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«Ich liebe die Emotionen nach einem erfolgreichen Torschuss»
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Grégory Hofmann lässt sich vom EVZ-Teamkollegen Sven Senteler zu einem Treffer im Heimspiel gegen Hämeenlinna gratulieren. (Bild: Tobias Lackner)

Grégory Hofmann ist Zugs neuer Scharfschütze «Ich liebe die Emotionen nach einem erfolgreichen Torschuss»

5 min Lesezeit 12.09.2019, 10:48 Uhr

Er hat die Lizenz zum Toreschiessen: Grégory Hofmann ist der beste Vollstrecker der letzten Qualifikation. Und einer der Gründe, warum sich der EVZ und seine Fans gerüstet fühlen für den Gewinn des Meistertitels in der neuen Saison. Wie tickt der Scharfschütze?

Tore schiessen. Mehr als es die meisten in der Liga können. Das ist seine Stärke. Damit macht Grégory Hofmann sein Geld. Und es macht den Anschein, als ob die Hockey-Schweiz den 26-jährigen Torjäger gerade in der Blütezeit seines Schaffens erlebt.

2018 hat Hofmann zwar die Finalniederlage im siebten Spiel mit Lugano verdauen müssen, sich aber kurze Zeit später mit WM-Silber im Dress der Schweizer Nationalmannschaft getröstet. Und letzte Saison hat er seinen Aufstieg in die First Class mit 30 Toren in 50 Qualifikationsspielen bestätigt.

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Dieser Lauf hat ihn zu einer Trouvaille auf dem Transfermarkt gemacht und der EV Zug setzte sich im Bieterstreit gegen die nationale Konkurrenz durch. Dabei ist sich EVZ-Sportchef Reto Kläy fast sicher, dass Hofmann nach dem ebenfalls neuverpflichteten Goalie-Titanen Leonardo Genoni nicht das höchste Angebot unterschrieben hat (zentralplus berichtete). Vielleicht bleibt aber am Ende halt doch am meisten im Portemonnaie hängen im steuergünstigen Kanton Zug.

«Toreschiessen ist für mich ein Stück weit Normalität.»

EVZ-Stürmer Grégory Hofmann

Solange Hofmann aber das macht, was er am besten kann, wird sein Salär kein Thema werden. Und er hat es ja sogleich unter Beweis gestellt, dass er auch im EVZ-Dress skoren kann wie ein Teufelskerl. In den Testspielen und in der Champions League traf Hofmann schon mehrfach.

Hat er sich damit selber überrascht? «Ja, weil es so schnell und gut klappte mit den neuen Teamkollegen und dem neuen System», sagt Hofmann lächelnd. «Und nein, weil Toreschiessen für mich auch ein Stück weit Normalität ist. Ich weiss, was ich kann.»

Was ist sein Erfolgsgeheimnis?

Ein Torjäger mit Schweizer Pass: Es ist eine seltene Kombination, die Hofmann auf sich vereint. Erst waren es die Goalies, die in der National Hockey League Ehre für die Schweiz einlegten (z.B. David Aebischer, Martin Gerber oder Jonas Hiller), dann auch Verteidiger (z.B. Mark Streit, Nashville-Captain Roman Josi und nicht zuletzt die Zuger Luca Sbisa sowie Raphael Diaz).

«Ich glaube, es ist der unbedingte Wille, das Tor selber zu machen.»

Nach den durchzogenen Versuchen der Stürmer Michel Riesen oder Reto von Arx zu Beginn dieses Jahrtausends können die Schweizer auch offensiv immer mehr Musik machen in der wichtigsten Liga der Welt. Timo Meier ist so etwas wie das Gegenstück zu Hofmann in der NHL. Auch wenn sich die beiden Schweizer in ihrer Spielweise deutlich unterscheiden, so wissen beide, wie man den Puck im gegnerischen Tor versteckt.

Aber was ist sein Erfolgsgeheimnis? «Eine schwierige Frage», entgegnet Hofmann und sagt nach kurzem Überlegen: «Ich glaube, es ist der unbedingte Wille, das Tor selber zu machen. Wenn wir in einer Überzahlsituation aufs gegnerische Gehäuse stürmen, will ich das Tor erzielen.»

Hofmann: «Nicht viel nachdenken»

Wahrscheinlich würde das der eine oder andere auch gerne wollen. Aber bei Hofmann paart sich der unbedingte Wille zum Torabschluss mit Können und Kaltschnäuzigkeit. Er sagt: «Viel Schusstraining ist natürlich die Basis von allem. Und es gehört wahrscheinlich zum Instinkt eines Torjägers, dass er bei einem Abschluss nicht viel nachdenkt.»

«Die vier Linien, die Zug schon in der letzten Saison auszeichneten, sind qualitativ noch besser geworden.»

Schliesslich ist er süchtig nach dem Gefühl, wenn der Puck im gegnerischen Kasten ist, wenn er sich als Torschütze auszeichnen konnte. «Ich liebe die Emotionen nach einem erfolgreichen Torabschluss. Und erst recht die Freude, die ich mit einem Tor den Fans unserer Mannschaft bereiten kann.»

Ohne Angst vor Druck

Der EV Zug hat sein offensives Arsenal im Hinblick auf die am Freitag in Ambri beginnende Saison (19.45 Uhr, Valascia) mit den Zuzügen von Grégory Hofmann, Jan Kovar, Oscar Lindberg und Erik Thorell kräftig aufgerüstet. Darüber hinaus verfügt er mit Leonardo Genoni über einen vierfachen Meistergoalie im Tor. «Die vier Linien, die Zug schon in der letzten Saison auszeichneten, sind qualitativ noch besser geworden», ist Hofmann überzeugt.

Dennoch warnt er vor dem Irrglauben, die nächste Saison könnte wegen dieser hochkarätigen Neuverpflichtungen zu einem Selbstläufer werden. Es ist nicht die Angst, unter dem Druck zu zerbrechen, die ihn umtreibt. «Ich bin bereit, damit umzugehen», sagt Hofmann. Es ist vielmehr seine Überzeugung, dass ein Titelgewinn das Produkt einer herausragenden Teamleistung sei.

Wie seine Kritiker denken

Seine Kritiker werfen Hofmann vor, dass er ein Schönwetterspieler auf dem Eis, aber kein Leader in der Garderobe sei. Frei nach dem Motto: Läuft es seiner Mannschaft, tanzt und lacht Hofmann. Ist das nicht der Fall, kann er seine Teamkollegen nicht auf ein höheres Niveau führen.

«Ich weiss, was es für einen Titelgewinn braucht.»

Hofmann kümmert diese Kritik zumindest äusserlich nicht. «Als es Lugano letzte Saison nicht mehr so gut lief, habe ich mit meinen 30 Toren massgeblich zur Playoff-Qualifikation beigetragen.» Und er verweist darauf, dass er 2015 mit Davos Meister geworden ist. «Ich weiss, was es für einen Titelgewinn braucht.»

Er ist damit einer von sechs EVZ-Akteuren, die wissen, wie man eine Landesmeisterschaft gewinnt. Zu diesem Kreis gehören Leonardo Genoni, Dario Simion, Sven Senteler Jan Kovar und Oscar Lindberg. Und Erik Thorell sowie Jérôme Bachofner haben den Titelgewinn mit ihren jeweiligen Teams als Ergänzungsspieler erlebt.

Sollte Hofmann in einer langen Saison also unverhofft an einer Ladehemmung leiden, so gibt es zur Überbrückung genug Kreativität und Klasse im EVZ.

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