Ohne Emotionen ist für FCL-Trainer Fabio Celestini alles nichts
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FCL-Trainer Fabio Celestini redet am Freitag im Training mit seinen Spielern. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Tabellen-Neunter braucht mehr Leben auf dem Platz Ohne Emotionen ist für FCL-Trainer Fabio Celestini alles nichts

5 min Lesezeit 14.11.2020, 15:02 Uhr

Was braucht dieser FC Luzern, um endlich den ersten Sieg der Saison einfahren zu können? Vor dem Duell gegen den Tabellenletzten Vaduz in einer Woche begeben wir uns mit FCL-Trainer Fabio Celestini (45) auf Lösungssuche.

Dem FC Luzern läuft es zurzeit einfach nicht. Mit nur zwei Punkten nach sechs Spielen steht der Super Ligist auf Rang 9 und damit dem vorletzten Platz in der Tabelle. Am letzten Samstag gegen den FC Zürich (0:2) sah Cheftrainer Fabio Celestini einen unkonzentrierten und farblosen Auftritt seiner Mannschaft. 

Nach den positiven Auftritten in Basel, Bern und gegen St. Gallen ist die Niederlage in Zürich ein Rückschlag, der FCL bleibt eine Wundertüte. Da stellt sich die Frage: Wieso kann diese Mannschaft ihr Potenzial nicht regelmässig abrufen?

Für Fabio Celestini ist klar: «Es liegt nun an mir als Trainer, eine Lösung zu finden.» 

Aber was für Lösungen könnte der Cheftrainer seinem Team während der Nati-Pause aufzeigen?

Hilft eine defensivere Taktik?

Eine Möglichkeit wäre, die sehr offensive Spielphilosophie einen Tick defensiver auszulegen. Ein Blick zurück zeigt, dass die aktuelle Tabellensituation des FCL jener vom letzten Winter ähnelt. Celestini traf damals bei seiner Amtsübernahme auf ein demotiviertes Team ohne Willen und Biss. 

Der Romand spürte sofort, dass es der Mannschaft an Selbstvertrauen mangelte und hatte eine Lösung bereit. Er legte den taktischen Fokus vorerst auf die Defensive und der FCL startete mit vier Siegen in Folge furios in die Rückrunde.

Kein radikaler Umbruch wie beim FCZ

Ähnlich wie Celestini erging es vor ein paar Wochen Massimo Rizzo. Der FCZ-Interimstrainer übernahm ebenfalls eine desolate Mannschaft mit wenig Selbstvertrauen, konnte sie aber mit einem rigorosen und aufopferungsvollen «Catenaccio» stabilisieren. 

Dank diesem italienischen Türriegel feierte der FC Zürich drei Siege in Folge, zuletzt auch gegen den FC Luzern. Einen solchen Philosophiewandel wie in Zürich steht für Celestini aber ausser Frage, wie er gegenüber zentralplus sagt.

Er wird seiner Linie weiter treu bleiben, auch ein vorübergehender Fokus auf die Defensive ist nicht geplant. Celestini liess keinen Zweifel daran, dass er und die Mannschaft nach wie vor von der Spielphilosophie überzeugt sind (zentralplus berichtete).

Die Sperre von Lucas als Chance?

Die Spielphilosophie bleibt also die gleiche, mehr Spielraum lässt sich Celestini aber bei der Aufstellung. Das muss er auch, Abwehrchef Lucas wird gegen den FC Vaduz nämlich gesperrt fehlen. 

Neben dem gesetzten Stefan Knezevic könnte so die Allzweckwaffe Marvin Schulz in die Innenverteidigung rücken. Der Deutsche scheint momentan in der Gunst von Celestini vor Innenverteidiger Marco Bürki zu stehen. Festlegen will sich der Trainer aber noch nicht. 

«Die Spielphilosophie liefert keine Punkte, wir gewinnen über die Emotionen.»

FCL-Trainer Fabio Celestini

Klar ist: Beide Spieler würden der Spielauslösung des FCL gut tun. Dauerbrenner Lucas ist durchaus kein schlechter Fussballer, in der Spieleröffnung aber limitiert. Gegen einen defensiven Gegner wie den FC Vaduz bietet sich also die Chance, den Spielaufbau flexibler zu gestalten.

Dreierkette wieder eine Option

Auch die Rückkehr zu einer Dreierkette bezeichnet Fabio Celestini als interessante Option. In der Rückrunde der letzten Saison sorgte diese für die nötige defensive Stabilität und einen variableren Spielaufbau.

Sie wäre aber mit Schulz, Knezevic und dem oft gescholtenen Bürki anders aufgestellt als im Frühling. Damals spielte der aktuell am Knie verletzte Burch erfolgreich an der Seite von Knezevic und dem gesperrten Lucas. Ob sich deshalb die gleichen Erfolge einstellen, ist fraglich. 

Emotionen sind gefordert!

Aber ob Dreierkette, Viererkette, Bürki oder Schulz: Für Celestini ist das nur ein Aspekt seines Spielplans, wie er gegenüber zentralplus betont. Viel wichtiger sind ihm die Emotionen, der unbedingte Siegeswille, den sein Team in manchen Phasen des Spiels vermissen lässt.

Deshalb vermittelt der Cheftrainer den Spielern, so oft es geht, seinen Leitsatz: «Die Spielphilosophie liefert keine Punkte, wir gewinnen über die Emotionen.» 

«Es muss aber auch mehr vom Rest der Mannschaft kommen.»

Celestini erklärt: «Unser Spielsystem lebt von den Emotionen und der Aggressivität. Auch wenn meine Mannschaft die Taktik perfekt umsetzt: Wenn keine Emotionen im Spiel sind, wird unser ganzes System fragil. Da kann keine Taktikumstellung helfen.»

Deshalb wird Celestini auch nicht seine ganze Fussball-Philosophie über Bord werfen, sondern sucht oft das Einzelgespräch mit seinen Spielern. Auf diesem Weg erhofft sich der Cheftrainer, die Emotionen aus den Spielern herauszulocken und mentale Blockaden lösen.

Captain Schwegler ist wieder an Bord

Einer, der diese geforderten Emotionen immer auf den Platz trägt, ist Christian Schwegler. Der Captain ist wie auch Pascal Schürpf nach überstandener Verletzung zurück im Mannschaftstraining. Ob es für einen Einsatz gegen Vaduz reicht, ist bei beiden aber noch unklar. 

Mit der Rückkehr des Aggressivleaders Schwegler und der Teamstütze Schürpf erhofft sich Celestini zwar mehr Feuer auf dem Platz. «Es muss aber auch mehr vom Rest der Mannschaft kommen», hält Celestini gegenüber zentralplus fest. 

Ähnlich wie der Trainer sieht es übrigens auch sein Captain. Schwegler bemängelte bereits im FCL-Podcast vom letzten Frühling einen fehlenden Aggressivleader neben ihm im Team.

Ob einer der Neuzugänge in diese Rolle wachsen kann, wird sich in den nächsten Spielen zeigen. Emotionen müssen aber dringend und zwingend auf den Platz, sonst steht Celestini und seinen Mannen ein steiniger Weg bevor.

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