Kultur
Neue Kulturförderung sei existenzbedrohend

Neuer Zweckverband ist Rettungsanker für Luzerner Kultur

Laura Breitschmid (Präsidentin IG Kultur Luzern) und Gianluca Pardini (Geschäftsleitung IG Kultur Luzern), präsentieren den Vorschlag eines Zweckverbandes. (Bild: PLU)

Der Luzerner Regierungsrat will die Kultur künftig anders unterstützen. Die Branche warnt, dass mit diesen Plänen die mittelgrossen Kulturhäuser und Festivals in eine finanzielle Notlage geraten könnten. Jetzt präsentiert die IG Kultur Luzern einen Ausweg.

Hinter der Kulturbranche liegen harte Jahre. Wegen der Pandemie musste die Kultur eine lange Durststrecke überstehen (zentralplus berichtete). Kaum sind die Theater und Festivals wieder einigermassen zurück in der Normalität, gibt es neue Herausforderungen.

Die neue Kulturförderungsstrategie des Kantons Luzern wirkt auf die Branche fast wie ein trojanisches Pferd. Auf den ersten Blick scheint alles positiv, denn künftig sind die Luzerner Gemeinden dazu verpflichtet, sich in regionalen Kulturverbänden zusammenzuschliessen. Mit diesen sollen Kulturprojekte aus der Region gefördert werden. Sowohl der Kanton als auch die Gemeinden zahlen mindestens je einen Franken pro Einwohner in einen Fördertopf.

Aber: Bei der IG Kultur Luzern herrscht Konsternation. Denn es stehe zwar mehr Geld für die Projektförderung bereit. Doch die im Vorfeld gewünschte nachhaltige Strukturförderung, beispielsweise durch die Unterstützung regional verankerter Kulturbetriebe, bleibt aus (zentralplus berichtete).

Branche warnt vor Untergang des «Kultur-Mittelstandes»

Mit der Änderung müssen vor allem mittelgrosse Kulturbetriebe zittern. Das Kleintheater in Luzern beispielsweise wird zu 35 Prozent aus öffentlichen Geldern finanziert. Wenn dieser Betrag von freiwilligen Beiträgen von Gemeinden abhängig ist, sei dies für das Haus eine äusserst schwere Situation.

Judith Rohrbach, Co-Theaterleiterin, sagt: «Das sieht man bereits am Beispiel der Regionalkonferenz Kultur. Die Gemeindefinanzen unterliegen Schwankungen, weshalb die Finanzierung mal besser, mal schlechter klappt.»

Der Kanton spart mit der bereits beschlossenen Anpassung des Finanzierungsschlüssels künftig rund 3 Millionen Franken. «Die IG Kultur Luzern vertritt klar die Meinung, dass diese Mittel zwingend wieder für die Kulturförderung und zur Sicherung des kulturellen Mittelbaus sowie für die Projektförderung aufgewendet werden müssen», schreibt die IG.

Präsidentin Laura Beitschmied ergänzt: «Wenn diese Strukturförderung nicht mehr gesichert ist, ist das für diese Betriebe so, wie wenn das Fundament weggenommen wird.» Die Planungssicherheit ist somit nicht mehr gegeben.

Was nun genau das Problem an der Botschaft des Regierungsrates ist, erklärt Laura Breitschmied, Präsidentin IG Kultur Luzern.

IG Kultur Luzern will einen Zweckverband schaffen

Die IG Kultur Luzern will die bedrohten Bereiche der Branche mit einem neuen «Zweckverband für mittelgrosse Kulturbetriebe» retten. Die Gründung eines zweiten Zweckverbands für die Finanzierung von mittelgrossen Kulturbetrieben hat laut IG drei Vorteile:

  • Kanton und Gemeinden werden verpflichtet, den für die Regionen und den Kanton wichtigen kulturellen Mittelbau gemeinsam zu sichern.
  • Der Kostenteiler soll so ausgestaltet werden, dass der Kanton als substanzieller Mitfinanzierer auftritt und die Gemeinden entlastet – gleichzeitig wird auch der gemeinsamen Forderung aus der Arbeits- und Steuergruppe mit einem kantonalen Anteil von 2 Millionen Franken Rechnung getragen.
  • Der Zweckverband ist für die Finanzierung von Kulturbetrieben bereits erprobt und geniesst auf Ebene Kanton und Stadt Luzern breite Anerkennung.

Bezahlen die Gemeinden damit nicht mehr für die Kulturbetriebe? Gianluca Pardini, Geschäftsleitung IG Kultur Luzern, erklärt: «Es ist eine kleine Mehrbelastung. Allerdings haben wir beispielsweise für die Region Luzern West einen pro-Kopf-Beitrag von 80 Rappen berechnet.» Mit dem investierten Geld würde am Ende auch wieder die Region profitieren.

Wie der Zweckverband die Mittel genau verteilen würde und wie das System genau funktioniert? Gianluca Pardini erklärt es im Video.

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