Luzerner Landwirte suchen dringend Erntehelfer – wahrscheinlich aber nicht dich
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Die Erntesaison beginnt und es fehlt an Helfern. (Symbolbild: Duarte Nunes/Unsplash)

Wegen ausbleibender ausländischer Erntehelfer Luzerner Landwirte suchen dringend Erntehelfer – wahrscheinlich aber nicht dich

3 min Lesezeit 1 Kommentar 28.03.2020, 10:32 Uhr

Statt auf dem Sofa zu gammeln, lieber auf dem Bauernhof bei der Ernte aushelfen? Draussen Erdbeeren und Äpfel zu pflücken, klingt in Corona-Zeiten besonders verlockend. Nur: die Büez auf dem Hof ist definitiv härter als das romantische Bild davon. 

Wir sitzen zwar brav drinnen, aber draussen ist eigentlich Frühling. Bei den Landwirtschaftsbetrieben startet jetzt die Erntesaison. Wie praktisch alle Lebensaspekte ist auch die Erntesaison 2020 bereits von der Corona-Krise geprägt.

Der Grund: Wegen der verschärften Reisebestimmungen und der Angst vor dem Coronavirus bleibt ein Teil der Saisonarbeiter der Schweiz fern. Nun hoffen die Landwirtschaftsbetriebe auf Ersatzhelfer aus der heimischen Bevölkerung.

Gratisanzeigen für Betriebe und Arbeitssuchende

So können etwa auf www.agrarjobs.ch, dem Stellenportal der Bauern-Zeitung, derzeit kostenlos Gesuche und Angebote für Erntehelfer und temporäre Aushilfen platziert werden. Der Schweizerische Bauernverband führt unter www.agrix.ch ebenfalls eine solche Plattform. Ein erster Blick zeigt: Es gibt durchaus Bewerberinnen und Bewerber, die in irgendeiner Form auf dem Hof aushelfen und arbeiten wollen.

Im Kanton Luzern werden vor allem Helferinnen und Helfer für die Obst- und Erdbeerernte und die Weinernte gesucht.  Die heisse Phase für diese Produkte startet zwischen Mai und Juni, sagt Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes.

Gedanken müssen sich die Betriebe aber schon jetzt machen. Heller macht ein Beispiel: «Bei der Erdbeerernte helfen auf manchen Betrieben seit Jahren Pensionierte mit. Die gehören jetzt zur Risikogruppe und müssen wohl ersetzt werden.»

Solidaritätswelle zu Beginn der Krise

Schon bevor die Onlineportale aufgeschaltet wurden, erreichten den Bauernverband Anfragen von Personen, die ihre Hilfe anboten. Heller begrüsst die Solidarität zwar, stellt aber auch fest: «Die Anfragen kamen vor allem zu Beginn der aktuellen Krise.» Seit die Massnahmen des Bundes verschärft wurden und die Leute grundsätzlich zu Hause bleiben, hätten die Anfragen abgenommen.

Hinzu kommt die Tatsache, dass nicht jeder «Bürogummi» diese Jobs machen kann. Knickt man etwa einen Tomatenstrauch um, kann das schnell ins Geld gehen. Vom extrem hohen Arbeitstempo der routinierten Saisonarbeiter mal ganz abgesehen.

Abstandhalten ist eine Herausforderung

Was das Arbeiten in Corona-Zeiten angeht, gibt es vom Bundesamt für Landwirtschaft klar definierte Weisungen. Zum Arbeiten auf dem Feld heisst es etwa folgendermassen: «Beim Zusammenarbeiten von mehreren Personen sollten die empfohlenen gegenseitigen Sicherheitsabstände eingehalten werden und persönliche Hygienemassnahmen, wie regelmässiges Händewaschen, möglich sein.»  

Aber nochmals: Das sind keine Jobs auf dem Ponyhof, wie dieser aktuellen Anzeige auf Agrarjobs.ch zu entnehmen ist: «Für die Erdbeerernte suchen wir Erntehelfer. Einsatz täglich 5.30 Uhr bis 12.00 Uhr. Einsatz ist abhängig von der Erntemenge, Bestellungen, Wetter usw. Wir wünschen uns einen Mindesteinsatz von jeweils 4 Tagen pro Woche. Es wird bei fast jedem Wetter gearbeitet.»

Rechtliche Fragen sind noch ungeklärt

Es bleiben zudem noch einige rechtliche Fragen offen. Wer dürfte überhaupt als Hilfsarbeiter auf dem Hof zupacken? Zu welchem Lohn? Auch wenn man etwa auf Kurzarbeit ist? «Man ist hier noch mitten im Prozess, Lösungsansätze zu definieren und rechtliche Fragen abzuklären», sagt Stefan Heller.

Zudem wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen, wie problematisch hoch die Zahl der ausbleibenden Erntehelfer sein wird. Grundsätzlich gilt, dass wer einen gültigen Vertrag und eine gültige Bewilligung hat, weiterhin in die Schweiz einreisen darf. Das Problem liegt eher bei den Transferländern. Ein Beispiel: Saisonarbeiter aus Rumänien kommen normalerweise via Ungarn und Österreich. Im Moment ist unklar, ob sie durch die Länder passieren dürfen.

Wohin mit der Ernte?

Prognosen machen will Heller nicht. Fest stehe lediglich, dass die Ernte nur ein Teil des Problems ist. Ein weiteres: Wohin mit dem Geernteten? «Die wirtschaftlichen Folgen – beispielsweise durch die Tatsache, dass nicht mehr auswärts gegessen werden kann – werden uns demnächst vor gewaltige Probleme stellen», ist Heller überzeugt.

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1 Kommentare
  1. Elena Gebhardt, 09.08.2020, 17:17 Uhr

    ich möchte gern apfelernte helfen. Können sie mir sagen wo ??

    vielen dank, elena Gebhardt

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