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Ein lediger Bauer, aber keine Unschuld vom Lande
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Pirmin Hirsiger und Leo haben ein Frauchen gefunden. (Bild: jav)

Pirmin Hirsiger aus Pfaffnau sucht seine «Hofdame» Ein lediger Bauer, aber keine Unschuld vom Lande

5 min Lesezeit 29.12.2017, 10:30 Uhr

In der Schweiz wird wieder verkuppelt. Die Fernsehsendung «Bauer, ledig, sucht …» ist mit neuen Single-Landwirten fleissig im Kennenlernmodus. Mit dabei ist Pirmin Hirsiger aus Pfaffnau. Ein Bauer, der keinem Klischee entsprechen will.

Im luzernerischen Pfaffnau wird derzeit jede Sendung von «Bauer, ledig, sucht …» ganz genau verfolgt. Denn der hiesige Pirmin Hirsiger ist diesmal auf Herzdamensuche mit dabei.

Und auch der Bauer selbst klebt jeweils vor dem Bildschirm. «Selbst wir wissen nicht, was schlussendlich bei der Ausstrahlung gezeigt wird, welches Material verwendet und zusammengeschnitten wird», erklärt Hirsiger. Er habe nichts versteckt, als im September und November auf seinem Hof gedreht wurde. «Ich bin, wer ich bin, ich kann mich auch schlecht verstellen.»

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Nach der ersten Sendung habe er aufgeatmet. «Ich bin sehr zufrieden bisher. Sie sind mir gut gesinnt», sagt er lachend über die TV-Macher. In seiner grossen Wohnküche auf dem Hof in der Weid bei Pfaffnau taut er langsam auf. Dazu trägt nicht unwesentlich sein Schweizer Sennenhund Leo bei, der mit beeindruckenden 63 Kilo und einem leichten Aufmerksamkeitsdefizit für Auflockerung sorgt.

Unkonventionell und wenig traditionell

Dass Pirmin Hirsiger eher ein ruhiger, zurückhaltender Typ ist, das überrascht erst mal. Denn ein bunter Mix aus seinen «Bauer, ledig, sucht …»-Ankündigungen hört sich ungefähr so an: «Der modische Bauer beschreibt sich selbst als ‹eigentlich sehr speziell›. Der 38-Jährige, der beim Mosten Goa-Musik hört, macht in seiner Freizeit auf Strongman und feiert Techno-Partys. Vor seinem Haus steht ein Gartenzwerg unten ohne da und statt trötiger Begrüssungsworte gibt’s für die Hofdame erst mal ein Schnäpschen. Ei, wenn es doch nur bei allen so locker wäre!»

«Für mich hat sich alles so entwickelt, wie ich es mir gewünscht habe.»

Und tatsächlich hat der Schweizer Privatsender 3+ nicht zu viel versprochen. Der bikende Goa-Bauer, der Strongman und Techno-Landwirt, der Wellness mag, hat so gar keinen Bezug zu Ländler und Schwingen. «Landwirt ist für mich einfach ein Beruf», sagt Hirsiger.

Vor zehn Jahren habe im Wald bei Pfaffnau eine Goa-Party stattgefunden. Begeisterung bei Hirsiger, «doch unser Dorf war im Schockzustand», lacht er.

Hofdame Pia bringt Pirmin Yoga bei.

Hofdame Pia bringt Pirmin Yoga bei.

(Bild: Screenshot 3plus)

Und schon sind Kinder im Haus

Für das TV-Format angemeldet hat sich der ledige Bauer im Juli selbst. «Ich lag zwei Wochen im Bett wegen eines Achillessehnenrisses. Da dachte ich, jetzt hab ich Zeit, etwas gegen das Alleinsein zu unternehmen.»

Es sei Zeit gewesen. Seit zwei Jahren lebt Hirsiger alleine auf dem grossen Hof etwas ausserhalb von Pfaffnau. Seine Eltern sind ins Dorf gezogen und er hat die 60 Mastsäue, die 10 Rinder und die Pensionspferde und -ponys übernommen. Hirsiger ist neben seiner Arbeit als Landwirt noch zusätzlich bei der Landi angestellt und renoviert eigenhändig das Wohnhaus. Da bleibt wenig Zeit für «Brautschau».

«Es ist von Vorteil, wenn du Frauen kennenlernen kannst, die schon grundsätzlich ein Interesse an dir haben.»

Nach einer achtjährigen Beziehung, die am Schluss vor allem am grossen Altersunterschied scheiterte, war er zu dem Zeitpunkt seit fast zwei Jahren Single.

Und das scheint sich tatsächlich bereits geändert zu haben. Denn auf dem Tisch stehen eine Lego-Burg und ein Spielzeug-Pony. «Die gehören den Kindern meiner Freundin», sagt Hirsiger wie beiläufig und grinst.

Keine Unschuld vom Lande

Er weiss genau, was man von ihm hören und sehen will, das wird schnell klar. Die Kamera, die vielen Fragen sind nichts Neues und nichts Unangenehmes für den Bauern – es scheint ihm gar Spass zu machen, seine Trümpfe auszuspielen: Fürs Foto führt er uns direkt zu den Pferden und Ponys, er beschreibt sich selbst als hilfsbereit und –«ganz wichtig!» – flexibel, er zeigt den unanständigen «Unten-ohne-Zwerg» vor dem Eingang und wird einsilbig, sobald es darum geht, ob denn Hofdame Pia zur festen Partnerin geworden ist oder ob er das Glück ausserhalb der Sendung gefunden hat.

«Ich kann nur sagen, ich würde sofort wieder mitmachen. Und egal, wie die Sendung ausgegangen ist; für mich hat sich alles so entwickelt, wie ich es mir gewünscht habe.»

Auf seinem Hof hat Pirmin Hirsiger auch Platz für Pferde und Ponys.

Auf seinem Hof hat Pirmin Hirsiger auch Platz für Pferde und Ponys.

(Bild: jav)

Angebot und Nachfrage

Er sei ohne Erwartungen an die Sache herangegangen. «Ich wollte mich überraschen lassen und schauen, wer sich meldet.» Viele Freunde seien überrascht gewesen, dass er mitgemacht habe. Seine Eltern begeistert.

Die Sendung

Aktuell läuft auf dem Privatsender 3+ die 13. Staffel der Kuppelsendung «Bauer, ledig sucht …». Das Format ist eine Weiterentwicklung der Sendung «Bauer sucht Bäuerin» aus dem Jahr 1983. Die erste Staffel startete am 21. Juli 2008. Seit der zweiten Staffel wird das Format von Marco Fritsche moderiert.

In den zwölf Staffeln gab es durch das Erfolgsformat insgesamt 17 Hochzeiten und 21 Babys. Auch die Quoten sprechen für die Sendung. In der zwölften Staffel war «Bauer, ledig, sucht …» bei 21 von 27 Folgen marktführend.

Natürlich habe er auch sonst Frauen getroffen, beim Sport, Wellness oder an Partys. Aber er habe sich gedacht, vielleicht finde er die, die zu ihm passe, an einem ganz anderen Ort. «Zudem ist es von Vorteil, wenn du Frauen kennenlernen kannst, die schon grundsätzlich ein Interesse an dir haben.» Denn diese haben sich ja auf das Bewerbungsfilmchen von Pirmin Hirsiger gemeldet, mit Brief und Foto. «Trotzdem bleibt so vieles offen. Eigentlich ist es ein Überraschungsei, wen man schliesslich trifft», sagt Hirsiger.

Schreck, lass nach!

Ein Überraschungsei seien auch die anderen ledigen Männer oft, die in der Sendung ihr Glück suchen. «Selbstverständlich ist jeder anders, aber bei einigen Bauern in vergangenen Staffeln, da konnte man kaum glauben, was die von sich gegeben haben», amüsiert er sich kopfschüttelnd.

Natürlich verstehe er auch gewisse Unsicherheiten: «Wenn du alleine auf einer Alp lebst und plötzlich richtet ein Fernsehteam erwartungsvoll die Kamera auf dich, da kommt halt bei einigen nichts mehr raus.»

Einige Aussagen und Aktionen von Bauern aus den letzten Staffeln hätten ihn aber trotzdem mehr als verwundert. Zu erwarten, dass man «fürs Kennenlernen» in der Hofwoche kennenlernhalber das Bett teile, zum Beispiel – da sei ihm der Mund offen stehen geblieben. «Ich brauche auch keine Arbeitskraft und den Haushalt bekomme ich gut alleine hin. Für mich war klar: Ich suche eine Partnerin, die mit mir das Leben teilen will.»

Der berühmte Zwerg.

Der berühmte Zwerg.

(Bild: jav)

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