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«In Zug braucht eigentlich niemand einen Offroader»
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Ist auf Zuger Strassen öfter anzutreffen als anderswo: der Rolls Royce Cullinan. (Bild: Flickr / Alan Farrow)

Junge Grüne denken über Verbot von Verbrennungsmotoren nach «In Zug braucht eigentlich niemand einen Offroader»

4 min Lesezeit 26.02.2020, 05:12 Uhr

Die Jungen Grünen Schweiz fordern in einem offenen Brief vom Bundesrat CO2-Grenzwerte für den Autoimport. Sonst gibt’s eine zweite Volksinitiative, die nicht nur Offroader verbieten will. Co-Präsidentin Julia Küng aus Zug erklärt, warum sich in ihrer Heimat symptomatisch ein nationales Problem zeigt.

Statt weniger Kohlendioxid stossen die zugelassenen Neuwagen in der Schweiz wieder mehr Treibhausgas aus. Dies zeigt ein vor wenigen Tagen veröffentlichter Bericht des eidgenössischen Umweltdepartements (Uvek). Ein Umstand, der die Jungen Grünen Schweiz alarmiert hat. Sie erwägen die Neulancierung einer Offroader-Initiative.

Ihre erste hatten sie aufgrund eines Gegenvorschlags 2011 zurückgezogen. «Die Versprechungen des Gegenvorschlags sind jedoch nie umgesetzt worden», sagt Julia Küng aus Zug, die Co-Präsidentin der nationalen Jung-Partei. Die Autolobby überschreite die festgesetzten Grenzwerte. «Jedes Jahr werden haufenweise Dreckschleudern importiert», kritisiert die 19-Jährige.

Unterschriften für offenen Brief gesucht

In der Tat verpflichten die Vorschriften die Autoimporteure, den Kohlendioxidausstoss bei neuen Personenwagen zu senken. Ab 2015 war der Zielwert von durchschnittlich 130 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer für alle neu zugelassenen Personenwagen gesetzlich verbindlich. Diese Vorgabe wurden stets verfehlt. 2015 um 5 Gramm, 2016 und 2017 um jeweils 4 Gramm, 2018 gar um fast 8 Gramm.

«Zuerst versuchen wir es mit einem offenen Brief an den Bundesrat.»

Julia Küng, Co-Präsidentin Junge Grüne Scnweiz

«Die Lancierung einer neuen Volksinitiative ist noch nicht definitiv beschlossen», sagt Julia Küng gegenüber zentralplus. «Zuerst versuchen wir es mit einem offenen Brief an den Bundesrat.» Der wurde von Küng und ihrem Waadtländer Präsidiumskollegen Oleg Gafner aufgesetzt und ist online zur Unterschrift aufgeschaltet.

Zeit drängt – Vorgaben sollen strenger werden

Er fordert vom Bundesrat klare Regeln, damit der ab heuer geltende Grenzwert von durchschnittlich 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer bei den Neuzulassungen eingehalten wird. «Von lächerlichen Sanktionen für Importeure» und «Pseudokompensationen» will die Zugerin nichts mehr wissen.

Sollten die Forderungen der Jungen Grünen nicht erfüllt werden, wollen sie eine neue Stopp-Offroader-Initiative lancieren. «Es ist klar, dass diese noch strengere Bestimmungen vorgeben muss, damit die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden können», so Küng. Man denke darüber nach, allenfalls in der Initiative ab 2025 das totale Verbot von Verbrennungsmotoren für Neuzulassungen festzuschreiben.

Nirgends so viele Dreckschleudern wie in Zug

Küng kommt aus dem am höchsten motorisierten Kanton mit den meisten Offroadern. In Zug kommen auf 1’000 Einwohner 681 Fahrzeuge – das ist schweizweiter Rekord. Und Zug hat auch die höchste Dichte an Sport Utility Vehikeln (SUV). Nirgends sind die Autos so teuer, schwer und umweltschädlich wie in Zug.

«Das zeigt das Symptom des Problems», meint Küng. «Im Kanton Zug braucht eigentlich fast niemand einen Offroader.» Die Strassen seien gut, der Kanton gut erschlossen, das Gelände leicht befahrbar. «Wenn schon, machen solche Fahrzeuge in den Bergen oder in abgelegenen Gegenden Sinn.» Aber eben: Zug schlägt in Bezug auf Offroader sogar den Alpenkanton Graubünden – und liegt damit auch hinsichtlich Kohlendioxid-Ausstoss vorn. 152 Gramm CO2 pro Kilometer stiessen die Zuger Neuwagen 2018 aus – nationaler Spitzenwert.

Wer Geld hat, kauft ein Statussymbol

«Dies zeigt, dass Leute Autos oft nicht aus Notwendigkeit kaufen», so Küng, «sie sind ein Statussymbol.» Wo es sich viele Leute leisten können, schwere und grosse Autos zu kaufen, täten sie es auch – wie im Kanton Zug.

«Ich erwarte, dass Massnahmen festgelegt werden, welche den Individualverkehr auf den Zuger Strassen reduzieren.»

Luzian Franzini, Kantonsrat

Die Jungen Grünen indes würden gern umweltverträglichere Autos auf den Strassen sehen – dort, wo sie der öffentliche Verkehr nicht ersetzen kann.

Franzini: «Das ist doch absurd»

«Die Motoren sind effizienter als früher und doch stossen die neu zugelassenen Autos im Schnitt immer mehr Kohlendioxid aus. Das ist doch absurd», sagt auch Luzian Franzini (24). Er war Julia Küngs Vorgänger als Co-Präsident der Jungen Grünen, jetzt ist er Vize-Präsident der Grünen Partei der Schweiz, kümmert sich mit seinem Mandat als Kantonsrat aber schwergewichtig um Zuger Politik.

Auf kantonaler Ebene habe man weniger Möglichkeiten, die Schadstoffemissionen des Individualverkehrs zu beeinflussen, sagt er. Mobility Pricing werde in Zukunft wohl eine Möglichkeit sein. Zudem brauche es den Ausbau des ÖV- und Velonetzes.

Ansonsten setzt er stark aufs Mobilitätskonzept, das für den Kanton Zug derzeit ausgearbeitet wird. «Da erwarte ich mir schon, dass Massnahmen festgelegt werden, welche den Individualverkehr auf den Zuger Strassen reduzieren.» Die Förderung von Fahrgemeinschaften etwa. «Heute ist ein Auto, das auf dem Arbeitsweg eingesetzt wird, durchschnittlich mit 1,1 Personen besetzt.»

Ganzheitliche Betrachtungsweise gefordert

Ein Hebel wären freilich auch die kantonalen Fahrzeugsteuern. Im Kanton Zug setzen sie sich aus einem Grundbetrag und einer nach Hubraum abgestuften Gebühr zusammen. Diese etwa in eine Kohlendioxidsteuer umzuwandeln, ist derzeit nicht in Diskussion. Aber die Zuger FDP hat kürzlich eine Änderung angeregt.

Mit einer Ende Januar eigereichten Motion möchte sie erreichen, dass Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, welche die Umwelt wenig belasten, gefördert werden.

Allerdings ist ihr Anliegen kompliziert: Sie möchte auch, dass schwere und grosse Fahrzeuge, welche selten gefahren werden, besser wegkommen als kleine Autos, die im Dauereinsatz stehen. «Bei der Schaffung einer nachhaltigen Fahrzeugsteuer sollen alle relevanten Parameter wie Technologie, Gewicht oder Leistung einbezogen werden», lautet ihre Forderung.  

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