Gesellschaft
Zuger Regierungsrat nimmt Stellung

Hass-Post-Skandal Steinhausen: Die wichtigsten Antworten

Andreas Hostettler äussert sich zur Freistellung des Durchgangszentrums-Leiters. (Bild: wia) (Bild: wia)

Der Leiter der Durchgangsstation Steinhausen ist freigestellt geworden, weil er höchst problematische Facebook-Posts verfasste. Gegenüber zentralplus äussert sich Regierungsrat Andreas Hostettler zum Fall.

Ein Zuger teilt auf den Sozialen Medien homophobe, sexistische und prorussische Beiträge, die unter die Gürtellinie gehen. Viele davon werden mit symbolstarken Emojis untermalt.

Er bezeichnet die russischen Streitkräfte als Helden, welche die Welt von «Uncleanness» befeien sollen. Auch gegen die LGBTQ-Community äussert er sich beleidigend. Solche Facebook-Profile gibt es viele, mag man sich denken. Nur: Hinter diesem Account steckt niemand Geringeres als der Leiter der Durchgangsstation Steinhausen, wie die «Zuger Zeitung» kürzlich herausfand.

Am Dienstag wurde der Mann freigestellt (zentralplus berichtete). Aktuell werde geprüft, ob man die Sache straf- oder personalrechtlich weiterverfolgen muss. Die Onlinebeiträge der betreffenden Person sind mittlerweile unauffindbar. zentralplus sprach mit dem zuständigen Regierungsrat Andreas Hostettler über den Fall.

«Mir wurde fast schlecht beim Anblick des Accounts.»

zentralplus: Herr Hostettler, erste problematische Facebookposts erschienen bereits im Herbst. Wann wurde die Regierung auf diesen Umstand aufmerksam?

Andreas Hostettler: Am Montagabend wurde ich von einer Mitarbeiterin der «Zuger Zeitung» kontaktiert und auf diesen Account angesprochen. Dies war der erste Kontakt mit diesem Profil. Ich habe mir dieses spätabends nach der Arbeit angeschaut, und ich muss ganz ehrlich sagen: Mir wurde fast schlecht beim Anblick des Accounts. Auch wenn ich erst einen Moment gebraucht habe, um die betreffenden Emojis zu «übersetzen».

zentralplus: Was hat diese Entdeckung mit Ihnen in diesem Moment gemacht?

Hostettler: Was mich sehr irritiert hat ist, dass es sich dabei um einen sehr intellektuellen, bestens ausgebildeten Mann handelt. Wie man einen derartigen Tunnelblick entwickeln kann, ohne isoliert am Rande der Gesellschaft zu leben, wirft bei mir Fragen auf.

zentralplus: Wie konnte dieser unhaltbare Zustand bezüglich des Zentrumsleiters so lange unentdeckt bleiben?

Hostettler: Als Arbeitgeber sind wir keine Gesinnungspolizei. Nach Bekanntwerden der Situation wurde jedoch innert Stunden und gemäss der Vorgaben des Personalreglements gehandelt. Schneller kann man gar nicht reagieren. Bereits am nächsten Morgen fand eine Sitzung mit dem Betroffenen statt, bei der man diesen freigestellt hat. Natürlich, nachdem man ihm die Möglichkeit gab, seine Sicht der Dinge zu erklären.

«Der betreffende Mann stand im direkten Kontakt mit Menschen. Da gilt für uns Nulltoleranz.»

zentralplus: Wo sind die Grenzen bezüglich der Meinungsfreiheit bei kantonalen Angestellten?

Hostettler: Der aktuelle Fall sensibilisiert mich respektive uns dafür, auf Anzeichen und Hinweise achtsam zu sein. Auch wenn wir natürlich nicht systematisch die Social-Media-Kanäle unserer Mitarbeitenden kontrollieren werden. Damit würde man ihnen nicht gerecht. Doch insbesondere dort, wo unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Menschen in deren Betreuung zu tun haben, müssen wir achtsam sein. Es wäre eine Sache, wenn diese Person irgendwo im Bereich Archäologie tätig gewesen wäre. Selbst dann wäre es schwierig. Doch der betreffende Mann stand im direkten Kontakt mit Menschen. Da gilt für uns Nulltoleranz.

Der Chef der Durchgangsstation Steinhausen musste per sofort gehen. (Bild: zvg)

zentralplus: Offenbar gab es in der Vergangenheit Mobbingvorwürfe gegen diese Person, denen nicht nachgegangen wurde. Wie kam das? Was war die Sachlage?

Hostettler: Den Vorwürfen wurde nachgegangen und sie wurden entsprechend ausgewertet. Auch personalrechtliche Konsequenzen wurden geprüft. Ich habe jedoch festgestellt, dass die Durchgangsstation Steinhausen sehr klar und gut geführt wurde in den letzten Jahren. Reklamationen der Nachbarn und Einsätze der Polizei konnten auf eine sehr keine Anzahl reduziert werden. Ebenfalls muss man dazu sagen: Eine Durchgangsstation ist kein Ferienlager, sondern eine anspruchsvolle Führungsaufgabe. Auf engem Raum wohnen viele Menschen mit unterschiedlicher Herkunft ganz eng in einem neuen Land zusammen.

«Politik spielt bei der Anstellung keine Rolle.»

zentralplus: Wie läuft ein Assessment-Prozess bei einer Stellenbesetzung ab?

Hostettler: Das kommt ganz auf die Stelle an, je nach Bedarf mit interner oder externer Unterstützung. Wie bei jeder Anstellung stehen hier fachliche, persönliche und ausbildungsmässige Themen ganz klar im Vordergrund. Zudem stellen sich die Fragen, ob die Person ins Team passt, ob sie über das notwendige Entwicklungspotenzial verfügt und ob wir eine gemeinsame Werthaltung zum Arbeitsthema teilen. Politik spielt hier keine Rolle.

zentralplus: Wie geht es jetzt weiter im Durchgangsstation? Wer übernimmt die Leitung?

Hostettler: Die Stellvertretung und Führung ist sichergestellt. Diese wird ad interim von Titus Rüedi übernommen, der bereits als Arbeitsagoge in der Durchgangsstation arbeitet.

Verwendete Quellen
  • Artikel «Zuger Zeitung»
  • Persönliches Gespräch mit Andreas Hostettler
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