EVZ-Stürmer Martschini: «Nicht die Spieler machen die Löhne»
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Nicht nur wegen Corona: EVZ-Stürmer Lino Martschini wird die laufende Meisterschaft wohl für immer in Erinnerung bleiben. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Leader vor den zwei Duellen gegen den SC Bern EVZ-Stürmer Martschini: «Nicht die Spieler machen die Löhne»

4 min Lesezeit 24.02.2021, 17:30 Uhr

Im Sportlerleben von Lino Martschini ist grad etwas los: Der 28-Jährige stürmte in einer Linie mit Justin Abdelkader (33) bei dessen Liga-Premiere für den EV Zug und schoss in der Verlängerung den Siegtreffer zum 4:3 in Genf. Und dies, nachdem Martschini beim vorangegangenen Spiel in Davos in anderer Art auf sich aufmerksam machte.

Eigentlich ist es ein Hohn: In seinem 35. Saisonspiel für die Zuger gelingt dem Scharfschützen der erst dritte Saisontreffer. So viele Tore hat der fürstlich salarierte Lino Martschini in seinen besten Zeiten schon an einem Abend zelebriert.

Aber wer seine Geschichte nach der Operation der Adduktoren im letzten Sommer kennt (zentralplus berichtete), der weiss: Das dritte Saisontor ist ein weiterer kleiner Schritt zurück zu der Rolle, die Martschini auf den Leib geschneidert ist. Der Rolle eines grandiosen Spektakelmachers.

zentralplus: Lino Martschini, für Sie wird es in Ihrer aktuellen sportlichen Situation fast nichts Schöneres geben, als ein Siegtor zu erzielen?

Lino Martschini: Ja, das gibt Selbstvertrauen.

zentralplus: Und das in einer Saison, die Ihnen wahrscheinlich nicht nur wegen des Corona-Virus für immer im Gedächtnis haften bleibt.

Martschini: Es ist für mich persönlich keine einfache Geschichte. Aber aus diesen Erfahrungen kann ich viel herausholen und lernen.

zentralplus: Was genau?

Martschini: In einer langen Saison geht man als Stürmer durch Phasen, in denen man beim Toreschiessen verschiedene Temperaturstufen durchläuft. Mal läuft man heiss, mal eher kälter. Aber ich bin nicht mal ins Spiel gekommen. Also kehrte ich zurück zur Frage, was mein Spiel stark machte. Das war mit viel Arbeit verbunden und ist ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Ich war zu wenig geduldig, weil ich nach der Verletzung nicht gleich auf dem Level performen konnte, wie ich mir das vorgestellt hatte.

«Justin Abdelkader ist eine riesige Bereicherung für unsere Mannschaft.»

zentralplus: Aber jetzt fühlen Sie sich auf dem richtigen Weg?

Martschini: Ja, mein Gefühl geht in eine Richtung, die passt. Nicht wegen der Anzahl Tore. Sondern deshalb, weil ich meine Beine mehr bewege, weil ich besser in unser Spiel involviert bin, weil ich wieder zu mehr Abschlüssen komme. Ich bin jetzt nicht mehr nur Zuschauer. Aber dazu brauchst du Vertrauen in den Körper. Allerdings stehe ich noch nicht dort, wo ich wieder sein will.

zentralplus: NHL-Star Justin Abdelkader gab in Genf nach fast einem Jahr ohne Wettkampfpraxis seine EVZ-Premiere auf Schweizer Eis und bildete mit Ihnen ein Flügelpaar. War das für Sie so, wie wenn sonst ein Ausländer zum ersten Mal das Zuger Dress überstreift?

Martschini: Nein. Justin Abdelkader ist eine riesige Bereicherung für unsere Mannschaft. Alleine seine Präsenz tut uns gut. Wenn du weisst, was er in der besten Liga der Welt erreicht hat, und siehst, wie hart er nach wie vor für seinen Job arbeitet und welche Freude er am Eishockeyspielen hat, dann spürst du, was für eine grossartige Persönlichkeit er ist. Justin Abdelkader ist ein super Typ, bodenständig, angenehm. Von ihm werden wir uns noch viel abschauen können.

zentralplus: Am Samstag beim 7:2-Sieg in Davos kam Ihnen insofern eine spezielle Rolle zu, weil Sie das Verbindungsglied zwischen der Schweizer Spielergewerkschaft und dem EV Zug waren bei der Demonstration gegen die Erhöhung der Anzahl Ausländer in der National League auf 2022/2023. War das in Ihren Augen eine gelungene Aktion?

Martschini: Es war sicher keine alltägliche. Ich möchte betonen: Wir Spieler wollten nicht protestieren, sondern ein Signal aussenden. Weil wir nicht einverstanden waren, wie die Geschichte um die Reformen bislang ablief.

«Die Klubs sagen, wie viel sie zu zahlen bereit sind.»

zentralplus: Nicht einverstanden mit was? Mit der Kommunikation?

Martschini: Genau. Es ist nicht optimal, wenn wir als Teil des Produktes Schweizer Eishockey aus den Medien erfahren müssen, was für grosse Entscheidungen in unserer Liga anstehen. Wir Spieler möchten dahintersehen und Inputs liefern können. Auch wenn uns bewusst ist, dass wir nicht alles mitentscheiden können. Das liegt nicht in unserer Kompetenz. Aber wenn nicht gut kommuniziert wird, dann entstehen Interpretationen und daraus Missverständnisse.

zentralplus: Denken Sie, dass die Spielergewerkschaft nach dieser Aktion nun in die Diskussion miteinbezogen wird?

Martschini: Ich weiss nicht, wie die nächsten Schritte der Spielergewerkschaft aussehen werden. Ich bin ein Angestellter des EV Zug und werde dafür bezahlt, um zu spielen.

zentralplus: Genau darum geht es letzten Endes. Die Liga-Reformen, die von Ihren Klubbossen gepusht werden, zielen darauf ab, dass die Schweizer Spieler in Zukunft weniger verdienen, um die Lohnkosten zu senken. Sind Sie dazu bereit?

Martschini: In diesem Zusammenhang ist für mich das mit der Erhöhung der Anzahl Ausländer einhergehende Financial Fairplay entscheidend. Stellt sich heraus, dass die meisten Klubs in der Liga wirtschaftlich ungesund sind und wie bis anhin nicht mehr weiter funktionieren können, dann bin ich bereit dazu. Schliesslich will ich auch noch in zwei und mehr Jahren einen Job. Man darf aber auch nicht die Augen vor der Realität verschliessen: Es sind nicht die Spieler, die die Löhne machen. Die Klubs sagen, wie viel sie zu zahlen bereit sind.

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