Ernte von Spargeln & Co. steht an: So rüsten sich die Zuger Bauern
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Die Lage für Bauern hat sich seit dem letzten Jahr hinsichtlich der Erntehelfer entspannt. (Bild: wia)

Ausländische Erntehelfer Ernte von Spargeln & Co. steht an: So rüsten sich die Zuger Bauern

4 min Lesezeit 08.03.2021, 12:17 Uhr

Wegen Corona war es für Zuger Bauern im letzten Jahr schwierig, ausländische Arbeitskräfte für die Ernte zu bekommen. Ein Baarer Landwirt hat deshalb vorgesorgt – und seine Unterstützer dieses Jahr bereits eineinhalb Monate früher ins Land geholt.

Der Bundesrat hat vor einem Jahr den ersten Lockdown angeordnet. Damit wurde auch die Reisefreiheit eingeschränkt. Zu spüren bekamen das die hiesigen Bauern, die bei der Ernte die Hilfe von ausländischen Saisonarbeitern brauchen (zentralplus berichtete). Jährlich sind es schweizweit ungefähr 30’000. Viele der Bauern mussten demnach auf inländische Mitarbeiter, auf Familie und Freunde zurückgreifen, um Spargeln oder Erdbeeren zu ernten.

Ein Jahr später, Corona ist noch da und hat sich sogar erdreistet, zu mutieren. Unbeirrt dessen schiesst der Spargel in die Höhe, will in wenigen Wochen geerntet werden. Wie sehen also die Zuger Landwirte der kommenden Saison entgegen?

Viel Administration für die Bauern

Jonas Boog betreibt mit seinem Buuregarte in Hünenberg einen grösseren Gemüsebetrieb, der unter anderem die Migros beliefert. Auch er hat Spargeln im Angebot.

Alarmiert ist er jedoch nicht. Und war es auch vor einem Jahr nicht: «Klar gab es Betriebe, die nur für die Spargelernte Leute gebraucht haben. Auch gab es eine gewisse Verunsicherung, da beispielsweise der Transit durch Österreich ein Problem war, da das Land seine Grenzen ganz zugemacht hatte.»

So hätten viele Bauern den Spargel gar nicht erst geschnitten, da sie aufgrund der geschlossenen Restaurants fürchteten, das Produkt nicht vermarkten zu können. Der Gemüsebauer ergänzt: «Wir jedoch beschäftigen während des ganzen Jahres Arbeitskräfte, im Sommer wie im Winter. Entsprechend war auch ein Teil unserer ausländischen Mitarbeiter zu der Zeit bereits da.»

«Eigentlich hätte eine Person aus der Ukraine bei uns arbeiten sollen. Das klappte wegen Corona nicht.»

Matthias Schurtenberger, Bauer aus Lindencham

Zum jetztigen Zeitpunkt sei die Einreise ausländischer Arbeitskräfte kein Problem. Jedenfalls, wenn man den administrativen Aufwand nicht scheut. «Während wir früher die administrativen Belange hier in der Schweiz vervollständigen konnten, muss nun alles vorgängig geschickt werden, damit die Leute diese entsprechenden Dokumente an der Grenze vorweisen können.» Wenn die Mitarbeiter mit dem Bus oder Zug anreisen, kommen weitere Formulare dazu. Bei Flugzeugreisen braucht es zusätzlich noch einen negativen Covid-Test.

Der Lohn ist zu tief für Schweizer

Matthias Schurtenberger führt in Lindencham einen Bauernhof. Auch er bekam die Einreisebeschränkungen zu spüren: «Eigentlich hätte eine Person aus der Ukraine bei uns arbeiten sollen. Das klappte wegen Corona nicht.» Er gibt zu bedenken: «In der Landwirtschaft haben wir den grossen Nachteil, dass wir nur niedrige Löhne zahlen können. Die meisten Schweizer arbeiten für diesen Lohn nicht.» Schurtenberger habe im letzten Jahr zwar auch inländische Erntehelfer angestellt. «Jedoch nur so viele wie nötig, da wir die Kosten gering halten mussten.»

Der Baarer Landwirt Philipp Hotz hat im März 2020 proaktiv reagiert. «Als klar wurde, dass es zum Lockdown kommen würde, habe ich gleich zwei Mitarbeiter aus Rumänien kommen lassen. Zwar eineinhalb Monate früher als geplant, doch hatte ich mir damit zumindest die Arbeitskräfte für den Moment gesichert.» Später, im Sommer des letzten Jahres, waren die Grenzen wieder offen, weshalb die Einreise kein Problem mehr darstellte, so Hotz.

Und dieses Jahr? «Sollte die Einreise eigentlich kein Problem sein. Weiterhin besteht jedoch die Gefahr, dass gewisse Länder plötzlich ihre Grenzen schliessen.»

«Wir spürten eine enorme Solidarität in der Bevölkerung.»

Markus Waber vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten

Der Rückblick aufs vergangene Jahr fällt beim Verband Schweizer Gemüseproduzenten erstaunlich positiv aus. Sprecher Markus Waber, erklärt auf Anfrage: «Der befürchtete Engpass konnte zu einem grossen Teil vermieden werden. Einerseits, weil die ausländischen Arbeitskräfte systemrelevant eingestuft wurden und einreisen durften, andererseits durften wir aus der Bevölkerung eine enorme Solidarität wahrnehmen.»

Sehr viele hätten ihre Hilfe angeboten. Vermittlungsplattformen seien für diesen Zweck kurzfristig ins Leben gerufen worden. «Sehr viele Betriebe haben die meisten Anfragen aber direkt erhalten.»

Dies bestätigen auch die Zuger Landwirte. Zum einen ein Segen, zum anderen jedoch ein zusätzlicher administrativer Aufwand, den es zu bewältigen galt.

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