Miriam Schöb: «Ich stehe ja erst zwei Millimeter in der Öffentlichkeit»
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Stand schon immer für Fairness ein: Miriam Schöb. (Bild: ida)

Luzerner Studentin für Award nominiert Miriam Schöb: «Ich stehe ja erst zwei Millimeter in der Öffentlichkeit»

4 min Lesezeit 7 Kommentare 09.08.2020, 05:01 Uhr

Miriam Schöb steht seit fünf Jahren regelmässig auf der Bühne. Nun ist die 21-Jährige für den diesjährigen Swiss Comedy Award in der Kategorie Newcomer Talent nominiert. Ein Gespräch über Nippel, Absurditäten und Guerilla-Aktionen.

Sie hat für eine Ausstellung exakt 133 Mal aus Silikon ihre eigenen Nippel nachgeformt und forderte die Besucherinnen und Besucher dann auf, diese während des Ausstellungsbesuches zu stimulieren. Ein anderes Mal hat sie ungefragt Werbeplakate im öffentlichen Raum aufgehängt, ebenfalls als Kunstaktion. Auch steht sie auf der Bühne und erzählt haarscharfe und abstruse Beobachtungen vom Alltag.

Miriam Schöb ist vieles: Slam-Poetin, Zeichnerin, Künstlerin, Comedienne. In diesem September hat sie die Chance, den Swiss Comedy Award in der Kategorie Newcomer Talent abzusahnen. Seit zwei Jahren studiert sie in Luzern Kunst und Vermittlung. Derzeit lebt sie in den Niederlanden, ursprünglich ist sie aus Staad im Kanton St. Gallen.

«Ich mache das, wozu ich Lust habe», sagt sie bei einem Cappuccino und einer Cola in der Volière beim Luzerner Inseli. «Vielleicht kann ich auch einfach nicht Nein sagen. Ich probiere gerne viel aus und gerate dann in solche Situationen wie jetzt: Dass ich aufs Mal Comedienne bin.»

Bühnen faszinieren sie

Begonnen hat alles mit einem Poetry-Slam-Workshop an der Kantonsschule am Burggraben, als Miriam Schöb ungefähr 16 Jahre alt war. Geschrieben hat sie immer gerne – und fand es dann auch reizvoll, auf der Bühne zu stehen. «Das Konzept der Bühne fasziniert mich», sagt sie. Für sie ist die Welt eine Bühne, das Leben eine grosse Performance.

Angetan ist sie von den unterschiedlichsten Bühnen – ob diejenige im Zirkus, im Theater, beim Kabarett oder bei einer Drag-Show. Oder eben die Slam-Bühne, die sie selber betritt. «Ich mag es, mein Ding abzuliefern und zu sehen, was mit dem Publikum passiert: Aktion und Reaktion.»

Hauptsächlich liebt sie es, die Menschen zum Lachen zu bringen. Die Grenzen der Absurdität zu testen. Sodass sich das Publikum immer fragt: «Was will sie uns jetzt eigentlich genau sagen?» Oder wie bei der Nippel-Ausstellung. «De facto haben die Menschen ja ein Abbild meiner Nippel stimuliert», sagt sie und lacht. Und elf Silikonnippel werden es wohl immer noch – so viele kamen während der Ausstellung weg.

Sie mag vielleicht bei einigen anecken, gar provozieren. Auch wenn sie zugleich fragt, ob Realität überhaupt provokativ sein könne. Einen Shit Storm hat sie bis anhin aber noch nie erlebt. «Ich bewege mich ja aber auch erst zu zwei Millimeter in der Öffentlichkeit», sagt Miriam Schöb, obwohl sie seit fünf Jahren regelmässig auf der Bühne steht. Lachend sagt sie weiter: «Auch wenn ein Shit Storm bestimmt einmal kommt. Bei all den Internettrollen, die es gibt.»

«Because Miriam Schöb told you to stay home»

Schöb will aber auch aufrütteln. Wie etwa mit der Guerilla-Aktion in Nijmegen, Niederlande:

Begonnen hat es damit, als Miriam Schöb zu Beginn der Corona-Krise ein Werbeschild sah, mit dem ein Fitness-Center für einen Tag der offenen Tür geworben hat. Sie selbst habe nur lachen können als sie jenes Schild sah, da ein solcher Event unter diesen besonderen Umständen gar nicht mehr stattfinden konnte. Auch überlegte sie sich, ob man nicht eher Werbung fürs «zuhause bleiben» machen sollte.

So lief sie nach Hause, holte Pinsel und Farbe, lief zurück und übermalte das Schild. Daraus entstanden ist die Serie «Reasons to stay home». Sie suchte nach humorvollen Gründen, warum Leute zuhause bleiben sollten, schrieb diese auf selbstgebastelte Schilder und stellte insgesamt 31 davon im öffentlichen Raum Nijmegens auf. «Because Miriam Schöb told you to stay home.»

Miriam Schöb in der Comedy Talent Stage von SRF 3:

Der Traum von einer eigenen Galerie

An ihrer Bauchtasche prangen lila und pinke Buttons von «Ja zum Schutz vor Hass» und dem Frauenstreik. Sie kämpfe für Gleichstellung und einen Feminismus für alle, mit dem Ziel, eine nicht-diskriminierende Gesellschaft zu haben. «Ich hatte schon immer einen grossen Drang nach Fairness», sagt Miriam Schöb.

Grosse Träume hat sie auch für die Zukunft: Die Eröffnung einer eigenen Galerie, in der alles möglich ist. Grenzenlos. Ein Ort für Kunst, Politik, Partys, Drag Shows, Fashion Weeks, Workshops. «Genauso bin ich auch überzeugt von antikapitalistischer Kunst. Kunst soll für alle zugänglich sein.»

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7 Kommentare
  1. Billie Holiday, 09.08.2020, 06:52 Uhr

    Aha: Sie kämpfe für Gleichstellung und einen Feminismus für alle, mit dem Ziel, eine nicht-diskriminierende Gesellschaft zu haben. «Ich hatte schon immer einen grossen Drang nach Fairness». «Genauso bin ich auch überzeugt von antikapitalistischer Kunst. Kunst soll für alle zugänglich sein.» Also Ideologie. Also das Gegenteil von Satire.

    1. Andreas Peter, 09.08.2020, 11:51 Uhr

      @Holiday: Heute kann man nicht einmal mehr aufs Klo, ohne seinen Moralismus zu signalisieren.
      Idealerweise sollte man auch „gegen Rechts“ sein, wobei auf Konservativismus abgezielt wird, welcher aber irgendwie mit „Nazi“ verbunden wird.
      Also ob Nazis Konservative gewesen wären. Egal, Haltung zählt, Geschichte dient nur dann, wenn sie das eigene Narrativ stützt. Dazu darf sie auch verbogen werden bis die Schwarte kracht.
      Aber irgendwann wird es sogar den härtesten Antifas öde. Siehe Sedelautokinoprogramm und Zuschauerzahlen.
      Manchen dämmert wohl heimlich, dass „Nazis“ 2020 in der CH vielleicht doch nicht das vordringlichste Problem sind.
      Noch zur „Satire“: Satire ist dann geistreich und ggf. lustig, wenn sie eine Mehrheit aufs Korn nimmt.
      Satire ist dann oberlehrerhaft, langweilig und „filterblasig“, wenn sie den Mainstream bedient und sich über Minderheiten lustig macht. Da der Mainstream heute links ist, sind Witze auch über Konservative per Definition nicht mehr lustig.
      Zuschauer ausserhalb der Blase spüren das.

    2. Paul Nigg, 09.08.2020, 11:53 Uhr

      Unter falschem Namen und falschem Bild posten … … …
      schämen Sie sich nicht?

    3. Billie Holiday, 09.08.2020, 17:52 Uhr

      Nigg! Nicht auf dem Laufenden, ääh?

    4. Billie Holiday, 09.08.2020, 17:58 Uhr

      @ Andreas Peter:
      Was nun allerdings ein spärliches Publikum in einem Po-Up-Autokino bei einem der schönsten und intelligentesten Filme überhaupt mit „Antifa“ zu tun haben soll, entzieht sich mir völlig. Würde man den Empörungsschreiern „Lost Highway“ mit Erklärungen nahezubringen versuchen, würden diese ja ganz im Gegenteil sämtliche „Ismen„ und „Phoben“ denunzieren, die ihnen so im Gehirn rumschwappen.

    5. Andreas Peter, 10.08.2020, 10:39 Uhr

      @Billie Holiday: Sie haben recht, dass ich das zu verkürzt und nicht korrekt wiedergegeben habe.
      Genau so, wie der Satz, der im entsprechenden Artikel steht: „Keine Chance für Nazis – auch nicht auf der Leinwand.“
      Das stimmt so ja auch nicht, da es sich um keine den Faschismus verherrlichenden Filme handelt.
      Die ANTI-Nazi Filme wolle bei der Abstimmung niemand sehen, wohl weil das Thema stark abgelutscht ist.
      So ist meine verkürzte Aussage doch nicht ganz falsch.

      @Paul Nigg: Wieso sollte er sich dafür schämen? Sie haben ja gar kein Bild.
      Inhaltlich haben Sie nichts beizutragen?

    6. Paul Nigg, 10.08.2020, 13:23 Uhr

      @holiday, @peter: Foto der 1959 verstorbenen Jazzsängerin Billie Holiday als Profilbild missbrauchen? Dann lieber keins!
      @peter: der pseudonymisierte Leserinnenbrief von „B.H“ bedarf keines Kommentars von mir.

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