Der Wirt des Raten gelobt Besserung – bleibt aber ein Skeptiker
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Im Restaurant Raten in Oberägeri lagen Flyer auf, die den Bundesrat und die Corona-Massnahmen kritisieren. (Bild: Google Street View)

Behörden schliessen Restaurant in Oberägeri Der Wirt des Raten gelobt Besserung – bleibt aber ein Skeptiker

4 min Lesezeit 11 Kommentare 08.12.2020, 05:00 Uhr

Seit einigen Tagen ist das Restaurant Raten in Oberägeri zu. Dies, weil es zu wiederholten Missachtungen der Corona-Massnahmen kam. Der Chef des Ladens: ein bekennender Corona-Skeptiker. Sobald er sein Restaurant wieder öffnen darf, will er sich aber an die Massnahmen halten.

Rund um das Restaurant Raten in Oberägeri entstand in den letzten Wochen immer grösser werdender Wirbel. Dies, weil mehrere Missachtungen der Corona-Regeln zu einer Schliessung des Betriebs führten. Nach der Wiedereröffnung ist das Restaurant des Unternehmers Iwan Iten bereits wieder geschlossen – diesmal für eine ganze Woche (zentralplus berichtete).

Aus Protest keine Maske getragen

«Wir hatten grosse Probleme. Als die Maskenpflicht in Restaurants eingeführt wurde, wurden bei uns sämtliche Bankette abgesagt», erklärt Iten auf Anfrage. Diese sollen einen beträchtlichen Teil des Umsatzes ausmachen, 1200 Gäste seien damit weggefallen. Der Grund für die Schliessungen erwähnt Iten gleich selbst: «Ich habe mich geweigert, eine Maske zu tragen.»

Sein Verzicht, eine Maske zu tragen, sei auch ein Protest gewesen, weil er sich vom Kanton Zug im Stich gelassen gefühlt habe. «Ich will, dass die Behörden Klarheit schaffen. Für den bei uns Gastronomen entstandenen finanziellen Schaden kommen sie schlichtweg nicht auf», führt er aus.

Während zwei Wochen ging sein Plan auf. Beim fünften Polizeibesuch wurde dem Treiben aber vorerst einmal ein Ende gesetzt – der Betrieb wurde vorübergehend eingestellt.

Alternative Fakten verbreitet

Doch nur als Protest war seine Aktion dann wohl doch nicht gedacht. Iwan Iten ist in Sachen Skepsis gegenüber den Corona-Massnahmen kein unbeschriebenes Blatt: Bereits vor einigen Wochen ist er an einer Corona-Demonstration im schwyzerischen Lachen aufgetreten (zentralplus berichtete). Schon da kritisierte er die mangelhafte Dialogbereitschaft seitens der Behörden – und verzichtete auf das Tragen einer Maske. Deswegen droht ihm eine Strafe.

An seinem Standpunkt scheint sich in der Zwischenzeit vorerst nicht viel geändert zu haben. Man müsse sich nur bei den richtigen, alternativen Quellen informieren, heisst es. Die Massenmedien setzten nämlich auf «Angstmacherei». Gleich mehrere Quellen, die an diverse weltweit bekannte Verschwörungstheorien erinnern, erreichen unsere Redaktion. Darunter etwa, dass Bill Gates in Sachen Corona-Impfstoff die Hände im Spiel habe.

Was Itens Hauptsorge ist: «Das ist erst der Anfang vom Ende. Welche Massnahmen stehen uns noch bevor?» Und dabei vertritt er doch die Ansicht, dass «Corona nichts ist – nichts Schlimmeres als ein normales Grippevirus». Dass er mit seiner Maskenverweigerung seine Gäste im Restaurant gefährden könnte, das sieht er deswegen anders.

Flyer im Restaurant aufgelegt

Offenbar hat Iten auch in seinem Restaurant seine Meinung kundgetan. Eine Restaurantbesucherin teilt gegenüber zentralplus mit, dass im Lokal von Iten Flyer mit Massnahmen-kritischem Inhalt aufgelegen haben sollen. «Ich fühlte mich sehr komisch und ich empfinde es als eine Frechheit, in einem solchen öffentlichen Raum mit derartigen Informationen zu werben», erklärt die Frau ihre Haltung gegenüber dem Flyer.

Iwan Iten bestätigt die Auflage dieser Flyer: «Sie dienen der Aufklärung und tragen den Titel ‹Zurück zur Vernunft›.» Mitunterzeichnet sind die Flyer von verschiedenen Organisationen, die das Coronavirus aufs Schärfste hinterfragen, oder zumindest die Massnahmen kritisieren, um dessen Ausbreitung zu minimieren.

Google-Kommentare kritisieren den Wirt

Bei seinen Besuchern löste der Wirt mit seinen Aktionen im Internet auch ablehnende Reaktionen aus. So finden sich unter den Google-Rezensionen des Restaurants Raten zahlreiche entsprechende Kommentare: «Schade, dass Herr Iwan Iten nun unter den Maskenverweigerern ist. Er setzt die Gesundheit seiner Mitarbeiter und die der Gäste aufs Spiel», heisst es beispielsweise.

Oder: «Früher war ich sehr gerne dort, leider aus ethischen Gründen aktuell nicht zu empfehlen. Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitmenschen sollte ohne Frage vorrangig sein, und keinesfalls die persönliche Meinung von Covidioten.»

Auf die Frage, ob Iten nicht auf das Kundenbedürfnis der Sicherheit eingehen und somit seinen Kundenstamm nicht verlieren wolle, folgt keine klare Antwort. «Schlussendlich kommt es nicht so darauf an. Die zahlreichen Probleme bestehen weiterhin», heisst es etwa.

Dennoch: Wenn das Restaurant nächste Woche wiedereröffnet wird, will sich der Besitzer an die Massnahmen halten. Den Grund für eine solche Änderung der eigenen Meinung lässt er offen.

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11 Kommentare
  1. Peter P. Odermatt, 09.12.2020, 13:17 Uhr

    Super, wie sich der Wirt verhalten hat. Gegen die Natur anzukämpfen ist unmöglich. Risikoleute sollen sich schützen, nicht die überwältigende Mehreit der Bevölkerung.

  2. Brigitte Zimmermann, 09.12.2020, 12:05 Uhr

    Dass der Wirt des Restaurants Raten, Iwan Iten, öffentlich dazu aufruft, die Vorschriften zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zu missachten, zeugt von Unverbesserlichkeit. Gerade wegen solchen Leuten breitet sich das Coronavirus weiter aus! Das verursacht eine Verlängerung der Pandemie mit noch grösserem Leid und wirtschaftlichem Schaden. Dass das Restaurant Raten für eine Woche als Strafe geschlossen bleibt, ist richtig. Wenn’s ans Portemonnaie geht, lernen es am Ende auch die Unverbesserlichen. Wer sich über wichtige Gesundheitsregeln in der Corona-Zeit hinwegsetzt, darf nicht mit Samthandschuhen angefasst werden!

  3. Roli Greter, 09.12.2020, 06:27 Uhr

    Es ist einmal mehr bedenklich wie über dieses Thema diskutiert wird. Wer eine andere Meinung als die des Bundesrates hat ist Negativdenker, Egoist, nicht gesellschaftsfähig, unbedeutend, Panikmacher.
    Als Massnahmenbefürworter ist man ein Gesellschaftszerstörer, Hyteriker, manipulierbar.

    Ein Dialog ist nicht möglich auf diese Weise, wollt Ihr euch wirklich selber geistig isolieren?
    Egal welche Meinung ich habe, eure respektiere ich. Respektiert meine ohne Urteil!

  4. Hans Peter Roth, 08.12.2020, 18:28 Uhr

    Berliner Wandspruch: Lieber eine Maske vorm Gesicht als ein Zettel am Zeh‘.

  5. kaalro, 08.12.2020, 17:03 Uhr

    Unverbesserliche Skeptiker sind Negativdenker und sehen nur sich selber. Scheinbar sind sie auch nicht gesellschaftsfähig nur auf sich fixiert und eben auch egoistisch – aber ist ja zum Glück nur eine kleine unbedeutende Minderheit. Der Wirt wird die Auswirkungen für seine Uneinsichtigkeit umso mehr zu spüren bekommen

  6. Peter Lehmann, 08.12.2020, 13:02 Uhr

    Hehe, ich finde es spannend, dass die Skeptiker immer vorgeben zu denken, jedoch fast ausnahmslos alle 1:1 die gleichen Phrasen Mal für Mal nachplappern.
    Stellt mal die richtigen Fragen, wenn ihr schon skeptisch sein wollt. Eure Panikmache bezüglich Gesellschaft und Wirtschaft ist im Übrigen nicht minder krass. Aber Egoisten kümmert dies ja nicht, man spricht gegen eine Wand. Schade, denn gemeinsam könnte man zufriedenstellendere Lösungen für reale Probleme erarbeiten.

    1. Paul Bründler, 08.12.2020, 17:25 Uhr

      @Lehmann: Was wären denn die „richtigen Fragen“?
      ich finde Ihren Beitrag übrigens ziemlich wirr und eigentlich weiss ich gar nicht, was Sie uns sagen wollen. Wissen Sie es?
      Und nein, kryptisches Reden ist nicht „intellektuell“ und schon gar nicht intelligent.

  7. mebinger, 08.12.2020, 12:08 Uhr

    Wann beginnen auch die Nicht-Skeptiker zu denken und hören auf die Gesellschaft zu zerstören? Es idt und bleibt ein Fehlalarm und die Zahlen sind nur erschreckend, weil noch nie so eine Hysterie betrieben wurde!

  8. Paul Bründler, 08.12.2020, 09:46 Uhr

    Wieso sollte er seine Meinung ändern?
    Die Nutzlosigkeit der Masken für die Allgemeinheit wurde doch von der WHO bestätigt.
    Hier geht es doch schon länger nicht mehr um Fakten.
    Die Maske ist zu einer Art Religion für Konformisten geworden und entsprechend irrational sind die Reaktionen auf vermeintliche „Ketzer“.
    Die Maske ist ein Paradebeispiel für die Manipulierbarkeit der Massen. Beängstigend.

    1. Tanti Salutti, 08.12.2020, 15:34 Uhr

      Er muss ja seine Meinung nicht ändern. Einfach die Vorschriften einhalten, ob er dafür oder dagegen ist. Mir tun die Angestellten leid.

    2. Bart Eisfrei, 08.12.2020, 16:59 Uhr

      Auch wenn die Maske nutzlos erscheint, sorgt sie doch für eine wohlig warme Mund- und Kieferpartie. Ich hoffe Ihnen gefriert, durch Ihren Nonkonformismus, der Schnauz.

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