider müssen wir uns aber mit der Tatsache abfinden, dass der Gemeinde Littau gegenwärtig zahlreiche unaufschiebbare Bauaufgaben harren. Die Gemeinde wird daher in absehbarer Zeit nicht in der Lage sein, auch noch die notwendigen Mittel zur Erstellung eines Schwimmbades allein aufzubringen», so die Zeitung.

Schwimmen als Kompensation zum Autofahren

Doch die Bevölkerung liess sich davon nicht beirren. Ein gewisser Karl Hunkeler aus Reussbühl rief im Juni 1963 die Bürger zur Bildung eines Initiativkomitees zur Gründung einer Schwimmbadgenossenschaft zusammen. Im Zollhaus hielt er vor rund 100 Anwesenden eine flammende Rede für das Projekt. Seine Hauptargumente: der Schwimmunterricht für die Schuljugend, die Überfüllung des nachbarlichen «Mooshüsli» und der gefährliche und zeitraubende Anmarsch dorthin.

Zur Unterstützung lud er als Gastredner Dr. E. Strupler ein, einen Universitätssportlehrer aus Bern. Er warb mit einem Lichtbildervortrag unter dem Motto «Schwimmen, wozu?» für den gesunden Volkssport und den Bau der Badi.

Der heutige Mensch im Zeitalter der Automatisierung müsse sich immer weniger körperlich betätigen und zudem verbringe er auch die Freizeit womöglich mit Autofahren, sagte er. Ein besonderer Dorn im Auge war dem Gelehrten, dass es bereits 14-Jährigen erlaubt worden war, Leichtmotoräder zu fahren! Um da Gegensteuer zu bieten, brauche es das Schwimmbad.

Wie kein anderer Sport beanspruche das Schwimmen alle Muskeln, fördere den Stoffwechsel und regeneriere die Gefässe und Atemwege. «Leider finden wir immer weniger Gelegenheit, wie früher in Seen und Flüssen zu baden.» Deshalb empfahl der gewiefte Sportpädagoge die Erstellung der Anlage eindringlich.

Innerhalb eines Jahres stand die Badi

Gemeindepräsident Karl Segmüller begrüsste es sehr, dass ein initiatives Komitee das Vorhaben an die Hand nahm. 900’000 Franken waren für die erste Bauetappe vorgesehen. «Das sollte mit Unterstützung der Industrie möglich sein», hiess es dazu in der Zeitung. Die Gemeinde gab das nötige Terrain im Baurecht an die Genossenschaft ab.

Anfang April 1966 stand bereits das betonierte Mehrzweckschwimmbecken. (Bild: Stadtarchiv, «Die Heimat»)

Binnen knapp eines Jahres wurden die Bassins gebaut – in Rekordzeit also, wie die «Heimat» mehrfach betonte. Freudig berichtete sie im Juni 1966, dass sich das 50-m-Schwimmbecken auf der Zimmeregg auch ohne Wasserpumpe und Zuleitungen kniehoch mit Wasser gefüllt habe. Nach heftigem Gewitterregen könne man da nun bereits ein Fussbad nehmen. Allerdings wurde davor gewarnt, sich in die Wiese zu legen. Denn rings um die technischen Anlagen sei Gärtnermeister Edy Kaufmann noch daran, diese zu präparieren, damit das «Badevolk nicht auf Distelkraut sönnelen» muss.

Den Apero gabs in der Umziehkabine

Am 5. August 1966 schliesslich fand das Aufrichtefest statt. In den Kabinenräumen des Haupttraktes hatte Frau Martha Wyss-Häne als inskünftige Kioskleiterin für ein kleines «Wirtschaftswunder» gesorgt. Obwohl ihr Kiosk noch nicht fertig war, gelang es ihr, die wohl 80-köpfige Gästeschar sogar mit einem «gut mundenden Imbiss» zu versorgen.

Gemeindepräsident Karl Segmüller meinte am Eröffnungstag: «Schwimmen konnte man in der Gemeinde schon immer, aber nun sogar im Wasser.» Obwohl am Eröffnungstag keineswegs ideales Badewetter herrschte, nahm besonders die Jugend von Reussbühl und Littau doch «spontan Besitz vom neueröffneten Schwimmbad» droben auf der Waldwiese der Zimmeregg.

«Mit Mut und manchmal vielleicht auch mit einigem Zaudern stürzte man sich in die bisher unbekannten Gewässer und liess sich nachher auf der windgeschützten Liegewiese von der dann und wann durchbrechenden Sonne trocknen», schrieb die «Heimat».

Obwohl der Sprungturm noch fehlte, lockte das Becken und die «unergründliche Tiefe lockte zum Tauchen». Diese und andere Installationen sollten später hinzukommen. Der einzige Wermutstropfen war das Wetter in jenem Sommer. «Mehr als solche Vervollkommnungen würden die Badegäste endlich hochsommerliche Wärme wünschen, die eine wirkliche Badesaison ermöglicht. Doch davon träumt man ja nicht nur bei uns, sondern auch am Mittelmeer», hiess es im Artikel zur Badi-Eröffnung.

Giftige Farbe im Becken

Seither ist die Zimmeregg-Badi eine besondere Oase, gelegen auf einer Lichtung, eingebettet in die Bäume des Zimmereggwalds. 26’000 Besucher verzeichnet sie im Schnitt pro Saison – besonders bei Littauern ist sie sehr beliebt.

2014 stand das Idyll auf der Kippe. Die Badi wurde geschlossen, da im Farbanstrich der Becken Chlorverbindungen entdeckt worden waren, die seit 1986 wegen schädlicher Eigenschaften verboten sind.

Ein Jahr darauf wurden – wieder auf Druck der Bevölkerung – die nötigsten Schadstoffsanierungen vorgenommen. Doch der Renovationsbedarf ist 54 Jahre nach der Eröffnung der Badi gross, das hat auch der Stadtrat erkannt. Ob der Sanierung wie vorgesehen auch das 50-Meter-Becken zum Opfer fällt, wird sich bald zeigen.

Die Zimmereggbadi auf einer Luftaufnahme aus dem Jahr 1983. (Bild: Stadtarchiv)
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