Kantonsrat Luzern lockert das Verbot von Klassenlagern
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Trotz der Coronapandemie sollen Schulen auch dieses Jahr Klassenlager durchführen können. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Viel Kritik am Entscheid der Regierung Kantonsrat Luzern lockert das Verbot von Klassenlagern

4 min Lesezeit 11.05.2021, 11:01 Uhr

Bis Ende Jahr finden wegen der Corona-Pandemie keine Klassenlager statt: Für diesen Entscheid musste sich der Luzerner Regierungsrat am Dienstag einige Kritik anhören. Die Mehrheit im Kantonsrat verlangte eine Kehrtwende: Klassenlager sollen nun doch noch möglich werden.

Schullager: gestrichen. Diese Nachricht sorgte im Kanton Luzern kürzlich für Aufsehen. Dass die Regierung bereits im März das Verbot von Klassenlagern bis Ende Schuljahr beschloss, stiess vielerorts auf Unverständnis. Es folgten mehrere Vorstösse und eine Petition (zentralplus berichtete).

«Das zeigt, dass das Thema die Bevölkerung beschäftigt und bewegt», sagte Priska Häfliger-Kunz am Dienstag im Parlament. Die CVP-Kantonsrätin verlangte in einem dringlichen Postulat, dass die Regierung nochmals über die Bücher geht.

Die Forderung erfuhr Rückenwind aus allen Parteien, wenn auch nicht geschlossen. Eine Mehrheit des Kantonsrates zeigte sich nicht zufrieden mit dem Kurs der Regierung. Die SVP vermisste bei ihrem Entscheid den Mut, der SP fehlte eine gesamtheitliche Abwägung der Vor- und Nachteile, die Grünliberalen wiesen auf zahlreiche Widersprüche hin. So dürfen zum Beispiel andere Kantone im Luzernischen ihre Klassenlager durchführen, ebenso sind freiwillige Lager in den Sommerferien erlaubt.

Schullager werden erlaubt – unter strengen Auflagen

Diese Kritik zeigte Wirkung. Der Regierungsrat zeigte sich bereit, das Verbot der obligatorischen Lager zu überdenken, wie er am Dienstag darlegte. Allerdings müssten dafür mehrere Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Klassen, welche ins Lager reisen, sind verpflichtet, sich im Rahmen der schulischen Teststrategie in der Vorwoche testen zu lassen (keine Freiwilligkeit). Unmittelbar vor Lagerbeginn sind die Teilnehmenden verpflichtet, einen Corona-Selbsttest durchzuführen.
  • Das Klassenlager wird im Kanton Luzern durchgeführt.
  • Am Klassenlager nehmen maximal die Lernenden einer Klasse, ihre Lehrperson und weitere Begleitpersonen teil.
  • Die Klasse teilt sich das Lagerhaus nicht mit weiteren Klassen oder Gästen.
  • Es liegt ein Schutzkonzept vor, das den kantonalen Vorgaben entspricht: Maskenpflicht im Gebäude mit Ausnahme während der Nachtruhe, Körperhygiene und beim Essen.

Der Entscheid, ob das Klassenlager durchgeführt werden kann, würde der Schulleitung obliegen. Von diesem Kompromiss waren aber nicht alle begeistert. Besonders die Vorgabe, dass Schulen im Kanton Luzern bleiben sollen, stiess auf Kritik. Das sei eine reine Schikane, sagte Angela Lüthold (SVP). «Das Virus macht nicht an der Kantonsgrenze halt.»

«Wer von Ihnen hat schon mal Flaschendrehen mit Maske gespielt?»

Noëlle Bucher (Grüne)

Auch auf der anderen Seite gab es Unzufriedene. «Wer von Ihnen hat schon mal Flaschendrehen mit Maske gespielt?», fragte Noëlle Bucher (Grüne) rhetorisch. Sie bezweifelte, dass die Schutzkonzepte sinnvoll umgesetzt werden können, ohne dass beim Spass und beim Wert von Klassenlagern Abstriche gemacht werden müssen. «Viel ehrlicher und fairer wäre es, wenn wir dieses Jahr am Verbot von Klassenlagern festhalten.» 

Eine Minderheit der Grünen/Jungen Grünen beantragte darum die Ablehnung des Postulats – erfolglos. Ebenso wenig überzeugt war der Kantonsrat letztlich vom skizzierten Kompromiss der Regierung. Entgegen ihrem Antrag wurde das CVP-Postulat nicht nur teilweise, sondern voll erheblich erklärt.

Zur Freude von CVP-Fraktionschef Adrian Nussbaum:

Regierung erwartet Unruhe

Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos) warnte vor der Unruhe, die dadurch ausgelöst werde. Denn es sei davon auszugehen, dass aufgrund der Auflagen nicht alle Schülerinnen mitgehen werden. Zudem erwartet er Unverständnis bei Lehrpersonen, die nun bereits eine Alternative organisiert hätten, aber auch bei Eltern und Schülern.

Dass der Entscheid vom Bildungsdepartement voreilig getroffen wurde, bestreitet der Regierungsrat. «Letztes Jahr waren wir mit dem Vorwurf konfrontiert, nicht rechtzeitig entschieden zu haben.» Es habe dieses Jahr unzählige Anfragen von den Schulen gegeben, weshalb klare und einheitliche Regeln nötig waren. Und genügend Zeit, um Alternativprogramme ohne Übernachtungen zu organisieren.

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Aus Gründen der Planungssicherheit habe man sich deshalb am 24. März für das Verbot entschieden. Für die Regierung ein vertretbarer Beschluss. Nicht nur, weil die Maskenpflicht seiner Ansicht nach nicht kompatibel mit der Durchführung eines Klassenlagers mit Übernachtung ist. «Klassenlager und mehrtägige Schulveranstaltungen sind zwar für die Lernenden wichtige Erfahrungen im Leben und wenn immer möglich sollen ihnen solche Erfahrungen nicht vorenthalten werden», meint die Regierung. «Trotzdem soll deren Wert nicht überhöht werden.» 

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