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Nun also doch: Stadt Luzern will gegen Airbnb-Business vorgehen
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SP-Politiker Cyrill Studer (links) und David Roth kämpfen gegen Vermietungsplattformen. Nun wird die Stadt aktiv. (Bild: jwy)

Kehrtwende des Stadtrates Nun also doch: Stadt Luzern will gegen Airbnb-Business vorgehen

3 min Lesezeit 1 Kommentar 20.08.2019, 11:00 Uhr

Kurswechsel im Umgang mit Vermietungsplattformen: Der Luzerner Stadtrat plant, das kommerzielle Anbieten von Wohnraum für Touristen einzuschränken. Wie genau, ist noch unklar.

Der Luzerner Stadtrat nimmt die Wohnungsvermietung via Airbnb & Co. ins Visier. Er will prüfen, wie professionelle Anbieter eingeschränkt werden könnten. Dies hat er am Dienstag im Rahmen einer Präsentation zur Wohnraumpolitik bekannt gegeben.

Die kommerzielle Vermietung von Wohnungen via Airbnb wird in Luzern seit längerem kritisch beobachtet. Kürzlich kündigte die SP gar eine Volksinitiative an, falls die Stadt nichts unternimmt. Denn bislang scheiterten Vorstösse zur Bekämpfung von Airbnb (zentralplus berichtete)

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Kommerzielle Anbieter ins Auge gefasst

Der Entscheid der Stadt ist aber keine Reaktion auf die drohende SP-Initiative, betonte Sarah Grossenbacher, Co-Leiterin Stadtplanung. Vielmehr hat die Stadt die entsprechenden Daten zusammengestellt und gesehen: Die temporäre Vermietung von Wohnungen auf Sharing-Plattformen wie Airbnb hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Ob das – wie von der SP behauptet – zu höheren Mietpreisen und einer Verknappung von Wohnungen für Einheimische führt, lässt der Stadtrat aber offen. Welche Folgen die Zunahme auf den Wohnungsmarkt habe, sei derzeit schwierig abzuschätzen.

Vom Erfolgsmodell zum Pièce de Résistance

Ursprünglich klang alles wunderbar: Buchungs-Plattformen wie Airbnb ermöglichen es Touristen, mit Einheimischen in Kontakt zu treten und einen Einblick in deren Lebenswelt zu erhalten. Anbieter können ganz im Geiste von «Sharing Economy» Geld verdienen, wenn sie mal weg sind. Das stiess auf grossen Anklang. Doch die Idee wird zunehmend zum Opfer des eigenen Erfolgs: Angelockt von hohen Renditen, wurden gerade in Touristenhochburgen immer mehr klassische Wohnungen in Unterkünfte für Reisende umgenutzt. Mehrere Städte weltweit haben deshalb inzwischen strikte Regelungen erlassen.

Der Stadtrat hält aber fest: Dass kommerzielle Anbieter Wohnungen dauerhaft als Touristenunterkünfte umnutzen, soll nicht mehr «uneingeschränkt möglich sein». Denn dabei stehe nicht mehr die ursprüngliche Idee im Vordergrund, die eigene Wohnung während der Ferien oder ein leerstehendes Zimmer vorübergehend zu vermieten.

Im Juni war dies gemäss Angaben der Stadt bei nur knapp 70 Angeboten der Fall. Demgegenüber wurden zur gleichen Zeit 292 Wohnungen professionell temporär zur Miete angeboten – also viermal mehr. «Es zeigt sich somit zwischenzeitlich, dass es Massnahmen zum Schutz des Wohnraums braucht», hält der Stadtrat in seiner Antwort auf eine Motion der SP-/Juso-Fraktion fest.

Luzern sucht eigene Lösung

Das kommt einer Kehrtwende gleich. Noch im letzten Herbst war der Stadtrat überzeugt, dass es «keine direkten negativen Auswirkungen von professionellen Airbnb-Anbietern» gebe und entsprechend kein unmittelbarer Handlungsbedarf bestehe (zentralplus berichtete).

Nun will er konkret prüfen, ob eine entsprechende Anpassung des Bau- und Zonenreglements möglich ist. Eine Vermietung über Airbnb wäre demnach nur noch erlaubt, wenn man die Wohnung selber bewohnt und sie im Sinne der «Sharing Economy» vorübergehend anderen überlässt. Der Stadtrat strebt dabei eine «Luzerner Lösung» an.

Das ist zugleich eine Absage an das «Berner Modell»: In der Bundesstadt ist es seit kurzem verboten, bestehende Wohnungen in der Altstadt dauerhaft touristisch zu nutzen. Diese Massnahme lasse sich nicht einfach eins zu eins auf die Stadt Luzern übertragen, findet der Stadtrat. Wie die luzernspezifische Lösung im Detail aussehen könnte, ist noch offen.

Klar ist hingegen bereits jetzt: Das ist ein herber Dämpfer für die kommerziellen Anbieter, die bislang stets bestritten, dass ihr Geschäft zu einer Verknappung des Wohnungsangebots führe (zentralplus berichtete).

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1 Kommentare
  1. LAZY, 20.08.2019, 19:49 Uhr

    Heutige Presse – Infos i. S. Zweitwohungsbau:
    Die Gemeinden seien zudem mit zahlreichen Fragen der Eigentümer konfrontiert, die nicht selten vor Gericht behandelt werden müssten. Die komplexe Zweitwohnungsgesetzgebung sei für Nicht-Experten nur schwer nachvollziehbar. Gemäss Gastgewerbe- und Gewerbeamt GGA Luzern braucht es bereits heute für gewerbliche Nutzung ab zwei Wohungen eine Bewilligung.
    Immerhin wollte auf Bundesebene gerade die SP für deren Mitglieder ein Zusatzeinkommen schaffen. Warten wir mal ab, was rauskommt. Im besten Fall nicht allzuviele Gerichtsstreitigkeiten. Wer den Markt beobachter stellt fest, der HIPP hat in Luzern den Zenith bereits überschritten.