Freizeit
Kein Sandstrand – wieso?

Warum du dir in Zuger Badis die Füsse kaputt machst

Stein(e) des Anstosses: Kies-Einstiege ins Wasser wie hier im Seebad Trubikon sind bei einem Zuger Badi-Gänger sehr unbeliebt. (Bild: mam)

Bevor du den Sprung ins kühle Nass machst, musst du dich meist barfuss über kiesigen Weg quälen. Geht das nicht gescheiter? Der Zuger Kantonsplaner René Hutter klärt auf.

Gegen die vorherrschende Hitze verspricht ein Sprung in den Zuger- oder Ägerisee schnelle Besserung. Badetuch ausgerollt, Bikini montiert und auf geht's ins kühle Nass.

Doch vor der sehnlichst herbeigewünschten Abkühlung der Graus: Die empfindlichen nackten Füsse über meist spitze, kleine Kiessteine bugsieren. Mit erhobenen Armen und der Grazie einer betrunkenen Ballerina hüpfst du also über den Kiesweg oder den Strand, der dich vom Wasser trennt.

Bei Wasserzugängen gibt es einiges zu beachten

Auch wenn die Zuger Badis sich im Sommer höchster Beliebtheit erfreuen – ihre Wasserzugänge tun es nicht. So fragt sich auch ein Zuger zentralplus-Leser: «Warum gibt es in Zuger Badis eigentlich nur so mühsame Einstiege?» Entweder kraxle man als Zuger über grosse Steine oder kämpfe sich über Kiesstrände. «Dabei wäre es doch so einfach, mit Platten einen einfachen Einstieg zu gestalten.»

zentralplus hat den Zuger Kantonsplaner René Hutter damit konfrontiert. Und wie die Autorin bald erfährt, ist die Erklärung dafür nicht ganz so einfach. Bei einem Badi-Einstieg gibt es so einiges zu beachten. Kantonale Baubestimmungen, Gewässer- und Umweltschutz, Sicherheit, Geografie, technische Umsetzbarkeit und nicht zuletzt auch Ästhetik. «Wenn alle Gebäude in der Badi aus Holz sind, würden wir beispielsweise eher keinen Metallsteg bewilligen», führt Hutter diesen letzten Punkt aus.

Der Kantonsplaner René Hutter erklärt das Problem mit den Wasserzugängen der Zuger Badis.
Der Kantonsplaner René Hutter erklärt das Problem mit den Wasserzugängen der Zuger Badis. (Bild: mik)

Denn: Bei Badis haben die Zuger Behörden per se etwas mitzureden. Die Seen und grossen Bäche gehören dem Kanton Zug.

Wenn du also einen Badi-Einstieg planst, benötigst du eine Konzession zur Nutzung des Sees. Grundsätzlich steht der nichts im Wege. Denn gemäss kantonalem Richtplan ist der Kanton verpflichtet, Projekte im Siedlungsgebiet, die das Seeufer attraktiv gestalten, zu unterstützen. Das gilt aber nur für öffentliche Nutzungen wie eben eine Badi. Bei privaten Vorhaben bewilligt der Kanton keine weiteren Wasserzugänge mehr.

Warum der Sandstrand wohl ein Traum bleibt

Ein öffentliches Projekt am See, das bald realisiert wird, ist die Erweiterung des Strandbads Zug (zentralplus berichtete). Für rund 13,5 Millionen Franken wird die Oeschwiese zu einer grosszügigen Liegewiese mit einem hölzernen Neubau (zentralplus berichtete). Was Zugerinnen mit blessierten Füssen freuen dürfte: Am Ufer ist ein grosszügiger Sandstrand geplant.

Ob dieser jedoch so umgesetzt werden kann, ist fraglich. Das steht auch so im Jurybericht: «Der Übergang zum Wasser ist noch ungelöst, da der sandige Uferbereich noch zu steil ausgestaltet ist.» Wie René Hutter erklärt, ist daran vor allem die geografische Lage des Strandbads Schuld. «In Zug haben wir vor allem starke Westwinde und den Föhn. Wenn es stürmt, dann peitschen hohe Wellen ans Nord- und Nordostufer.»

Die blauen Pfeile zeigen, wie die hohen Wellen auf den geplanten Sandstrand treffen würden. (Bild: Screenshot: Jurybericht Strandbad Zug/Bearbeitung: mik)

Und eben an einem solchen Nordufer liegt das Strandbad Zug. Hätte dieses nun an geplanter Stelle einen steilen Sandstrand, bestehe ein sehr grosses Risiko, dass dieser einfach weggespült werde. «Auch wenn es der Stadt Zug finanziell gut geht, wäre es nicht das Ziel, dass alle drei Jahre eine riesige Fuhre Sand angeschafft werden muss», fügt Hutter mit einem Schmunzeln hinzu.

An mediterranen Sandstränden wird dieses Problem beispielsweise mit Steinschüttungen vor den Stränden gelöst, die einen Schutzring um den Sand bilden. Gemäss dem Kantonsplaner ist das in Zug aber keine Option. Denn: Der Untergrund des Zugersees ist sehr sumpfig und weich. Schwere Steine würden in den Seegrund absinken.

So kommt es dann, dass Badi-Planer bei Stränden eher auf gröberes Material wie Kies setzen. Diese sind schwerer als Sand, wodurch die Wellen dementsprechend mehr Kraft brauchen, um dieses abzutragen.

Betonrampe: zu glitschig

Doch bevor der nebst Legosteinen grösste Feind von Füssen akzeptiert wird, prüft zentralplus noch Alternativen. Wieso wäre beispielsweise eine Betonrampe wie neben dem Seebad Seeliken in Zug keine Option? Oder eine Betontreppe wie in der Badi Hünenberg?

Gemäss Hutter kommt hier auch wieder der sumpfige Untergrund ins Spiel. Aber nicht nur. Bei Beton bestehe die Gefahr, dass dieser unterspült wird. Und auch der Gewässerschutz spielt bei dieser Option eine Rolle. «Die Seevegetation ist grundsätzlich geschützt», so Hutter. Würde die Stadt tonnenweise Beton in den See kippen, würde die örtliche Flora arg leiden.

Doch Seepflanzen werden auch aus einem weiteren Grund zum Problem: Auf dem Rampen- und Treppenbereich unter Wasser wachsen Algen, was die Tritte sehr glitschig macht. Aus Sicherheitsgründen müsste die Stadt Zug also ein langes Geländer mitbauen.

Teppich: Teuer und kaum fixierbar

Beton ist also eher keine Option. Wie steht es mit Teppich? Vorweg: Normaler Teppich wäre wohl zu teuer. Aber was ist mit Plastikteppichen, die man beispielsweise auch im Badezimmer kennt? «Die müsste man irgendwo befestigen. Sonst sind die beim nächsten Sturm wieder weg», so Hutter.

Und auch hier stellt sich wieder die Algenproblematik. Der Einstieg würde relativ schnell zur Rutschpartie werden. Weshalb es wieder Haltestangen benötigt.

Holzstege: Das Nonplusultra der Wasserzugänge

Eine valable Alternative zum Kies gibt es trotzdem: Holzstege. «Holzstege sind quasi das Nonplusultra der Badi-Einstiege», so René Hutter. Sie sind relativ stabil, lassen den Seeuntergrund – und somit geschützte Pflanzen – frei und sind auch schön anzusehen.

Ein weiterer Pluspunkt: Badi-Gäste, die sich vor Seepflanzen ekeln, können weit genug hinauslaufen, um an einem Ort über eine Leiter einzusteigen, der bereits frei von Pflanzen sind.

Den genervten zentalplus-Leser vom Anfang kann die Autorin also beruhigen: Selbst wenn der geplante Sandstrand Kies weichen würde – mindestens einen Holzsteg wird es im künftigen Strandbad geben (zentralplus berichtete).

Verwendete Quellen
Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.