Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
EVZ-Sportchef kann fast nur noch die Verteidigung aufpolieren
  • Sport
  • Eishockey
EVZ-Verteidiger Miro Zryd drückt ZSC-Stürmer Dominik Diem an die Bande: Spielt er auch nächste Saison für die Zuger? (Bild: EVZ/Felix Klaus)

Bereits laufen Gespräche für die nächste Saison EVZ-Sportchef kann fast nur noch die Verteidigung aufpolieren

5 min Lesezeit 20.09.2019, 05:04 Uhr

Auch wenn der EV Zug harzig in die Saison gestartet ist: Das Potenzial, um im nächsten Frühling Meister zu werden, besitzt er zweifellos. EVZ-Sportchef Reto Kläy (41) hat vorab in der Verteidigung die Chance, die Mannschaft für die nächste Saison noch stärker zu machen.

Nächste Saison? Es ist eine Eigenheit des Schweizer Profi-Eishockeys, dass die Transfers der Business-Class-Spieler für nächste Saison in trockene Tücher gebracht werden, noch bevor im Herbst die Blätter von den Bäumen gefallen sind. Oder noch viel früher: Jüngstes Beispiel beim EVZ ist dafür der Transfer von Leonardo Genoni vor Beginn der abgelaufenen Saison.

Ob es ihm nun recht ist oder nicht – auch der Sportchef der Zuger kann sich diesem Mechanismus nicht entziehen. Das heisst: Reto Kläy muss sich in diesen Tagen und Wochen entscheiden, mit wem er verlängern will. Und mit wem nicht.

Unterstütze Zentralplus

Beim EVZ klemmt der Rückwärtsgang

Den grössten Gestaltungsspielraum besitzt Kläy in der Verteidigung: Die Verträge von Johann Morant (33), Miro Zryd (24) und Thomas Thiry (22) laufen am Saisonende aus.

In den drei Spielen der laufenden Qualifikation haben die Zuger fünf Punkte geholt, 14 Tore geschossen und 13 kassiert. Daraus lässt sich unschwer erkennen, dass beim Team von Dan Tangnes der Rückwärtsgang klemmt.

«Im Alter zwischen 19 und 24 Jahren können sich die Entwicklungskurven enorm unterscheiden.»

EVZ-Sportchef Reto Kläy

Aber es wäre unsinnig, für das aktuelle Defizit bloss die Qualität der EVZ-Verteidigung verantwortlich zu machen. Diese stellte mit 115 Gegentoren in 50 Quali-Spielen der letzten Saison hinter dem SC Bern (99) den zweitbesten Wert in der Liga auf.

Abwehrarbeit ist immer ein Zusammenspiel zwischen Sturm, Verteidigung und Goalie. Und dieses Teamgefüge passt beim EVZ noch nicht.

Der klingendste Name? Calle Andersson

Dennoch: Auf dem Papier ist die Verteidigung der Mannschaftsteil im EV Zug, der anders als Sturm und Goalie noch nicht ganz First-Class-Niveau aufweist (zentralplus berichtete). Aber selbst mit einem dicken Portemonnaie wird es schwer, einen hochkarätigen Verteidiger mit Schweizer Pass an den Zugersee zu lotsen.

Letzte Saison wusste Thomas Thiry (im Zweikampf mit dem Berner Marc Kämpf) zu überzeugen – in dieser Saison stand der EVZ-Verteidiger in bislang zwei von drei Spielen nicht im Aufgebot.

Das Problem? «Der Markt gibt nicht viele klingende Namen her», wie es Kläy formuliert. Der wohl klingendste Namen mit einem auslaufenden Vertrag in der National League ist Calle Andersson. Doch der mit einer Schweizer Lizenz spielende SCB-Schwede hat seinen Fussabdruck in Zug schon hinterlassen. Als Neuzugang verliess er den EVZ während der Saison 2014/15 zusammen mit Alessio Bertaggia in Richtung Lugano – im Tausch mit Dominik Schlumpf.

Und sonst? Auslaufende Verträge haben zum Beispiel auch Claude-Curdin Paschoud (25/Davos), Lukas Stoop (29/Davos), Phil Baltisberger (23/ZSC Lions), Dave Sutter (27/ZSC Lions) und Tim Berni (19/ZSC Lions). Ob einer dieser Namen tatsächlich ein Kandidat beim EVZ ist, bleibt offen. Kläy sagt bloss: «Erste Gespräche haben schon stattgefunden.»

Zwei Fragen stellt sich Kläy

Die Frage ist: Um wie viel besser wird die EVZ-Verteidigung durch die Verpflichtung von einem dieser Spieler im Vergleich zu den Abwehrspielern, die schon unter Vertrag stehen?

Für Kläy stehen die Fragen im Zentrum: «Was ist das Potenzial eines Spielers? Und wie nahe ist er diesem schon gekommen?» Und das fragt er sich nicht nur bei möglichen Kandidaten, sondern auch bei denen, die schon das EVZ-Dress tragen. Und erst recht bei denen, die aus dem eigenen Talentpool, der EVZ Academy in der Swiss League, nach oben drängen.

Zryd statistisch bester EVZ-Verteidiger

Doch wie stehen die Chancen von Morant, Zryd und Thiry auf eine Verlängerung der Zusammenarbeit mit dem EV Zug?

EVZ-Haudegen Johann Morant wird von Lausannes Stürmer Yannick Herren verfolgt: Findet die sechsjährige Zusammenarbeit eine Fortsetzung nächste Saison?
  • Statistisch gesehen hat Miro Zryd derzeit die besten Karten in der Hand: Mit einer Plus-2-Bilanz (Verhältnis geschossener im Vergleich zu den kassierten Toren bei numerischem Gleichstand auf dem Eis) ist er vor den Aufritten am Freitag in Langnau und am Samstag zu Hause gegen Lugano (19.45 Uhr, Bossard-Arena) der beste aller EVZ-Verteidiger. Das Problem des offensiv orientierten Verteidigers sind Nachlässigkeiten im Defensivverhalten und in der Spieleröffnung.
  • Ausgerechnet Johann Morant war der erste Torschütze in der angelaufenen Meisterschaft überhaupt. Es war sein fünfter Treffer in der sechsten Saison für den EV Zug. Der Haudegen ist ein einschüchternder Defensivverteidiger, der vor dem eigenen Tor abräumen und bei Bedarf auch richtig zulangen kann. Aktuell ist er mit einer Minus-3-Bilanz allerdings der statistisch schlechteste EVZ-Verteidiger. Und im nächsten April wird er 34.
  • Thomas Thiry, wie Morant ein mit Schweizer Lizenz spielender Franzose, scheint bei Trainer Dan Tangnes derzeit nicht hoch im Kurs zu stehen. Weil der Norweger bislang jeweils mit 13 Stürmern und 7 Verteidigern antrat, gehörte der gross gewachsene und vorab defensiv orientierte Abwehrspieler nur einmal zum Aufgebot. Und dies, nachdem Thiry letzte Saison zu überzeugen wusste. Mit 22 ist er noch entwicklungsfähig.

Wüthrich und Capaul drängen nach oben

Von den aufstrebenden EVZ-Talenten sind nach Kläys Einschätzung Dario Wüthrich und Luca Capaul (19) am weitesten. Der bald 20-jährige Wüthrich hat seine Feuertaufe in der ersten Mannschaft schon hinter sich.

Kläy weiss aus Erfahrung: «Die Entwicklung eines jungen Talents ist schwierig einzuschätzen. Im Alter zwischen 19 und 24 Jahren können sich Entwicklungskurven enorm unterscheiden.»

«Je länger die Saison dauert, umso mehr Anhaltspunkte bekomme ich.»

Als veranschaulichendes Beispiel dafür erwähnt Kläy die Karriere von Ramon Untersander. Der 28-jährige Verteidiger ist zu einer prägenden Figur des SCB-Spiels und mittlerweile schon zum vierten Mal Schweizer Meister geworden. Dabei ist ihm in jungen Jahren nie überdurchschnittliches Talent attestiert worden.

Kläy spielt auf Zeit

«Es ist schwierig und komplex, sich zu einem frühen Zeitpunkt in der Saison für oder gegen eine Vertragsverlängerung zu entscheiden», gibt Kläy zu bedenken. Wäre es allerdings einfach, hätte er Mühe, sein Salär zu rechtfertigen. Weil wohl jeder EVZ-Matchbesucher den Job erledigen könnte.

Kläy gibt offen zu, dass er versuche, die Entscheide so lange wie möglich hinauszuzögern. «Je länger die Saison dauert, umso mehr Anhaltspunkte bekomme ich.»

Bei den Stürmern hat er mit der Vertragsverlängerung von Zauberzwerg Lino Martschini (bis 2023) die wichtigste Personalie unter den Schweizer Spielern schon vor Saisonbeginn erledigt. Jetzt sind noch die Entscheide betreffend Jan Kovar, Dario Simion, Sven Senteler und Fabian Schnyder hängig. Bei David McIntyre ist der Fall klar: Er wird nächste Saison keine Rolle mehr spielen im EV Zug.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare