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Kaum in Zug – und schon im Kantonsrat
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Ohne viel Aufwand ins Kantonsparlament: Marcel Peter ist der einzige Kandidat für den frei werdenden Sitz von Thomas Lötscher.   (Bild: Bildmontage zentralplus)

Wie ein Neuzuzüger ins Kantonsparlament schlüpft Kaum in Zug – und schon im Kantonsrat

5 min Lesezeit 12.10.2016, 12:02 Uhr

Aufwändiger, kostspieliger Wahlkampf? Muss nicht sein. Diesen Eindruck gewinnt, wer die stille Berufung eines Neuzuzügers in den Zuger Kantonsrat betrachtet. So locker wie der 28-jährige Marcel Peter hat es noch kaum einer ins Parlament geschafft. Wir fühlen ihm mit unserem Zug-Quiz auf den Zahn. Und stellen erstaunt fest: Eine Ehrenrunde im Wahlkampf hätte gut getan.

Thomas Lötscher (FDP) tritt nach 13 Jahren im Kantonsrat zurück, nachdem ihn Heinz Tännler als künftigen Generalsekretär der Finanzdirektion berufen hat. In Neuheim kommt es so zu einer stillen Wahl für den frei werdenden Kantonsratssitz. Denn es gibt nur gerade einen einzigen FDP-Kandidaten (zentralplus berichtete).

Und dieser heisst Marcel Peter. 28 Jahre jung, Bankkaufmann, Angestellter bei einer Zürcher Grossbank. Zudem verheiratet, Vater einer einjährigen Tochter, aktiver Stabsoffizier und in der Feuerwehr Neuheim.

«Nach der Geburt unserer Tochter haben wir uns entschieden, ins familienfreundliche Neuheim zu ziehen», sagt der Zürcher Oberländer auf Anfrage. Das war diesen Frühling. Davor lebte Marcel Peter mit seiner Frau drei Jahre im luzernischen Root.

Nachgerutscht, ganz ohne Wahl

Und nun kommt Peter auf die einfachste Weise, ohne Wahl oder gar Wahlkampf, zu einem Sitz im Zuger Kantonsparlament. Das ist nichts Anrüchiges oder Illegales. Und doch irritiert es ihn ein wenig, als wir ihm die Frage nach der Legitimität stellen. «Die Kandidatur stand ja allen offen», sagt Marcel Peter ein wenig entschuldigend am Telefon. Die FDP Neuheim habe Gespräche mit verschiedenen Personen geführt und ihn dann nominiert (siehe Box). Als einzigen Kandidaten. «Nach der Konsultation von mir selbst, meiner Familie und meinem Arbeitgeber bin ich zum Schluss gekommen, dass ich das machen will.» Er sei motiviert und freue sich.

In der Medienmitteilung der FDP Neuheim wird betont, dass Peter «trotz seines jugendlichen Alters politisch bereits sehr erfahren ist». Seine Erfahrungen sammelte er allerdings in parteiinternen Funktionen: Peter engagierte sich bei den Jungfreisinnigen und der FDP, war in Vorständen auf Orts- und Bezirksebene im Kanton Zürich und im Vorstand der Jungfreisinnigen Kanton Luzern. In der Zuger FDP ist der Neue aber ein völlig unbeschriebenes Blatt.

Das kleine Zug-Quiz

Nun wollen wir aber doch wissen, wie sattelfest der Zuger Kantonsrat in spe bereits ist. Wir haben ihm einige Fragen gestellt, um sein Wissen über den Kanton Zug zu testen. Unser Fazit vorweg: Marcel Peter muss noch einiges nachholen.

1. zentralplus: Wieviele Regierungsräte hat Zug?

Marcel Peter: Lacht. Ich tippe auf 5 oder 7. (Anmerkung: Es sind 7)

2. zentralplus: Um wie viele Mitglieder soll die Regierung eventuell reduziert werden?

Peter: Von 9 auf 7 oder von 7 auf 5. (Anmerkung: Von 7 auf 5)

3. zentralplus: Kennen Sie einen Regierungsrat beim Namen?

Peter: Herr Hürlimann

4. zentralplus: Okay, er ist in Ihrer Partei, ein Punkt. Ein weiterer Name?

Peter: Der Finanzdirektor ist oft in den Medien. Wie heisst er doch gleich?

5. zentralplus: Heinz Tännler. Tännler ist auch OK-Präsident eines grossen Anlasses, der 2019 in Zug stattfindet. Um welchen Anlass handelt es sich?

Peter: Das Schwingwest.

6. zentralplus: Richtig, Sie haben den zweiten Punkt geholt.

6.1. zentralplus: Eine Frage ausserhalb des Quiz, gefällt Ihnen dieser Anlass?

Peter: Ich finde ihn faszinierend und habe Sympathien. Die Tradition und die Folklore sind wieder gefragt. Es ist beeindruckend, dass ein so grosses Fest mit einem so kleinen Sicherheitsdispositiv auskommt.

7. zentralplus: Nächste Quizfrage: Wie heisst das Gebäude, wo der Kantonsrat tagt?

Peter: Ich weiss, wo es liegt, aber nicht wie es genau heisst.

8. zentralplus: Es ist das Regierungsgebäude. Ende November findet eine Abstimmung im Kanton Zug statt. Worum geht es?

Peter: Also, die Abstimmung über Mundart im Kindergarten ist vorbei. Mit grosser Wahrscheinlichkeit geht es um den Finanzbereich.

9. zentralplus: Richtig. Ihr dritter Punkt, auch wenn die Antwort nicht sehr genau war. Gegen das Entlastungspaket II, 2015–2018, wurde das Referendum ergriffen, deshalb gibt es eine Volksabstimmung. Warum muss der Kanton denn so sparen?

Peter: Das ist ein buchhalterisches Problem, wenn Aufwand und Ertrag auseinanderklaffen; das politische Thema ist dann jeweils, wo man sparen muss.

Kaum politische Erfahrung

Soviel lokalpolitisches Unwissen erstaunt. Aber nur auf den ersten Blick. Marcel Peter zog erst dieses Frühjahr nach Zug. Und auch zuvor kandidierte er nur einmal für ein politisches Mandat, allerdings erfolglos. 2011 war er Kandidat bei den Zürcher Kantonsratswahlen, stand auf der FDP-Liste des Bezirks Hinwil. Sein Name stand auf der Zwölferliste an elfter Stelle. Marcel Peter war also ein klassischer Listenfüller. «Ich war von Anfang an chancenlos als FDP-Neueinsteiger», sagt er rückblickend. Doch im Wahlkampf habe er an vielen Veranstaltungen teilgenommen und viel gelernt über das politische Geschäft. «Ich bin politisch aktiv, seit ich 15 Jahre alt bin», sagt er zentralplus. In diesem Alter habe er das erste Mal auf einen Leserbrief eines Kantonsrats in der Regionalpresse reagiert.

«Ich bin politisch aktiv, seit ich 15 Jahre alt bin»
Marcel Peter

Wir sprechen Peter ausserdem auf sein Smartspider-Profil bei Vimentis.ch an. Die «freie Wirtschaft» ist danach sein Hauptanliegen, neben einer restriktiven Finanzpolitik und einem strengen Rechtssystem. Eine liberale Gesellschaft bedeutet ihm gemäss dem Smartspider-Profil wenig. Von mehr Umweltschutz, einem umfassenden Sozialstaat oder einer aussenpolitischen Öffnung will er gar nichts wissen. Gehörte er da nicht eher in die SVP?

«Veraltet»: Das Smartspider-Profil Marcel Peters.

«Veraltet»: Das Smartspider-Profil Marcel Peters.

(Bild: Screenshot)

Smartspider nicht aktualisiert

Zwei Kandidaten in engster Auswahl

«Die FDP Neuheim hat über mehrere Wochen Gespräche mit potentiellen Kantonsratskandidaten geführt», sagt Sektionspräsident Thomas Fuchs auf Anfrage. Neuheim sei eine kleine Gemeinde. «Es ist nicht selbstverständlich, Personen zu finden, die sich neben Beruf und Familie noch politisch engagieren wollen», sagt Fuchs. Die FDP habe 15 Personen inner- und ausserhalb der Partei kontaktiert. Am Schluss seien zwei übriggeblieben, welche die Partei als befähigt ansieht und die motiviert waren. Es war eine Person ausserhalb der Partei und Marcel Peter. Die Wahl fiel auf Peter. «Sein politisches Engagement, das er im jugendlichen Alter bereits vorweisen kann, hat uns überzeugt.» Zudem wolle er sich mit seiner Familie in Neuheim integrieren. «Von der Ausbildung und seiner beruflichen Tätigkeit her ist er in Finanzfragen zudem kompetent», so FDP-Sektionspräsident Fuchs.

«Das Smartspider-Profil stammt von 2011 und ist nicht aktuell», sagt er, «wenn ich das heute ausfüllen würde, sähe es anders aus.» Aha. Wie denn? «Ich stehe rechts der Mitte und nicht am rechten Rand.» Er stehe für liberale Lösungen ein und begrüsse eine tiefe Regulierungsdichte. «In der Sozialpolitik bin ich staatlichen Lösungen eher abgeneigt und finde, freiwillige Solidarität und Eigenverantwortung der Bürger hilft allen mehr.» In der Migrationspolitik vertrete er eine Mitteposition und sei kein Hardliner.

«Klar liberal»

Auch bezeichne er sich – im Gegensatz zu seinem Profil von 2011 – als liberal in gesellschaftlichen Fragen. Peter: «Spontan kommen mir folgende Themen in den Sinn bei denen ich mich als klar liberal bezeichne: Ich bin gegen eine Einmischung des Staates bei der Gestaltung der Lebensform, inklusive Adoption.» Er sei gegen Verbote, «um mündige Bürger vor sich selbst zu schützen», und erachte es allgemein nicht als Aufgabe des Staates, sich in allzu stark die Gesellschaft einzumischen. Ebenso tritt Peter für die komplette Trennung von Kirche und Staat ein. Und die Privatsphäre habe für ihn einen hohen Stellenwert. «Ich bin gegen die uneingeschränkte Überwachung», sagt er.

«Ich bin gegen eine Einmischung des Staates bei der Gestaltung der Lebensform.»

Marcel Peter freut sich auf seine (stille) Wahl in den Kantonsrat und will dort auch die Interessen seiner Wohngemeinde in seine politische Arbeit einfliessen lassen. Peter zu zentralplus: «Ich sehe mich klar als Vertreter von Neuheim und möchte mich auch als solcher einbringen. Ich kann mir gut vorstellen, dass in den Bereichen Bildung, Verkehr sowie Sicherheit gemeindespezifische Bedenken wichtig sind.»

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