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Luzern: Mehr Straffälle, aber weniger Gewalt
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Oberstaatsanwalt Daniel Burri (links) präsentierte gemeinsam mit Guido Emmenegger die Jahresstatistik der Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern. (Bild: azi )

Rekordmarke von 50’000 Fällen geknackt Luzern: Mehr Straffälle, aber weniger Gewalt

3 min Lesezeit 23.02.2016, 12:28 Uhr

Noch nie hat die Luzerner Staatsanwaltschaft so viele Fälle behandelt wie im Jahr 2015, mehr als 50’000 an der Zahl. Warum die Gewalt im Kanton Luzern abnimmt, kann sich Oberstaatsanwalt Daniel Burri nicht ganz erklären. Warum andere Delikte zunehmen, hingegen schon.

Zum dritten Mal in Folge verzeichnet die Luzerner Staatsanwaltschaft einen Rekordwert bezüglich der Fallbelastung: Rund 50’200 Fälle – drei Prozent mehr als im Vorjahr – beschäftigten die Luzerner Justiz im Jahr 2015. Damit wurde in der Geschichte der Luzerner Strafverfolgungsbehörden erstmals die Grenze von von 50’000 Falleingängen überschritten. «Man darf sich von den hohen Zahlen nicht täuschen lassen», betont Oberstaatsanwalt Daniel Burri bei der Präsentation der Jahresstatistik an diesem Dienstagmorgen. «Die Gesamtstatistik vom Jahr 2015 zeigt ein ausgeglichenes und eher unauffälliges Bild – wie bereits im vergangenen Jahr.»

Nichtsdestotrotz behandelte die Luzerner Staatsanwaltschaft 1388 Fälle mehr als im Vorjahr (siehe Grafik).

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Die Fallbelastung der Luzerner Staatsanwaltschaft im Jahresvergleich (Quelle: Luzerner Staatsanwaltschaft)

Die Fallbelastung der Luzerner Staatsanwaltschaft im Jahresvergleich (Quelle: Luzerner Staatsanwaltschaft)

Woher kommt dieser Anstieg? «Nebst dem Anstieg bei den Übertretungen im Allgemeinen ist dies insbesondere auf Zuwiderhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz zurückzuführen», so Burri. Vom Falschparken über Kollisionen bis hin zu Drogen und Alkohol am Steuer werde alles unter den Verkehrsdelikten erfasst, also «von leichten Übertretungen bis hin zu Verbrechen», wie Oberstaatsanwalt Burri erklärt. Dass 2015 diesbezüglich 15 Prozent mehr Delikte erfasst wurden, sei darauf zurückzuführen, dass immer mehr Menschen im Strassenverkehr unterwegs seien.

«Das sieht zwar spektakulär aus, darf aber nicht als Trendwende gedeutet werden.»
Oberstaatsanwalt Daniel Burri über die Zunahme von Drogendelikten 

Mehr Drogendelikte, weniger Gewalt

Ebenfalls angestiegen sind die Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz – und zwar um stolze 13,5 Prozent. Doch auch hier beschwichtigt Burri: «Das sieht zwar spektakulär aus, darf aber nicht als Trendwende gedeutet werden.» In den vergangenen zwei Jahren sei die Entwicklung eher rückläufig gewesen. Ausserdem spiele gerade im Bereich der Betäubungsmittel der Zufall eine grosse Rolle. «Je nach Polizeiaktionen erwischt man unterschiedlich viele Leute», so Burri.

Seit 2012 kontinuierlich abgenommen haben hingegen Delikte gegen Leib und Leben – mit 881 Fällen im Jahr 2015 sogar um 7 Prozent. «Über die Gründe dafür kann man nur spekulieren», meint Burri. Klar sei jedoch, dass wir in einem sicheren Kanton leben würden und dass die angemessene Polizeipräsenz ihre Wirkung zeige.

Straffälle nach Deliktgruppen (Quelle: Luzerner Staatsanwaltschaft)

Straffälle nach Deliktgruppen (Quelle: Luzerner Staatsanwaltschaft)

Im Vergleich zum Vorjahr hatte man bei der Jugendanwaltschaft zwar 185 Fälle mehr zu bearbeiten, die Gewaltdelikte gingen jedoch zurück. Doch auch dies dürfe nicht überbewertet werden. «Bei der Jugendkriminalität lassen grössere Schwankungen nicht auf einen Trend schliessen, zumal die Fallzahlen dort in gewissen Deliktsbereichen ohnehin sehr tief sind und stets grösseren Veränderungen unterliegen.»

Abteilung für Wirtschaftskriminalität startet im Juli

«Es war ein sehr intensives Jahr», so Burri weiter. Damit spricht er nicht nur die hohe Fallbelastung an, sondern auch die neue Abteilung für Wirtschaftsdelikte. «Im vergangenen Jahr konnten die Weichen für die neue Abteilung gestellt werden», sagt Burri. «Die Vorbereitungs- und Planungsarbeiten sind weitgehend abgeschlossen.» Es habe ihm sehr viel Energie gekostet, sich dafür einzusetzen, doch letztlich sei es der Staatsanwaltschaft gelungen, die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit einer spezialisierten Abteilung für Wirtschaftsdelikte zu überzeugen. «Wir wollen ein starker Wirtschaftskanton sein und saubere Unternehmungen haben – mit der neuen Abteilung setzen wir ein kräftiges Zeichen dafür.»

«Dank der neuen Abteilung werden wir schneller und wirksamer gegen die Wirtschaftskriminalität vorgehen können.»
Daniel Burri, Luzerner Staatsanwaltschaft 

Die Abteilung für Wirtschaftsdelikte wird ihren Standort im Schappe-Center in Kriens haben und nachdem am 15. März die Wahl und Vereidigung der Staatsanwälte stattgefunden haben wird, werde diese bereits im Juli ihre Arbeit aufnehmen. «Dank der neuen Abteilung werden wir schneller und wirksamer gegen die Wirtschaftskriminalität vorgehen können», so Burri. Denn: Auch im vergangenen Jahr konnten aufgrund mangelnder Ressourcen zahlreiche Fälle nicht behandelt werden.

Den Jahresbericht der Luzerner Staatsanwaltschaft finden Sie hier.

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