Der Winkelzug verdrängt den Trauerbalken
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Der Zuger Stadtrat und das neue Logo – Kernstück der Corporate Identity. (Bild: zvg)

Warum Zug ein neues Erscheinungsbild braucht Der Winkelzug verdrängt den Trauerbalken

4 min Lesezeit 2 Kommentare 23.02.2021, 20:58 Uhr

Arial- statt Frutiger-Schrift, Beliebigkeit statt ein beherztes Bekenntnis zu Modernität. Die Stadt Zug verändert ihren grafischen Auftritt und lässt sich dies einiges kosten. Was es bringt und was nicht.

Es gab einen Aufschrei, als Zug vor 20 Jahren das Zuger Wappen mit Mauerkrone aus seinem grafischen Auftritt verbannte. Und sich stattdessen von der Werbeagentur Scherer Kleiber ein neues Corporate Design verpassen liess. Dieses war schwarz und erhielt rasch den Übernamen «Trauerbalken». Es zeige «ein kaltes Zug, ein knallhartes Zug ohne Herz, schwarz auf weiss, voll auf Profit ausgerichtet» schrieb ein Leserbriefschreiber in der «Neuen Zuger Zeitung». Im Logo «spielen Wärme, Menschlichkeit, Farbenfreudigkeit und vor allem das Herz keine Rolle mehr».

Der «Trauerbalken», ein vertraut gewordenes Bild.

Im Sinne eines Kompromisses bildete man ein halbes Wappen stilisiert auf der Seite der Briefschaften ab. Doch damit ist nun Schluss. Ab 1. März wird der sogenannte «Z-Winkel» den «Trauerbalken» ersetzen. Das identitätsstiftende Wappen wird total vom Seitenrand eliminiert.

Zweiter Anlauf

Der neue Auftritt ist dem Zuger Stadtrat so viel Wert, dass er am Dienstag vollzählig zu seiner Präsentation im Theater Casino antrat. Schliesslich hat der neue Auftritt viel Mühe und Geld gekostet.

«Das neue Logo entspricht den Anforderungen der digitalen Zukunft.»

Karl Kobelt (FDP), Zuger Stadtpräsident

Bereits in der letzten Legislatur wurden 50’000 Franken dafür ausgegeben. Weil aber die sechs Vorschläge der eingeladenen Grafiker die Stadtregierung nicht zu überzeugen vermochten, unternahm man 2019 und 2020 einen erneuten Anlauf, beriet sich in der Verwaltung und erkor schliesslich zwei Vorschläge, von denen jener von Christof Hofstetter mit seiner Firma CI Programm den Magistraten zu gefallen vermochte.

Was online am Besten geht

Dies kostete bislang 43’000 Franken, sagte Stadtpräsident Karl Kobelt (FDP). Weil das das neuen Erscheinungsbild laufend weiter entwickelt werde – sowohl in Zusammenarbeit mit lokalen Agenturen wie auch durch Eigenleistungen der Verwaltung – könne man den Aufwand noch nicht abschliessend beziffern.

Der zukünftige Auftritt mit neuem Logo, Bildwelten, Farbprogramm und vereinfachter Gestaltungssystematik entspreche den Anforderungen der digitalen Zukunft und dem immer wichtig werdenden elektronischen Datenaustausch, so Kobelt. «Mit diesem Schritt positioniert sich Zug als innovative, konsequent dienstleistungsorientierte Stadt.» Er nimmt Bezug auf das frisch und kunstvoll ausgestaltete neue Stadthaus auf dem Landis-und-Gyr-Areal, welches ebenso für die Wahrnehmung der Stadt Zug massgeblich ist.

Keine Vordrucke nötig

Nun, in das neue Logo mit dem Z-Winkel lässt sich wohl einiges hinein interpretieren – jedoch ist es im Vergleich zum «Trauerbalken» und den früheren Wappenlösungen neutral gehalten. Durchaus gewollt. Man habe «bewusst» auf die Frutiger-Schrift verzichtet und stattdessen die Allerwelttypografie mit Arial übernommen, sagte sinngemäss Dieter Müller, Leiter Kommunikation der Stadt Zug. In der Vergangenheit sei die elektronische Post der Stadt Zug mitunter verzerrt dargestellt worden – dann nämlich, wenn die Empfänger die Frutiger-Schrift nicht auf dem Rechner installiert hatten. «Aber Arial gibt es auf allen Computern der Welt», meint er.

Ideen für mögliche Merchandising-Artikel. (Bild mam)

Ein wesentlicher Vorteil des neuen Auftritts sei, dass man nicht mehr vorgedrucktes Papier verwenden müsse, sagte Stadtschreiber Martin Würmli. Das neue Logo lasse sich jederzeit mit den Schreiben ausdrucken, dies spare Kosten.

Schirme mit Zug-Logo

Das neue Erscheinungsbild wird wie gesagt schrittweise ab 1. März eingeführt. Die Verantwortlichen spielen mit dem Gedanken nicht nur Give-aways, sondern auch Merchandising-Artikel fürs breite Publikum mit dem neuen Stadt-Zug-Logo herzustellen.

Auf die Frage, ob er nicht wieder einen Aufschrei fürchte wie 2001, meinte Karl Kobelt: «Über Geschmack lässt sich schlecht streiten». Er gehe aber nicht davon aus.

Aufbereitete Identität

In der Tat drängt sich in diesem Zusammenhang ein Rückblick auf. 2001 habe die Stadt Zug mit ihrem Corporate Design ein «radikales Brandzeichen» gesetzt, meinte Dieter Müller. Modernität ersetzte Identität in Form des Zuger Wappens.

So präsentierte sich die Stadt Zug bis etwa 1960. (Bild Stadtarchiv Zug)

Doch ein näheres Hinblicken entlarvt diese eigene Identität als modern aufbereitet und ursprünglich fremdstämmig. Denn das Zuger Stadtwappen basiert auf dem Bild eines Habsburger Amtssiegels, dem Wappen der Herzöge von Österreich, jedoch in den Farben der alten Aargaugrafen, der Lenzburger. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wird es mit einer Mauerkrone abgebildet, um es von jenem des Kantons zu unterscheiden, der ausserdem einen dunkleren Blauton verwendet.

Sieht ein bisschen aus wie ein Maiskolben. Von 1961 bis 2001 bisweilen verwendetes Logo. (Bild Stadtarchiv Zug)

Der Kanton wie auch die Stadt Zug verwendeten es kombiniert mit einer jeweils gängigen Schrift in ihren Briefschaften. Der Kanton unterlegte es ab und zu mit einem Lorbeerkranz.

Die neuen Löwen

Ab 1961 gebrauchte die Stadt Zug einen Entwurf des Baarer Grafikers Eugen Hotz (1917 -2000). Der Erfinder der Baarer Fasnacht hat auch seiner Heimatgemeinde überhaupt erst ein eigenständiges Wappen verpasst – zuvor gebrauchte Baar einfach ein Zuger Wappen mit dem Buchstaben «B».

Eugen Hotz führte die Löwen als städtische Schildhalter ein. (Bild Stadtarchiv Zug)

Hotz orientierte sich an einem Kantonswappen aus den 1950er Jahren und übernahm daraus zwei Löwen als Schildträger. Diese sollen freie Bürger darstellen, sie tun es aber erst seit kurzem.

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2 Kommentare
  1. Peter Grünig, 24.02.2021, 11:50 Uhr

    Schön dass die Stadt Zug auch während des Coronaweltuntergangs noch Zeit und natürlich Geld findet die wirklich wichtigen Dinge des Lebens anzugehen und das Kunststück schafft ein hässliches Logo durch ein noch hässlicheres zu ersetzen.

  2. Philip C. Brunner, 24.02.2021, 11:38 Uhr

    Vorab Danke zentralplus+ und Marco Mathis für den Nachvollzug (mit Abbildungen) der diversen Auftritte der Stadtverwaltung. Erfolgreiche Weltmarken wie Nestlé, Coca-Cola, Microsoft, Apple, aber auch eine Stadt Zürich (Tram/Bus) ändern ihre Logos nie und wenn, dann so, dass es der Betrachter fast nicht merkt. Im Jahre 2002 stimmte die Stadt Zug über die SVP Volksinitiative „Logo-Stopp“ ab. 44% der Stimmbürger waren mit der Einführung des neuen Vorschlages (Balken) nicht einverstanden. 56% waren mit dem Vorschlag des Stadtrates einverstanden. (Stimmbeteiligung 56%) 10 Jahre nach der Gründung der SVP Stadt Zug für eine so kleine Partei mit einem Wähleranteil von etwa 15% (gegen alle Parteien) damals sicher kein schlechtes Resultat. Der Stadtrat schrieb damals an die Bevölkerung folgendes: Zitat „Seit gut einem Jahr arbeitet die Stadtverwaltung mit dem neuen Erscheinungsbild. Es zeichnet sich durch schlichte Eleganz und kühle Sachlichkeit aus. Es ist funktional und ein Erscheinungsbild, welches der heutigen Zeit gerecht werden will. Mit dem neuen Stadtauftritt hat der Stadtrat auch die angestrebte Vereinheitlichung der verschiedenen Erscheinungsbilder der Departemente erreicht. Gegen das neue Logo im aktuellen Stadtauftritt ist die Initiative «Logo-Stopp» lanciert worden, über welche Sie am 2. Juni 2002 abstimmen. Kritisiert wird ein Teil des neuen Erscheinungsbildes: das Logo mit weisser Schrift auf dunklem Hintergrund. Die Volksinitiative verlangt die Rückkehr eines Logos mit Löwen und Mauerkronen. Werden mit dem modernen Erscheinungsbild die «Gefühle und der Stolz der Bevölkerung verletzt», wie dies die Initianten schreiben? Betrachten wir den symbolträchtigen Zuger Bannerträger auf dem Kolinbrunnen: Er trägt in der einen Hand den Schild und hält in der anderen die Zuger Fahne. Er kommt ohne Löwen aus und vertraut auf das schlichte und kraftvolle Zuger Wappen. Dieses ist fester Bestandteil des neuen Erscheinungsbildes, wie Sie sich anhand der nachfolgenden Beispiele überzeugen können. Das Zuger Wappen bleibt also unangetastet. Der Stadtrat und der Grosse Gemeinderat sind von der Qualität des neuen Erscheinungsbildes mit dem heute verwendeten Logo überzeugt. Es hat sich in der Praxis bewährt. Eine Änderung der Gemeindeordnung zum Zweck der Rückkehr zum bisherigen Logo mit den Löwen betrachtet der Stadtrat als unverhältnismässig. Zudem würden damit grosse Kosten ausgelöst. Wir empfehlen Ihnen, die Initiative «Logo-Stopp» abzulehnen. gez. Der Stadtrat von Zug“
    Ende Zitat. Die schönen Worte von damals in Ehren, heute tönt es wieder ähnlich; innovativ und zukunftsgerichtet, aber das Wappen um das es damals ging ist nun endgültig weg. Die Argumentation von damals tönt genau so hohl und abgehoben wie heute, vielleicht wären Begriffe wie Tradition, Heimat, Bescheidenheit, Verlässlichkeit, Interessant, dass heute eine Mehrheit (momentan 34%) der ZP-Leser wenig begeistert sind und mit 34% meinen, so ein „Arial-Logo“ könnten sie auch produzieren. Weitere 15% wünschen ein Logo mit einem höheren graphischen Ansprüche. Mir hat das alte Design zu Beginn auch gar nicht gefallen, mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt und habe die Vorteile gesehen. Ich bedauere sehr, dass der Stadtrat selbstherrlich sich für die Lösung entschieden hat, es gäbe in dieser Stadt einige Themen die wichtiger wären in der heutigen Zeit als für viel Geld jede Drucksache, jedes Fahrzeug, jede Tafel im öffentlichen Raum usw. neu zu beschriften. Das einzig Positive sehe ich darin, dass es unsere Verwaltung nicht ganz alles selber machen kann und dazu diverse Firmen in elenden Coronazeiten beauftragen muss diese Beschriftungen zu ändern. So wird das Steuergeld wenigstens in die hoffentlich lokalen Betriebe ausgegeben, heute sehr wichtig, vielleicht überlebenswichtig.
    Philip C. Brunner, Gemeinderat, Stadt Zug

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