Politik
Unterfeld wird auch in Baar diskutiert

«Gebaut wird sowieso, bei einem Nein einfach ohne Park»

V.l.n.r: Simon Hartmann, HHF Architekten AG; Michael Camenzind, Känel Wild AG; Andreas Hotz, Gemeindepräsident Baar; Paul Langenegger, Gemeinderat Baar; Sylvia Binzegger, Gemeinderätin Baar.

(Bild: lih)

Der Bebauungsplan für die Überbauung im Unterfeld wird auch in Baar heiss diskutiert. Am Orientierungsabend der Gemeinde sprach man über viel Wasser, hässliche Zuger Quartiere und die Skyline von Hongkong.

«Ich bin überzeugt, dass nun ein ausgeglichenes Projekt vorliegt», sagt der Baarer Gemeindepräsident am Orientierungsabend zur Abstimmung über das Bauprojekt Unterfeld. Damit fasst er zusammen, was Vertreter des Gemeinderates und beteiligte Architekten und Planer der Baarer Bevölkerung vorstellen: das Bauprojekt Unterfeld als «nachhaltiges und lebendiges Stück Stadt zwischen Zug und Baar». Nur: So harmonisch sieht das die Bevölkerung nicht.

«In meinen Augen ist dies das schlechteste Objekt, das ich je gesehen habe», meldet sich der Baarer Landwirt Schnarwiler als Erster in der Diskussion zu Wort. Wieso dieses vernichtende Urteil? Dünkt ihn das Stück Stadt, das im Unterfeld entstehen soll, hässlich? Oder zweifelt er an der Realisierbarkeit des versprochenen günstigen Wohnraums?

«Venedig lässt grüssen»

Weder noch: «Das Gebiet ist ein Wasserbecken, und da will man eine Stadt bauen. Venedig lässt grüssen!», sagte Schnarwiler. Er kenne das Areal, er habe dort Land bewirtschaftet und stehendes Wasser gehabt. «Dank der Nordzufahrt wurde der natürliche Weg des Wassers abgeschnitten und das ist das Resultat», so der Landwirt.

Michael Camenzind von der Kälin Wild AG, die an der Planung beteiligt war, schüttelt aber den Kopf: «Es gibt ein hydrologisches Gutachten dazu. Das Thema Grundwasser muss man ernst nehmen, das stimmt. Das Unterfeld ist aber ausserhalb dieses Gebietes, das Sie gerade angesprochen haben.»

Wie war das mit dem See?

Das Thema Wasser beschäftigt aber noch weiter: Der Baarer SP-Kantonsrat Zari Dzaferi will wissen, wie denn der geplante See im Park genau funktionieren soll. Simon Hartmann vom Architekturbüro, das den Sieg im Projekt-Wettbewerb davongetragen hat, holt aus. «Der See ist relativ kompliziert. Er verfügt über eine eigene Zirkulation, die das Wasser sauber hält. Der Kreislauf ist aber unabhängig vom Dachwasser, das bei Regen anfällt, Grundwasser oder den renaturierten Bächen der Umgebung.»

Mässig besuchter Orientierungsanlass

«Wir heissen gerne auch Zuger willkommen», begrüsste Andreas Hotz den nur mässig besetzten Gemeindesaal in Baar. Der Orientierungsanlass in Baar ist der einzige dieser Art, in Zug findet etwas Vergleichbares nicht statt. In Baar finde vor jeder Abstimmung eine solche Information mit anschliessender Gelegenheit zur Diskussion statt, erklärt Gemeindepräsident Hotz. Zum Anlass haben sich vor allem ältere Interessierte eingefunden, aber auch einige jüngere durchmischten den Saal.

Aber nicht nur Wasser beschäftigte die Besucher des Orientierungsabends in Baar. Peter Deuber, der selbst an der Planung vor zwanzig Jahren im Auftrag des Zuger Heimatschutzes beteiligt war, kritisiert die Silhouette des neuen Stücks Stadt. «In Hongkong sind die Häuser auch alle etwa gleich gross. Meiner Meinung nach müsste man alle Häuser im Unterfeld auf den 25 Metern belassen», fordert er. Und gibt dann mit einem Zögern doch noch zu: «Vielleicht ein einziges Hochhaus bei der Stadtbahnstation.»

 Die Hongkonger Skyline in Baar

Der Sieger-Architekt Simon Hartmann fühlt sich angesprochen: «Da muss ich etwas dazu sagen, weil ich Hongkong eine der schönsten Städte der Welt finde. Aber ich finde sie in diesen Gebieten schön, wo sie geplant wurde.» Das, was Peter Deuber anspreche, sei nicht die weltbekannte funkelnde Skyline, sondern eben der Teil, in dem nach normalen Regeln gebaut worden sei. «Wenn man keine Akzente setzt, entsteht in Baar keine Silhouette einer Kleinstadt, sondern etwas, das eher einem Vorort von Wien gleicht.»

Die mögliche Skyline von Baar nach der Verwirklichung der Überbauung Unterfeld.

Die mögliche Skyline von Baar nach der Verwirklichung der Überbauung Unterfeld.

(Bild: lih)

Auch Paul Langenegger, der Bauvorstand der Gemeinde Baar, macht sich stark für das geplante Bauvorhaben, wenn auch mit einem gemeinen Seitenhieb nach Zug: «Gerade in Zug, im Herti, gibt es ein paar Überbauungen, die im Regelbau entstanden sind. Man kann selber entscheiden, ob das schön oder nicht schön ist.»

 Was, wenn das Projekt abgelehnt wird?

Das führt zu der eigentlich entscheidenden Frage: Was geschieht eigentlich, wenn das Projekt abgelehnt wird? «Wenn es in einer der Gemeinde nicht angenommen wird, dann ist das Projekt gescheitert», stellt der Baarer Gemeindepräsident Andreas Hotz trocken fest. «In diesem Fall hat die Firma Implenia, der das Land auf Baarer Seite gehört, nach ordentlichem Baugesetz die Möglichkeit, zu bauen.» Wie das dann aussehen könnte, ist nicht klar.

Ganz im Gegenteil zum Zuger Teil des Projektes Unterfeld. Die Landeignerin da, die Korporation Zug, habe durchaus einen Plan B, verrät Architekt Simon Hartmann. «In Zug gibt es dann einfach keinen Park. Die Fläche wird mit Häusern zugepflastert. Gebaut wird sowieso.» Wobei sich ein solches Bauvorhaben der Zuger Korporation im Regelbau wiederum um Jahre verzögern würde. Zuerst müsste nämlich auch das noch vor die Gemeinde.

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