Ein 3,3 Tonnen schweres Fettmonster schleimte sich durch Zuger Bäche
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3,3-Tonnen schwere Fettklumpen, die aussahen wie dieser Blumenkohl, verschmutzten im Juli 2018 zwei Zuger Bäche. (Bild: Evita Ochel, Pixabay)

Rinderfett floss über die Dachrinne in die Kanalisation Ein 3,3 Tonnen schweres Fettmonster schleimte sich durch Zuger Bäche

3 min Lesezeit 3 Kommentare 31.08.2020, 16:30 Uhr

2000 Liter Rinderfett sind im Juli 2018 aus dem Tank eines Zuger Landwirtschaftsgeschäfts ausgelaufen. Im angrenzenden Bach bildeten sich «blumenkohlartige Klumpen». Nun wurde einer der Verantwortlichen wegen Gewässerverschmutzung verurteilt.

Ein «Fettberg» ist ein höchst unappetitliches Phänomen, das seit einiger Zeit sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Im Herbst 2017 machte der Begriff international Schlagzeilen, nachdem in London ein monströser Fettklops entdeckt worden, der die Kanalisation verstopfte.

Dieser war 250 Meter lang, 130 Tonnen schwer und bestand aus Abfällen sowie hartem Kochfett. Das Abtragen des Kolosses dauerte mehrere Wochen, denn das Fett hatte sich zu einer steinharten Masse verklebt. Ein kleiner Rest wurde später sogar in einem Museum ausgestellt.

Was kaum einer weiss: Knapp ein Jahr später kam es im Kanton Zug ebenfalls zu einem «Fettberg». Im Vergleich mag das 3,3-Tonnen-Monster zwar klein erscheinen. Aber immerhin bestand es aus ungefähr zehn Badewannen Rinderfett.

Über die Regenrinne in die Kanalisation

Entstanden ist das Ding auf dem Dach eines Landwirtschaftsgeschäftes. Dort war ein grosser Tank aufgebaut, der im Juli 2018 undicht geworden war. Das flüssige Fett lief über die Regenrinnen der Dachentwässerung – und geriet von dort in die Abwasserkanalisation.

Das Rinderfett breitete sich von dort weiter aus und wurde in zwei Zuger Bäche geschwemmt. Dort verfestigte es sich zu «blumenkohlartigen Klumpen», wie in einem Strafbefehl der Zuger Staatsanwaltschaft zu lesen ist. Bei anschliessenden Reinigungsarbeiten wurden 3,3 Tonnen Rinderfettbrocken entfernt.

Tank war nicht gemeldet und wurde nicht geprüft

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebs nun vor, gegen das Gewässerschutzgesetz verstossen zu haben. Bereits knapp zwei Jahre vor dem unappetitlichen Unglück hatte der Tank ein Leck, das durch eine Spezialfirma repariert werden musste. Doch der Mann versäumte es, das Problem nachhaltig zu lösen.

«Nach dem ersten Leck hätte ihm bewusst sein müssen, dass die beiden mit flüssigem Futtermittel befüllten Tanks mit einem Fassungsvolumen von 15’000 bzw. 20’000 Litern auf den Dach (…) eine potenzielle Gefährdung der angrenzenden Gewässer darstellen», schreibt die Staatsanwaltschaft in ihrem Strafbefehl.

Geldstrafe und Busse wegen Gewässerverschmutzung

Bei einer Kontrolle nach dem zweiten Vorfall stellte das Amt für Umweltschutz eine Mehrzahl von Mängeln fest – insbesondere fehlte ein Auslaufschutz. Obwohl für den Rinderfetttank eine Meldepflicht bestanden hätte, liess der Geschäftsführer die Vorrichtung nicht durch die Behörden abnehmen.

Die Staatsanwaltschaft verurteilt ihn deshalb zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 160 Franken. Während die 3200 Franken nur bei einem Rückfall zu bezahlen sind, muss er eine zusätzliche Busse von 800 Franken sofort überweisen. Der Entscheid ist rechtskräftig.

Im Text wird die Ortschaft nicht genannt, weil ansonsten aufgrund der Tatumstände Rückschlüsse auf den Betroffenen möglich wären.

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3 Kommentare
  1. Horst S, 01.09.2020, 08:04 Uhr

    Rinderfett als flüssiges Futtermittel!? Für wen oder was bitte?

    1. Redaktion Lena Berger, 01.09.2020, 08:57 Uhr

      Rindertalg wird gemäss Agroscope vor allem zur Herstellung fettreicher Milchersatzpräparate für Mast- und Aufzuchtkälber verwendet.

  2. Daniela Bucher, 31.08.2020, 18:41 Uhr

    Ein extra fettiger Blumenkohl also 😉

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