EVZ-Stürmer Martschini fühlt sich auf einer Achterbahnfahrt
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Sein Aufwand zahlt sich nach wie vor nicht in Skorerpunkten aus: Zug-Stürmer Lino Martschini (links) kämpft mit dem Rapperswil Laker Fabian Maier um die Scheibe. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

Spätes Zuger Siegtor gegen die Lakers EVZ-Stürmer Martschini fühlt sich auf einer Achterbahnfahrt

4 min Lesezeit 15.11.2020, 05:03 Uhr

Je später einem die Führung gelingt, umso grösser die Chance, den Sieg davontragen zu können: Getreu diesem Motto erzielte der EV Zug das 4:3 gegen die Rapperswil-Jona Lakers 62 Sekunden vor Schluss. Ein schöner Lohn für einen bloss in kämpferischer Hinsicht überzeugenden Auftritt.

Ende gut, alles gut: Nichts gibt der Befindlichkeit einer Mannschaft einen grösseren Kick als ein Last-Minute-Sieg. Der EV Zug hat letztlich einen Weg zum Sieg gefunden, obwohl er kein gutes Spiel ablieferte. Aber er hat nie aufgesteckt, ist trotz dreimaligem Rückstand immer wieder zurückgekehrt und realisierte in der 59. Minute durch Dario Simion das Siegtor.

Wer will es da den Siegern verargen, dass sie das Geschehen auf dem Eis im Hochgefühl schöner darstellten, als es für den Betrachter war? Schliesslich hat ein Sieger immer Recht. Also sagt EVZ-Stürmer Lino Martschini über einen Match mit geringem Unterhaltungswert: «Wir haben vieles richtig gemacht.» Ehe er einschränkt: «Zumindest nach dem Startdrittel.»

Der Weckruf von Tangnes

Lino Martschini war ein Profiteur davon, dass sein Chef Dan Tangnes die Zuger Angriffslinien durcheinanderwirbelte. Er rückte zusammen mit Yannick Zehnder in die erste Linie zum Magier Jan Kovar auf.

Es war ein Weckruf nach der zweiten und klarsten Saisonniederlage am Vorabend in Genf (0:4). «Alles wird Routine, wenn man lange auf die gleichen Sturmreihen setzt. Ich wollte die Gruppendynamik verändern, dafür sorgen, dass die Spieler wieder mehr reden und einander besser unterstützen», begründet Dan Tangnes die Massnahme.

«Ich bin zufrieden und habe die Beine gut bewegt.»

EVZ-Stürmer Lino Martschini

Dennoch trägt Lino Martschini auch nach dem achten Sieg im zehnten Saisonspiel statistisch betrachtet eine «Brille». Das bedeutet: 0 Tore und 0 Assists in 9 Partien.

Seinen Schüssen fehlt die Präzision

Seine beste Szene hatte der Stürmer-Floh in der 50. Minute, als er beim Stande von 2:3 seinen Sturmpartner Yannick Zehnder in guter Abschlussposition bediente. Doch dessen Schuss wurde zur Beute von Rapperswil-Goalie Noël Bader.

Sonst wollte Lino Martschini nicht viel gelingen. In seinem ersten Einsatz überhaupt kassierte er eine Zwei-Minuten-Strafe, die ohne Folgen blieb. Im weiteren Verlauf des ersten Drittels kam er in zwei Überzahl-Situationen zu drei Abschlüssen. Einmal verfehlte er das Tor trotz freier Schussbahn, einmal wurde sein Schuss vom Goalie abgewehrt und ein weiterer von einem Feldspieler geblockt.

«Ich bin zufrieden und habe die Beine gut bewegt», beurteilt er hinterher seine eigene Leistung. Ab Vorabend sei es ihm schon gut gelaufen, nun habe er ein noch besseres Gefühl und Timing gehabt. «Ich war besser in unser Spiel involviert.»

Einblick in seine Gefühlswelt

Es sind ungewohnte und harte Zeiten, durch die der 27-Jährige gehen muss. Der Offensiv-Künstler, der sich über Tore und Assists definiert und 30 bis über 50 Skorerpunkte pro Qualifikation produziert, läuft dem ersten Punkt hinterher.

«Es war nicht immer einfach, positiv zu bleiben.»

Zufall sind seine Ladehemmungen nicht. Im Juni musste sich Lino Martschini an den Adduktoren operieren lassen. Er verpasste die gesamte Vorbereitung.

Zum ersten Mal in seiner Profi-Karriere kehrt er von einer happigen Verletzung zurück. «Ich fühle mich wie auf einer Achterbahnfahrt. Mal geht es aufwärts, mal abwärts. Ich musste erst lernen, damit einen Umgang zu finden. Es war nicht immer einfach, positiv zu bleiben», gibt Lino Martschini einen Einblick in seine Gefühlswelt.

Noch zwei namhafte Brillenträger

Bei einer Hochbegabung wie Martschini ist nicht die Frage, ob sondern nur wann der Flügelstürmer wieder auf sein gewohntes Level zurückkehren wird. «Ich arbeite auch neben dem Eis hart dafür. Irgendwann wird sich das auszahlen», tröstet er sich.

Mit den Schweden Carl Klingberg und Erik Thorell gibt es zwei weitere namhafte Spieler im EVZ-Kader, die bis anhin erfolglos darum kämpfen, ihre statistische Brille ablegen zu können. Sie hinterliessen gegen die Rapperswil-Jona Lakers nicht den besseren Eindruck als Martschini.

«Wir haben einiges Potenzial beim Toreschiessen, das wir noch nicht angezapft haben», sagt Zugs Trainer Dan Tangnes. Solange sein Team sechs von bislang acht Siegen mit einem Tor Unterschied einfährt und mit Lausanne an der Spitze der Tabelle liegt, kann er damit gut leben.

Erst wenn die Martschinis, Klingbergs und Thorells zum Skoren zurückfinden, gibt es für diesen EV Zug mehr Marge zwischen Sieg und Niederlage. Schliesslich haben die Rapperswil-Jona Lakers im Gegensatz zu den Zugern nicht den Titel im Visier.

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