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Grosse Namen auf der kleinen Bühne
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Patric Gehrig, Jürg Plüss und Prisca Gaffuri. (Bild: zvg)

2016/17 bringt Prominenz ins Luzerner Kleintheater Grosse Namen auf der kleinen Bühne

6 min Lesezeit 19.08.2016, 16:47 Uhr

Bald geht im Kleintheater wieder der Vorhang auf. Den Saisonauftakt macht eine Co-Produktion mit dem Neubad. Dann kommen «Ohne Rolf» mit einem neuen Stück und es gibt zwei Plattentaufen. Zudem sagen die Leiterinnen, wie sie mehr Publikum ins Theater locken wollen.

«Man muss es wieder mal sagen: Das Kleintheater steht auch für grosse Namen.» Co-Leiterin Sonja Eisl hat soeben das Programm der neuen Kleintheatersaison vorgestellt – nicht ohne Stolz und Freude darüber, was dieses alles beinhaltet.

Tatsächlich tauchen da Namen auf, die selbst jenen ein Begriff sein dürften, die sich nicht sonderlich für Theater oder Kleinkunst interessieren: Gardi Hutter, Sina, Ohne Rolf, Pedro Lenz oder Hazel Brugger etwa. Diese Namen dienen als Lockvogel – den Theater- und Musikinteressierten muss man das Kleintheater ja nicht mehr schmackhaft machen.

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Co-Produktion mit Neubad

Der Reihe nach: Den Auftakt zur neuen Saison macht die Premiere des Theaters «Später.Früher.Meister» am 13. September. Die erste Hälfte des Stücks wird im Kleintheater aufgeführt, in der Pause wandert man ins Neubad, wo es weitergeht.

Autorin Martina Clavadetscher (auch zu lesen in unserem Literatur-Blog) hat das Stück geschrieben. Die Schwyzerin war 2014 Hausautorin am Luzerner Theater und startet momentan so richtig durch, «über die Landesgrenze hinaus», sagt Judith Rohrbach, die Anfang 2016 neu in die Co-Leitung zu Sonja Eisl stiess (zentralplus berichtete).

Clavadetscher sei mit der Idee für das Stück auf das Kleintheater zugegangen, sagt Rohrbach, und sie stiess auf offene Ohren. So entwickelt sich das Stück als Co-Produktion mit dem Neubad. Regie führt Sophie Stierle, die eigentliche Theaterkomplizin von Clavadetscher, ist es doch bereits die fünfte Zusammenarbeit zwischen den beiden. Dass beide in Brunnen wohnen, ist ein netter Nebeneffekt.

Die Co-Leitung des Kleintheaters: Sonja Eisl (links) und Judith Rohrbach.  (Bild: jwy)

Die Co-Leitung des Kleintheaters: Sonja Eisl (links) und Judith Rohrbach.  (Bild: jwy)

Eine psychologische Zerreissprobe

In «Später.Früher.Meister» geht’s um einen Bademeister in einem schäbigen Dorf, «ein Drecksloch mit schlechtem Ruf», so das Programm. Der Bademeister wird von der Bevölkerung wider Willen zum Helden stilisiert, weil er einen Jungen aus dem See gerettet hat. «Das Stück ist eine psychologische Zerreissprobe», sagt Rohrbach.

«Es ist oft immer noch schwierig fürs Theater, ein Publikum zu akquirieren, darum versuchen wir das vermehrt mit Begleitangeboten.»

Judith Rohrbach, Co-Leiterin

In der Produktion spielen bekannte Namen der Freien Szene mit. «Ein super Cast», schwärmt Rohrbach. Und mit reichlich Luzerner Beteiligung: Patric Gehrig spielt mit, Christov Rolla ist für die Musik besorgt und einige dürften auch den Zürcher Jürg Plüss kennen, der wie auch Gehrig beim Splätterlitheater dabei ist.

Neue Angebote sollen Besucher locken

Bei «Später.Früher.Meister» testet das Kleintheater zudem ein neues Vermittlungsangebot: Einmal gibt es eine Stückeinführung, ein anderes Mal ein Publikumsgespräch nach der Vorstellung. Wozu das? «Es kam der Wunsch nach mehr Begleitangeboten auf», sagt Rohrbach. Darum bietet das Kleintheater bei den Co-Produktionen jeweils ein Rahmenprogramm an. Das können Gespräche sein, aber auch eine Lounge, passende Bands oder DJs nach der Aufführung. «Es ist oft immer noch schwierig, für Theater ein Publikum zu akquirieren, darum versuchen wir das vermehrt mit solchen Angeboten», sagt Rohrbach.

Eine Migrationskomödie, geht das?

Neben dem Stück mit dem Neubad gibt’s auch vier nationale Co-Produktionen, die das Kleintheater gemeinsam mit anderen Theaterhäusern entwickelte. Eine «liebgewonnene Tradition» nennt das Sonja Eisl. Zwei der Stücke sind Migrationsgeschichten – was auffällig ist, aber kein Zufall. Denn Theater ist immer auch ein Spiegel der Gesellschaft. Und was in der Gesellschaft Thema ist, wird auch in der Theaterwelt zum Thema.

Da wäre etwa im Oktober «Kosovo for Dummies» des kosovarischen Autors Jeton Neziraj. Für Eisl einer der spannendsten jungen Theaterautoren Europas. Nieziraj ist Direktor des Multimedia Centers in Pristina und bis 2011 Leiter des Nationaltheaters im Kosovo. Das Stück konnte man bereits in Bern, Zürich, Pristina, Tirana und Skopje sehen, nun kommt es erstmals nach Luzern.

Aus dem Stück «Kosovo for Dummies».  (Bild: zvg/yoshikokusano)

Aus dem Stück «Kosovo for Dummies».  (Bild: zvg/yoshikokusano)

Gespielt wird es von der Gruppe Forever Productions, die 2013 in Bern gegründet wurde, rund um die albanische Schauspielerin Albana Agaj. Die Gruppe will Sprachrohr sein für jene, die im Konflikt der Kulturen keine Stimme haben.

Eisl nennt das Stück eine «Migrationskomödie», was kein Gegensatz sein müsse. «Viele denken, das sei nicht möglich, aber das Stück ist hochkomisch, auch wenn das Lachen oft im Hals stecken bleibt», sagt Eisl. Erwarten dürfe man ein Ensemble, das Vollgas gibt.

Ohne Rolf blättern wieder

Heiss erwartet wird auch das neue Stück des Duos Ohne Rolf. Am 2. November ist es so weit: «Seitenwechsel», die vierte Produktion von Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg, feiert im Kleintheater Premiere (Regie wiederum: Dominique Müller). Die beiden Plakatkünstler haben 1999 ein eigenes Genre auf die Bühne gebracht und feiern seither einen Erfolg nach dem anderen – sie gewannen unter anderem 2015 den deutschen Kabarett-Preis.

 

Dem Plakatformat bleiben Ohne Rolf auch mit dem neuen Stück treu, jedoch wechselt das Duo – wie es der Titel besagt – die Seiten. «Ohne Rolf wagen die Interaktion mit dem Publikum, das ist mit Plakaten nicht ganz einfach, aber sie probieren es», sagt Judith Rohrbach. Nach dem Kleintheater wird das Stück wieder im ganzen deutschsprachigen Raum zu sehen sein. Übrigens: Am 12. November gibt’s eine Ohne-Rolf-Party. «Das wird eine Überraschung», sagt Sonja Eisl, aber wer schon immer mal mit Plakaten tanzen wollte, sollte vielleicht vorbeischauen.

Kleinkunst-Rock’n’Roll

Das Kleintheater ist immer mehr auch eine Bühne für Musik. Es gibt 2016 wieder die von Marc Unternährer und Sebastian Strinning kuratierten Jazzkonzerte an Dienstagabenden – und zwei Plattentaufen: Am 29. Oktober präsentieren Famous October ihr Debüt «One Day Baby». Famous October, das sind das frischgebackene Elternpaar Sarah Bowman und Rene «Coal» Burrell, die in Stans leben, aber regelmässig durch die Länder touren (mit Kind).

So tönen Famous October: «Falling Over» (Die Tänzerin im Video ist übrigens Deborah Gassmann, die am 15. Februar 2017 im Kleintheater auftritt, siehe Box):

 

Die zweite Plattentaufe im Kleintheater ist am 16. Dezember jene des Luzerners Tobi Gmür (Mothers Pride), der mit «Winterthur» seine zweite Mundartscheibe präsentiert. «Kleinkunst-Rock’n’Roll» verspricht das Programm. «Mit 42 Jahren habe ich endlich realisiert, dass Musik keine Lautstärke braucht, um wuchtig zu sein», sagt Tobi Gmür. Deshalb tauft er sein neues Album im kleineren, stilleren Rahmen.

Zum Schluss etwas zum Vormerken: 2017/2018 feiert das Kleintheater sein 50-jähriges Bestehen. Es ist ganz schön alt geworden, das kleine Theater.

Ausgewählte Namen im Überblick

Am 10. September ist erstmals das Glücklick Festival im Kleintheater zu Gast: Zwei Mal World Music: einerseits das Trio mit Jan Galega Brönnimann/Moussa Cissokho und Omri Hason, andererseits die 10-köpfige Westschweizer Combo Professor Wouassa. Der Luzerner Urs Näf kuratiert den Abend und legt selber afrikanische Sounds auf.

Helga Schneider mit dem neuen Programm «[email protected]»: 27. September

Die Co-Produktion «Before I speak I have something to say» von Max Merker und Matthias Schock. Ein tragikomischer Theaterabend des Publikumslieblings Max Merker: 23./25. und 26. November.

Der Luzerner Zauberer, Performer und Theatermacher Alex Porter kehrt zurück. Seit 30 Jahren ist er eine feste Grösse in der Schweizer Szene. Das neue Stück feiert am 10. Januar 2017 im Kleintheater Premiere.

Splätterlitheater: «Prinzessin Konrad» (ab 6 Jahren, aber genauso für Erwachsene), 22. und 29. Januar 2017

Trampeltier of Love im Rahmen der Kabarettwoche: 24. März. Das urkomische Trio mit Marc Unternährer, Matto Kämpf und King Pepe

Trampeltier of Love mit ihrem Song «Shit, Troja mit Brad Pitt»:

«Hazel B. Unlimited»: Die Talkshow mit Überfliegerin Hazel Brugger geht weiter. Sie empfängt auf der Bühne Gäste: 8. Februar, 30. März und 17. Mai 2017. Zudem ist am 10. Februar noch einmal ihr Soloprogramm «Hazel Brugger passiert» zu sehen.

Tanz im Kleintheater: Ein Doppelabend mit Irina Lorez («I-Guitar Songlines») sowie Deborah Gassmann und Lior Shneior («Duck N’ Cover»), 15. Februar 2017.

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