Wünschen sich eine «enkelgerechte Zukunft»: Sonja Forster mit Sohn Linus (links) und Elisabeth Jacob mit Tochter Paula. (Bild: zVg)
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Wünschen sich eine «enkelgerechte Zukunft»: Sonja Forster mit Sohn Linus (links) und Elisabeth Jacob mit Tochter Paula. (Bild: zVg)

Babykleider: Kaufst du noch oder mietest du schon?

7min Lesezeit

Zwei Luzerner Jungunternehmerinnen bieten im Internet Babykleider zur Vermietung an. Das Konzept setzt auf nachhaltige und faire Produktion und basiert auf dem Prinzip der «shared economy». Privat gehen die beiden Frauen noch viel weiter.

Kleider mieten statt kaufen? Etwas tragen, das von mehreren anderen Leuten schon mal getragen wurde? Diese Vorstellung scheint etwas gewöhnungsbedürftig. Doch davon lassen sich zwei junge Mütter aus Luzern nicht beirren und gehen mit ihrem neuen Unternehmen neue Wege in der Textilbranche. Kinderkleider vermieten statt verkaufen, lautet die Geschäftsidee.

Die beiden jungen Unternehmerinnen Sonja Forster und Elisabeth Jacob sind Jugendfreundinnen und haben zusammen während Jahren die Schulbank gedrückt. Sie stammen beide aus München und wohnen seit neun beziehungsweise zehn Jahren in Luzern. «Als ich einmal bei Elisabeth in Luzern zu Besuch war, habe ich meinen Partner kennen gelernt. Deshalb bin ich gleich hier geblieben», sagt Sonja Forster lachend.

Die beiden 35-jährigen Frauen arbeiten hauptberuflich im Gesundheitswesen. Die «Babybox» betreiben sie in ihrer Freizeit. Forster ist Pflegedirektorin in der Frauenpsychiatrie Meissenberg in Zug und Jacob arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Paraplegikerzentrum Nottwil.

«Klasse statt Masse»

Die Idee für die «Babybox» kam den beiden 2016, als sie fast zeitgleich Mutter wurden. Sie wollten ihren Kindern keine Kleider aus dem normalen Grosshandel anziehen. Viele der Textilien würden giftige Stoffe enthalten und seien meist nicht sehr nachhaltig produziert, erklärt Forster die Beweggründe für die Gründung der «Babybox».

Zudem hätten sie rasch gemerkt, dass auch der Aufwand, die Babies entsprechend einzukleiden sehr gross ist. «Als Mamis wissen wir nur zu gut, wie aufwendig die Kleiderschranklogistik mit einem strengen Wertekatalog sein kann», so Forster.

«Es ist uns ein Anliegen, unsere Kinder hübsch und dennoch fair zu kleiden. Als Befürworterinnen der ‹shared economy› begrüssen wir es, uns nur mit Dingen zu umgeben, die wir gerade brauchen», so die beiden Unternehmerinnen. «Klasse statt Masse», lautet das Motto.

Nur zertifizierte Ware

Das Angebot soll zudem Platz in der Familienwohnung schaffen, da die Kleider nicht gelagert werden müssen, so die Idee dahinter. «Statt alle paar Wochen einen komplett neuen Kleidersatz zu kaufen, den es dann wieder auszusoriteren gilt, kann die Babykleidung bei uns ganz einfach gemietet werden» so Forster und Jacob.

«Viele Leute könnten sich diese Kleider im normalen Handel gar nicht leisten.»

Sonja Forster, Mitinhaberin «Babybox»

«Wir vertreiben ausschliesslich zertifizierte Ware», sagt Forster. Fair und ökologisch produziert muss sie sein. Die vermietete Babykleidung ist neuwertig und, falls bereits getragen, in sehr gutem Zustand. Neben den Kleidern bietet die «Babybox» noch weitere Produkte wie Baby-Tragtaschen oder Spielzeug an. Ebenfalls zur Vermietung.

Damit das Konzept aufgeht, müssten die Kleider viermal vermietet werden, rechnet Forster vor. «Hier sind wir an betriebswirtschaftliche Kalkulationen gebunden», sagt sie. Die Miete der Kleider sinkt, je öfter diese getragen werden. Wenn sie nicht mehr vermietet werden können, bieten Forster und Jacob die Kleider schlussendlich zu vergleichsweise günstigen Konditionen zum Verkauf an.

Hochwertige Kleider fürs kleine Portemonnaie

Doch wieso sollte man Babykleider mieten und nicht kaufen? Gibt es nicht auch hygienische Vorbehalte? «Unsere Ware ist im Verkauf ziemlich teuer. Viele Leute könnten sich diese Kleider für ihren Nachwuchs im normalen Handel gar nicht leisten», so Forster. Durch das Mieten werde sie jedoch für viele erschwinglich.

Die Kunden müssen die Ware gewaschen zurückschicken. Von der «Babybox» wird sie anschliessend nochmals gereinigt. Es sei klar, dass die Vorstellung, dass die Kleider schon getragen wurden allenfalls etwas komisch sei, sagt Forster. Die genannten Vorteile würden die Vorbehalte dann aber oft aufwiegen. 

Auch die Produzenten hätten grosses Interesse an ihrer Geschäftsidee. Denn dadurch könnten sie ihre Produkte auch unter Leute bringen, die sie aufgrund des Preises sonst nie erreichen würden. «Wir bieten nur Kleider für Kinder bis einem Jahr an», führt Forster aus. Werden die Kinder älter, müssen die Kleider gekauft werden.

«Die Lieferanten versprechen sich von unserer Zusammenarbeit, dass einige Eltern aufgrund ihrer Erfahrungen mit den Produkten ihre Kinder trotz des hohen Preises auch später damit einkleiden», erklärt Forster das Interesse der Hersteller.

Diese Babykleider können gemietet werden: Eine der angebotenen Babyboxen.
Diese Babykleider können gemietet werden: Eine der angebotenen Babyboxen. (Bild: zVg)

Der «shared economy» wollen sie auch privat nachleben. Die beiden wohnen mit ihren Familien im gleichen Haus in der Stadt Luzern. Hier teilen sie sich mit einer weiteren befreundeten Familie viele Alltagsgegenstände wie den Staubsauger oder das Auto. Und natürlich auch die Sachen für die Kinder und sogar deren Betreuung.

«Das mag für viele verständlicherweise etwas befremdlich wirken», sagt Forster. Diese Art des Zusammenlebens sei wohl nicht jedermanns Sache. Entsprechend passe auch ihr Angebot nicht zu allen Leuten, räumt sie ein.

Auch sei der Koordinationsaufwand, vor allem zu Beginn, ziemlich hoch gewesen. Langfristig würde es sich für sie aber mehr als rechnen. «Man braucht viel gegenseitiges Verständnis und Kooperationsfähigkeit, um so zu leben», sagt Forster.

In der Schweiz einmalig

Mit dem bisherigen Geschäftsverlauf zeigen sich die beiden zufrieden. «Wir müssen unsere Idee natürlich zuerst verbreiten» sagt Sonja Forster. Das Interesse sei aber grundsätzlich vorhanden. «Die Nachfrage nimmt langsam zu.» Das nächste Ziel ist, dass sich zumindest eine der beiden Jungunternehmerinnen hauptberuflich der Babybox widmen kann.

«Momentan können wir die Babykleider noch bei uns zuhause lagern», sagt sie lachend. Sollte die Nachfrage indes weiter zunehmen, müssten die beiden aber wohl über einen Lagerraum nachdenken.

Die Kundschaft stammt aus der ganzen Schweiz. Das Angebot der Babybox sei hierzulande einmalig, so Forster. Haben die beiden das Konzept also aus München importiert? Forster verneint: «Meines Wissens gibt es so etwas auch in Deutschland bisher nicht.» Die Idee mit der Vermietung von Babykleidern stamme aus Skandinavien, wo sie mittlerweile relativ bekannt sei.

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