FCL auf radikalem Weg zur richtigen Vision
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Kann sein Team den Ball verarbeiten, den Fabio Celestini seinen Mannen (rechts Neuverpflichtung Martin Frydek) zuspielt? (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Jetzt müssen dringend Punkte her FCL auf radikalem Weg zur richtigen Vision

4 min Lesezeit 27.10.2020, 17:05 Uhr

Die Transformation des FC Luzern von einem Fussball arbeitenden zu einem Fussball spielenden Team ist evident – sie sichert langfristig dessen sportliche und wirtschaftliche Zukunft. Doch sie braucht Zeit. Das zeigt der missratene Saisonstart. Zeit aber ist für einen Trainer das rarste Gut.

Man darf FCL-Trainer Fabio Celestini und seinem durch sieben Neuzugänge und ebenso viele Abgänge neu formierten Team zugutehalten: Sie haben in der laufenden Saison noch kein Desaster abgeliefert.

Es waren gute Ansätze dabei, wie die 60 Spielminuten im Heimspiel gegen den damals ungeschlagenen Leader St. Gallen (2:2). Das verleitete Fabio Celestini im Rückblick zu sagen, dass er stolz auf sein Team sei und ihm gerne beim Spielen zuschaue.

Allerdings ist es auch nicht bloss einer üblen Laune des Fussball-Gottes zuzuschreiben, dass der FCL mit bloss zwei Punkten aus fünf Spielen dasteht. Luzerns Sportchef Remo Meyer pflegt bei Gelegenheit jeweils zu sagen, dass die Tabelle nie lüge. Da hilft es nicht, dass aus den saisonübergreifend letzten 13 Meisterschaftsspielen nur ein Sieg (2:1 gegen den FC Zürich am 31. Juli) resultierte.

Die eine entscheidende Frage

Nachdem die Luzerner am Sonntag beim 1:2 in Bern in der zweiten Halbzeit überfahren worden sind (zentralplus berichtete), kann Fabio Celestini in den zwei aufeinanderfolgenden zweiwöchigen Trainingslagern eine stilsichere Spieleröffnung und Automatismen einstudieren lassen. Der nächste Ernstkampf der Luzerner findet am 7. November beim FC Zürich statt, das nächste Heimspiel am 21. November gegen Aufsteiger Vaduz.

Die Frage, die sich dem FC Luzern in diesen Tagen und Wochen stellt, lautet: Was ist der richtige Weg zum Ziel einer fraglos richtigen Mission?

«Wir verfolgen gemeinsam einen Plan. Das Ziel habe ich mit meinen Teams immer erreicht, wenn ich genügend Zeit bekam.»

FCL-Trainer Fabio Celestini

Sportchef Remo Meyer hat mit Fabio Celestini einen fähigen Mann engagiert, um den FCL in eine spielerisch attraktive Zukunft zu führen. Der 44-jährige Romand ist dazu in der Lage, junge und talentierte Spieler in der täglichen Arbeit besser zu machen. Und nur über gewinnbringende Transfers kann der Klub sein Geschäftsmodell in der Zukunft mehr oder weniger finanzieren.

Celestini präferiert dogmatischen Weg

Celestini hat die Frage nach dem richtigen Weg zum Ziel für sich schon beantwortet: Er zieht den dogmatischen Weg gegenüber einem pragmatischen vor. Also die konsequente Umsetzung seiner Vorstellung von modernem Fussball. Und die zieht Celestini durch – ungeachtet der gegnerischen Qualität und des eigenen Punktestandes.

Darum liess er selbst gegen die Balljäger aus St. Gallen und den Liga-Dominator YB das eigene Spiel von hinten heraus eröffnen. Die Konsequenz daraus waren ein paar haarsträubende Fehler im Passspiel eines Teams, das sich eben erst noch finden muss.

«Wir zweifeln nie.»

Slogan auf den Luzerner Einlaufleibchen

Dabei gäbe es auch den pragmatischen Weg. Und der hätte es erlaubt, den hochstehenden Gegner gelegentlich mit einem weiten Ball in Verlegenheit zu bringen. Doch davon hält Fabio Celestini nichts: «Wir verfolgen gemeinsam einen Plan. Das Ziel habe ich mit meinen Teams immer erreicht, wenn ich genügend Zeit bekam.» Und er schiebt nach: «Wir werden eine gute Meisterschaft spielen.»

Es geht um die Balance

Seine schönen und schier beschwörenden Worte harren allerdings noch der Umsetzung in die fussballerische Realität: So interessant die qualitative Aufwertung des FCL-Kaders auf dem Papier aussieht, so interessant wäre es alsbald, den erfolgversprechenden Ansatz – in Form von Punktgewinnen –auf dem Spielfeld durchsetzen zu können.

In letzter Konsequenz muss Fabio Celestini mit seinen Mannen also die Balance finden zwischen Realismus und Vision. Die Balance in seinem Spielsystem zwischen Defensive und Offensive. Sonst steht dem FCL unweigerlich ein sehr holpriger Weg durch die laufende Corona-Meisterschaft bevor.

Seit dem Restart der abgeschlossenen Spielzeit im Juni tragen die FCL-Spieler Einlaufleibchen mit dem Schriftzug: «Wir zweifeln nie.»

Jetzt zeigen sich die FCL-Leader

Doch mit jedem Spiel mehr, in dem die Luzerner auf ihren ersten Saisonsieg warten (zentralplus berichtete), wird der Druck und die Nervosität nicht länger vor der eigenen Garderobe Halt machen. Gut gemeinten Phrasen auf dem Einlauftenue zum Trotz.

Umso wichtiger sind in dieser Phase der Integration der neuen Spieler und der Transformation als Mannschaft die Leader im Team. Sie müssen Persönlichkeit zeigen und ihren Führungsanspruch unterstreichen. Kein Desaster abliefern wird in den kommenden Spielen deutlich zu wenig sein. Es braucht wirklich Zählbares.

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