Nach Korrektur: R-Werte in Zug und Luzern liegen unter dem kritischen Wert
  • Gesellschaft
Der R-Wert bringt zum Ausdruck, wie viele Personen von einer infizierten Person angesteckt werden. Allerdings ist seine Berechnung schwierig. (Bild: Pixabay)

Unsichere Kennzahl für Corona-Massnahmen Nach Korrektur: R-Werte in Zug und Luzern liegen unter dem kritischen Wert

2 min Lesezeit 8 Kommentare 29.12.2020, 11:45 Uhr

Der R-Wert ist zu einem wichtigen Faktor für Massnahmen gegen die Corona-Pandemie geworden. In Luzern und Zug ist er nach neuesten Berechnungen unter den kritischen Wert von 1 gefallen. Ob deshalb Lockerungen in Betracht gezogen werden, ist offen.

Der R-Wert steht für die durchschnittliche Anzahl Personen, die ein mit dem Coronavirus infizierter Mensch ansteckt. Noch am 18. Dezember, als der Bund den Gastro-Lockdown beschloss, wies der Kanton Luzern den dritthöchsten R-Wert der Schweiz auf (zentralplus berichtete). Dieser lag am Stichtag, 4. Dezember, bei 1,2. Auch in Zug war der R-Wert mit 1,05 über der Grenze von 1. Erst wenn der R-Wert darunter liegt, kann gemäss Bund eine Lockerung der Massnahmen in Betracht gezogen werden.

Nun zeigt sich aber: Nach einer Korrektur hat die ETH – welche die Zahlen berechnet – deutlich tiefere Werte ermittelt. Neu sehen die Kurven für Zug und Luzern, Stand 29. Dezember, nämlich so aus:

Korrektur kurz vor Weihnachten

Wie der «Tages Anzeiger» berichtet, korrigierte die ETH den R-Wert zweimal im Nachhinein. Am 22. Dezember wurde der R-Wert vom 4. Dezember schweizweit auf 1,05 gesenkt. Auf 100 Infizierte kamen demnach 105 Ansteckungen.

Als am Montag neue Corona-Kennzahlen veröffentlicht wurden, wurde der ausgewiesene R-Wert für die ganze Schweiz vom 4. Dezember erneut gesenkt. Und zwar auf exakt 1. 100 Infizierte hatten demnach 100 Personen angesteckt. Das würde bedeuten, dass die Infektionszahlen stabil bleiben. Ursprünglich war mit einem R-Wert von 1,13 von einem exponentiellen Wachstum ausgegangen worden.

Auch mit Blick auf Luzern und Zug wird nach der Korrektur neu von tieferen Werten als am 4. Dezember ausgegangen: In Luzern betrug er nach heutigen Berechnungen 1.06, in Zug genau 1.

Seither sind die Zahlen sinkend: Aktuell liegt der R-Wert in Luzern bei 0,92 am 14. Dezember. In Zug bei 0,95. Damit Massnahmen gelockert werden könnten, müsste der R-Wert mindestens während sieben Tagen unter 1 bleiben. Zudem müsste die Anzahl der Neuansteckungen (7-Tages-Inzidenz) tief bleiben.

Forderungen aus der Gastronomie: R-Wert soll vernachlässigt werden

Es stellt sich die Frage, wie es zu diesen Veränderungen im Nachhinein gekommen ist. Die Antwort: Die Reproduktionszahl wird jeweils geschätzt und gilt deshalb als einer der unsichersten Werte. Sie wird jeweils mit grosser Verzögerung von bis zu 14 Tagen publiziert.

Auf der Webseite des Kantons Luzern beispielsweise wird deshalb neben dem Mittelwert auch der Bereich angegeben, wie stark die Abweichung des angegebenen R-Wertes nach oben oder unten sein könnte.

Besonders aus der Gastronomie werden nun schweizweit Forderungen laut, den R-Wert nicht mehr als Grundlage für den Beschluss von Massnahmen beizuziehen. Auch beim Gewerbeverband der Schweiz spricht man sich gegenüber dem «Tages Anzeiger» für eine «breitere Datenbasis» aus.

Für Luzern und Zug hat der schwankende, im Nachhinein geänderte R-Wert (noch) keine Auswirkungen, was die Massnahmen vom 18. Dezember betrifft.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 250 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

8 Kommentare
  1. CScherrer, 30.12.2020, 11:13 Uhr

    Die Kommentare der Nichtgehörten liest sich wie Satire. Befindlichkeiten und Verschwörungstheorien entlarven dieses pseudo-intellektuelle Geschwafel als Nonsens. Wäre es nicht so traurig, könnte man darüber lachen. Diese Nichtgehörten entlarven sich als Gefahr für eine funktionierende soziale Gesellschaft, weil sie es partout nicht verstehen, dass eine Gesellschaft nur funktioniert, wenn alle in die gleiche Richtung ziehen. Freie Meinungsäusserung und die direkte Demokratie werden niemals gefährdet sein. Der Rechtsstaat funktioniert in diesem Land tadellos. Das Gegenteil aufgrund einer persönlichen Befindlichkeit zu behaupten entlarvt diese Nichtgehörten. Sie schwafeln von Demokratie, sind aber bereit sämtliche demokratischen Prozesse zu destabilisieren. Zweifeln Wahlen an, behaupten ohne den Beweis dafür zu erbringen, dass es sich dabei um Betrug handelt. Da stellt man sich die Frage, wie lange dieses primitive Spiel noch weitergehen soll. Würde mich nicht überraschen, wenn diese Menschen die nächsten Wahlen in der Schweiz als Betrug bezeichnen würden. Das mag vielleicht hart sein, aber der grosse Teil der Gesellschaft hat keine Lust mehr auf eure Befindlichkeiten. Einfach nur peinlich!

    Es ist an der Zeit, dass man sich solidarisch zeigt, persönliche Befindlichkeiten hinten anstellt und die sozialen Kontakte einschränkt. Ist doch nicht so schwierig.

    1. ÖffÖff, 30.12.2020, 14:53 Uhr

      Sie haben nicht die Hoheitsrechte oder auch nur die allergeringste Legitimation zu definieren, was eine richtige und was eine falsche Meinung, Vorstellung oder Ansicht ist. Es ist das verbriefte Recht eines jeden Einzelnen, dies nach Gutdünken selber zu entscheiden, selber zu tun. Im Übrigen erzielen Sie mit der inflationären Verwendung von emotional aufgeladenen und ideologisierten Kampfbegriffen wie «Verschwörungstheoretiker» usw. mittlerweile nur noch das Gegenteil von dem, was sie eigentlich damit bezwecken: Sie adeln die Urheber noch, bestätigen sie nur in ihrem Verdacht. Die Verdammung, die Sie erzielen möchten, verfängt nicht. Produziert das Gegenteil; führt immer neue Energie in das System der berechtigten Kritik. Und Kritik und Kritikfähigkeit ist unabdingbarer und integrierter Teil einer Demokratie. Diese Verklammerung mit gesellschaftlich geächteten Begriffen; Themen usw. und die Erzeugung von gesellschaftlichen oder sozialen no-go-areas und gedanklichen Sperrgebieten zeigt ja bereits, woher der Wind pfeift. Die Absicht dahinter bleibt nicht verborgen. Demokratie ist ein Wettbewerb von allerlei politischen Angeboten. Wenn nicht frei und ohne Angst hinsichtlich Sanktionen gewählt werden kann, ist die Demokratie und mit ihr die Meinungsfreiheit am Ende. Deshalb sind Meinungsunterdrücker und agitatorische Stimmungsmacher wie Sie für eine gelebte und ihrem Wesen nach wahrhafte Demokratie die gefährlichsten Kräfte!

    2. Dunning-Kruger, 30.12.2020, 17:26 Uhr

      Heftiges statement!! «…wenn alle in die gleiche Richtung ziehen….» klingt für mich vom Konzept eher nach konditionierter, vorsätzlicher Gleichschaltung denn nach freier Wahl! Völlig an den tatsächlichen hier herrschenden Bedingungen vorbei und nur mittels massiver Repression, exorbitanter Bevormundung, ja total Entmachtung durch einen allmächtigen Staatsapparat überhaupt denkbar. Nur leider ist dies mit Freiheit und Demokratie absolut unvereinbar und steht im krassen Widerspruch dagegen.

    3. Paul Bründler, 30.12.2020, 17:44 Uhr

      @ÖffÖff: Danke!
      Wir brauchen mehr Stimmen wie die Ihre.

      Einen guten Rutsch wünsche ich allen die hier mitlesen, selbstverständlich auch CScherrer und insbesondere dem Z+ Team, welches sich (wahrscheinlich oft contre-coeur) bemüht, hier alle Stimmen zu veröffentlichen und damit dazu beiträgt, die Demokratie lebendig zu erhalten.
      Danke dafür!

  2. Luc Bamert, 29.12.2020, 17:29 Uhr

    Wurde uns der R-Wert nicht seit bald einem Jahr als Wissenschaft verkauft? Und nun heisst es plötzlich, dass es ein sehr unsicherer, lediglich geschätzter Wert ist. Wir bzw. diejenigen, die der Regierung vertrauen, wurden also vorsätzlich getäuscht, um es gesittet auszudrücken.
    Besser ist es, grundsätzlich mal nichts zu glauben, was von den zuständigen Stellen zu vernehmen ist. Für mich gilt das schon seit Jahren (Einwanderung, Klimarettung etc.).

  3. Hugo Ball, 29.12.2020, 15:17 Uhr

    Angsterzeugung als Herrschaftstechnik hat schon immer blendend funktioniert! Warum sollten die Mächtigen also was an dieser Strategie ändern? Im Gleichschritt (lock-step) erodiert die freiheitliche Ordnung derweil auf nimmer Wiedersehen und geht in etwas Neuem auf!

  4. Paul Bründler, 29.12.2020, 12:48 Uhr

    Das habe ich in dem oben verlinkten Beitrag schon geschrieben (Z+: Luzern hat den dritthöchsten R-Wert der Schweiz).

    Artefakte!

    Fehler können bei der Datenerhebung, der Auswertung sowie beim grundlegenden methodischen Ansatz liegen bzw. entstehen.
    Das ist alles soweit normal.
    Auf diesen Wackeldaten basierend Bussen zu erteilen und Existenzen zu zerstören ist jedoch skandalös.

  5. mebinger, 29.12.2020, 12:08 Uhr

    Wann beenden wir diesen Irrsinn endlich? Es ist in der Wirkung eine ganz normale Grippe und die Zahlen rechtfertigen keine einzige Massnahmen, ausser wir wollen den Tod eliminieren und das Leben zerstören und genau auf diesem Weg sind wir. Alle Einzelfälle, die es auch bei der Grippe gibt, werden aufgebauscht und missbraucht so ist der zeitweise Geruchssinn-Verlust und die Lungenentzündung auch bei der Grippe nicht aussergewöhnlich. 80 % der hysterischen Meldungen sind völlig daneben, wenn man recherchiert

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.