Kurioses Bild: Warum dieser Förster im Sonntagsanzug im Wald steht
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Achtung, gestelltes Foto: Messung der Holzmenge im Gütschwald anno 1929. (Bild: zvg)

Fünf überraschende Fakten über den Luzerner Wald Kurioses Bild: Warum dieser Förster im Sonntagsanzug im Wald steht

4 min Lesezeit 26.10.2019, 16:00 Uhr

Weisst du, woher das Holz der Luzerner Seebadi kommt? Und warum heute Mountainbiker im Gigeliwald blochen dürfen? Das städtische Forstamt blickt auf 200 Jahre bewegter Geschichte zurück. Wir haben fünf Fakten herausgepickt.

Das Stadtforstamt Luzern bewirtschaftet 1400 Hektaren Wald – das entspricht einer Fläche von fast 1000 Fussballfeldern. Die Organisation hat eine 200-jährige Geschichte in der Pflege der Wälder. Eine lange Zeit. Und doch gibt es in städtischen Wäldern immer noch Bäume, die weitaus älter sind: Nämlich 250 Jahre und mehr. Und das ist nicht die einzige beeindruckende Zahl im Zusammenhang mit dem Luzerner Wald. 

Der Luzerner Wald wäre einst vom «holzfressenden Gewerbe» beinahe verschlungen worden

Holzschlag und Kohleherstellung waren eine der frühesten Industrien. In der Festschrift des Stadtforstamts Luzern zum 200-Jahr-Jubiläum ist zu lesen: «Die Köhlerei in den Pilatuswäldern wurde zu einem einträglichen Geschäft.» Sie wurde in der Region Luzern ab Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer Gefahr für den Wald. Wegen der Weitläufigkeit des Gebietes war dieses «holzfressende Gewerbe» aber nur schwer kontrollierbar. So installierte die Stadt Luzern 1819 einen ersten Forstinspektor: den visionären Jost Mohr. Das Stadtforstamt war gegründet.

Die Luzerner stibitzen im 19. Jahrhundert Holz im grossen Stil

Allerdings nutzten viele Einwohner den Wald weiterhin als illegale Ressource. Restholz, abgesägte Äste, gar Wurzelstöcke: Alles wurde heimlich weggeräumt. 1850 protestierten Einwohner der Stadt gegen Kahlschläge im Gütschwald und erreichten damit, dass der Wald weniger radikal bewirtschaftet wurde.

Manne mit Schnäuz und Spöiz: die alte Garde setzte auf Muskelkraft. (Bild: zvg)

Bereits 1929 galt es, die Waldarbeit ins beste Licht zu rücken

Wer sind all die Menschen, die den Wald und das Stadtforstamt in den letzten 200 Jahren gestaltet haben? Es waren Taglöhner, Akkordanten, Forstunternehmer, Waldarbeiter, gelernte Forstwarte, Auszubildende, Bannwarte und Förster sowie studierte Ingenieure. Und wie wussten diese, wie viel Holzvorrat in einem Wald vorhanden ist? Durch das sogenannte Kluppieren, das Messen des Durchmessers aller Bäume auf Brusthöhe.

Waldarbeit mit Traktor-Oldtimer. (Bild: zvg)

Dieser Vorgang ist auf einer Fotografie von 1929 dokumentiert (siehe Aufmacherfoto des Artikels). Sie zeigt zwei Waldarbeiter mit der hölzernen Kluppe, den Bannwart respektive Förster und den Oberförster mit «Baumreisser» und Protokollheft. Dass es sich um eine gestellte Aufnahme handelt, bringen die getragenen Sonntagskleider und die Anwesenheit des Oberförsters ans Licht.

In Zeiten der Krise setzte der Stadtrat auf den Wald als Arbeitsbeschaffungsmassnahme

Für den Bau des einstigen Kunst- und Kongresshauses kamen Stämme aus der Region zum Einsatz. Es wären zwar auch Betonpfähle infrage gekommen, diese kosteten jedoch mehr. Der damalige Stadtrat begründete das 1931, zu Zeiten der Weltdepression: «Mit der Auftragserteilung zur direkten Lieferung des notwendigen Pfahlholzes aus den städtischen Waldungen wird die gegenwärtige Krise unserer Forstwirtschaft gemildert und die Beschäftigung einer grösseren Anzahl Waldarbeiter ermöglicht.» Für den späteren Nouvel-Bau KKL wurden die Stämme wieder aufwendig herausgerissen – und dann durch Betonpfähle ersetzt.

Holz statt Beton für die Pfahlbauten beim Häuserbau. (Bild: zvg)

Anders das Seebad am Nationalquai: Die für die Grundverankerung notwendigen Weisstannenpfähle stammen aus dem Stadtwald in Meggen. Auch heute geht man back to the roots; 2019 schreibt das Stadtforstamt: «Angesichts des Klimawandels müsste der CO2-neutrale Baustoff Holz, anstelle des klimaschädigenden Betons, wieder vermehrt zum Einsatz kommen.»

Freeriden im Gigeliwald: Luzern war damit ein Vorreiter

Mit der zunehmenden Ausbreitung der Mountainbiker wurden die Wälder der Region auch wild von Trendsportlern genutzt. Aus der illegalen Downhillstrecke im Gigeliwald entstand, durch eine Vereinbarung zwischen dem Stadtforstamt und dem Verein «MTB Freeride Connection», ein legaler Biketrail. Er erhielt die Bewilligung des Kantons und war damals ein Novum im Kanton Luzern.

Das Biken ist ein gutes Beispiel für die veränderte und zunehmende Freizeitnutzung des Waldes. Auch steigende Bevölkerungszahlen und Überbauung der letzten Grünräume am Waldrand erhöhen den Druck auf den Wald zusätzlich. «Das Stadtforstamt möchte den Wald deshalb möglichst frei von Infrastrukturen halten und die intensive Nutzung auf wenige Punkte konzentrieren.» 

Einst illegal, seit 2008 geduldet: Downhill-Biker im Gigeliwald. (Bild: zvg)

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