Lokales im Trend: Corona verkürzt den Weg in den Kühlschrank
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Anstehen – im Zweimeter-Abstand – vor dem Hofladen Ammann in Littau.

Kanton verzichtet auf Kampagne Lokales im Trend: Corona verkürzt den Weg in den Kühlschrank

3 min Lesezeit 20.05.2020, 15:13 Uhr

Ob Hofladen, Markt oder Labels aus der Region: In der Coronakrise ist die Nachfrage nach lokalen Produkten gestiegen. Diesen Trend machen sich Anbieter gezielt zunutze – und er bestärkt den Kanton Luzern in der Haltung, dass eine eigene Kampagne dazu unnötig ist.

Der Andrang am ersten Luzerner Wochenmarkt nach dem Lockdown war sinnbildlich: Viele Konsumenten kaufen derzeit bewusst Lebensmittel aus der Region ein. «Beim Einkaufsverhalten lässt sich ein klarer Trend zum verstärkten Kauf von regionalen und Schweizer Produkten ausmachen», sagte Dominik Georgi kürzlich. Er ist Co-Studienleiter und Dozent an der Hochschule Luzern, die rund 1’000 Personen zu ihrem Alltag während der Coronakrise befragte.

Dabei gaben 86 Prozent an, aktuell häufig oder zumindest ab und zu auf die Schweizer Herkunft ihrer Einkäufe zu achten – das sind 9 Prozent mehr als vor dem Ausbruch der Krise. Das bekamen auch die Hofläden der Region zu spüren.

Auf die gesteigerte Nachfrage reagieren auch die Detailhändler. Die Migros beispielsweise wirbt aktuell mit dem Slogan: «Mehr denn je: Produkte ‹Aus der Region. Für die Region›». Auch Manor hat Anfang Mai angekündigt, bis in den Sommer hinein Produkte des Labels «Lokal» im Laden, in der Werbekampagne und in den sozialen Medien gezielt zu fördern.

Ein Inserat macht noch keine Kampagne

Sogar politische Amtsträger rufen dazu auf, die einheimische Wirtschaft zu unterstützen. Der Luzerner Regierungsrat wandte sich diesen Mittwoch mit einem Brief-Inserat an die Bevölkerung, um sich für die Solidarität zu bedanken. Gleichzeitig rief er dazu auf: «Konsumieren Sie einheimische Produkte, beziehen Sie regionale Dienstleistungen!»

Sinnbildlich für die Nachfrage nach regionalen Produkten: der Luzerner Wochenmarkt.

Es ist ein ungewohnter Aufruf in einer besonderen Zeit. Die Regierung hätte indes auch einen Schritt weitergehen können. Ein Postulat von SP-Kantonsrat Hasan Candan forderte eine Informationskampagne der Behörden, um die Bevölkerung über die Vorteile von lokalen und nachhaltigen Produkten zu informieren. Der teilweise globalisierungskritische Vorstoss ist bereits Ende 2018 eingereicht worden und hat nun durch die Coronakrise unerwartete Aktualität erlangt.

Denn in der Coronakrise liegt es nahe, die einheimische Wirtschaft zu unterstützen. Dass die Regierung diesbezüglich keine Berührungsängste hat, zeigt sie im Tourismus. 300’000 Franken stellt die Regierung der Luzern Tourismus AG für Marketingmassnahmen bereit, um schnell wieder Gäste – insbesondere Schweizer – zu gewinnen (zentralplus berichtete).

Es mangelt nicht an Informationen

«Wir müssen die Chancen und Risiken der Globalisierung nach Corona neu beurteilen – nicht nur bei den Lebensmitteln», sagte auch der Luzerner Wirtschaftsdirektor Fabian Peter (FDP) am Montag im Kantonsrat. Die Forderung, lokale Produkte einzukaufen, stosse derzeit auf breite Akzeptanz. Trotzdem lehnt der Regierungsrat eine separate Kampagne ab.

Bereits heute sensibilisiere die Umweltberatung Luzern die Bevölkerung auch über Ernährung und regionale Produkte. Ebenso verschrieb sich die Ende 2019 ausgelaufene Kampagne «E chline Schritt» der Zentralschweizer Kantone dem nachhaltigen Konsum. Dazu kommt laut Regierung, dass der Kanton mehrere Projekte unterstützt, um die Absatzkanäle von regionalen Produkten zu stärken: Erwähnt wird beispielsweise das Anfang Jahr lancierte Label «vom Pilatus», mit dem Gemüse, Früchte oder Fleisch aus den Gemeinden Horw, Kriens und Schwarzenberg vermarktet werden sollen.

«Es fehlt nicht an Informationen, es fehlt an der Umsetzung.»

Fabian Peter, Regierungsrat

«Es fehlt nicht an Informationen, es fehlt an der Umsetzung», bilanzierte Fabian Peter. Dem schloss sich der Kantonsrat an, der das Postulat von Hasan Candan am Montag ablehnte.

Das Thema wird die Politik allerdings auch in Zukunft beschäftigen – nicht zuletzt wegen des Klimawandels. Bereits ist ein weiteres Postulat eingereicht worden, das mehr regionale Lebensmittel in den Mensen der Kantonsschulen, den Gefängnissen oder im Kantonsspital verlangt. «Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, dass lokale Produktkreisläufe und die regionale Versorgung mit Lebensmitteln von grossem Wert sind: Wir wollen und brauchen weiterhin eine lokale Landwirtschaft», begründet Kantonsrätin Rahel Estermann (Grüne) ihren Vorstoss.

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