Wegweiser zum Zuger Hertizentrum bei der Einfahrt von der Allmendstrasse. (Bild: mam)
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Wegweiser zum Zuger Hertizentrum bei der Einfahrt von der Allmendstrasse. (Bild: mam)

Stadt Zug: «Der Verkehr ist unser allergrösstes Problem»

8min Lesezeit

Friede, Freude, Eierkuchen: Alle Zuger Stadtpolitiker sind für den Ausbau des Hertizentrums auf doppelte Grösse. Beim Thema Verkehr scheiden sich die Geister allerdings, denn auf den Strassen um das Center entstehen neue Probleme.

Markus Mathis

«Es handelt sich um ein vernünftiges innerstädtisches Verdichtungsprojekt», sagt der Zuger Gemeinderat Urs Bertschi (SP). Der Präsident der städtischen Bau- und Planungskommission (BPK) steht dem Bebauungsplan fürs Hertizentrum wohlwollend gegenüber. Dieser sieht eine Verdoppelung der Nutzfläche im Zentrum in Zugs Westen vor (zentralplus berichtete).

Die vorgesehene Verdichtung des Herti-Quartiers. (zvg. Tanja Rösner-Meisser)
Die vorgesehene Verdichtung des Herti-Quartiers. (zvg. Tanja Rösner-Meisser)

So wie Bertschi denken alle Zuger Stadtpolitiker, wie die Recherchen von zentralplus ergaben. Deswegen könnten die Gemeinderäte am 12. Dezember die Vorlage auch stillschweigend durchwinken und stattdessen ein gemeinsames Weihnachtsessen veranstalten.

Doppelt so grosses Shoppingcenter zieht Verkehr an

Gäbe es nicht das Thema Verkehr. Denn die Verdoppelung der Nutzfläche auf 41’500 Quadratmeter und die Vergrösserung des Shoppingcenters ums Zweifache bringt auch die Notwendigkeit von mehr Parkplätzen sowie mehr Zubringerfahrten mit sich.

Deshalb wird die Zahl der Veloabstellplätze verdreifacht und auf 1’700 aufgestockt. Dies obwohl dereinst weniger als 1’000 Menschen in der Überbauung wohnen werden – viele davon hochbetagt oder noch lange auf Kindesbeinen unterwegs.

«Dreinmal so viele Veloabstellplätze sind masslos übertrieben.»

Jürg Messmer, Gemeinderat SVP, Zug

«Masslos übertrieben», findet SVP-Gemeinderat Jürg Messmer diese Zahl, die ein «Ausdruck eines ökologischen Zeitgefühls» sei. Dennoch will seine Partei gegen die Veloabstellplätze nicht angehen – ebensowenig wie alle anderen im Gemeinderat vertretenen Gruppierungen.

CVP unglücklich mit den wenigen Parkplätzen

Zu reden geben werden die Anzahl Parkplätze für Töffs und Auto. Deren Zahl soll von 468 auf 850 erhöht und somit keineswegs verdoppelt werden. Auch diese geringe Aufstockung scheint mehrheitsfähig zu sein. Einzig Benny Elsener, Fraktionschef der CVP, behält sich grundsätzlichen Widerstand dagegen vor. Er hätte eigentlich gern mehr Parkplätze – vor allem wegen des grösseren Shopping-Centers.

Und Jürg Messmer von der SVP hat keine Freude an einer Planänderung, welche die BPK ins Projekt geschmuggelt hat. Dabei geht’s um Töffs: Für Motorräder soll in den beiden neuen Tiefgaragen zusätzlich Platz geschaffen werden – und zwar auf Kosten der Autos.

Töfffahrer wollen schnell sein

Das geht für Messmer gar nicht: «Es ist wirklichkeitsfremd», findet er. Ein Töfffahrer könne sich mühelos an einer Parkhausschranke vorbeischlängeln, werde deswegen wohl oft auch keine Parkgebühr bezahlen.

Weiter würden Motorradfahrer wenn immer möglich ihr Vehikel beim Eingang abstellen wollen, um nach einem kurzen Einkauf schnell wieder aufsteigen zu können. «Ich weiss das, denn ich war selbst lange Töfffahrer», sagt Messmer. Deswegen sollten Töffabstellplätze oberirdisch und in der Nähe des Zugangs zum Hertizentrum entstehen. Für Velos sind nämlich 460 Abstellplätze oberirdisch vorgesehen. «Am Bahnhof funktionierte das mit den Töffabstellplätzen neben den Velos. Warum sollte es also in der Herti nicht gehen?», fragt Messmer.

Drei Kreisel auf kürzester Strecke

Das eigentliche Streitthema beim Ausbau des Hertizentrums ist indes die Frage, von wo aus der Verkehr dereinst anrollen soll. Die Planer hatten eine Zufahrt zu den neuen Parkhäusern von der Sankt-Johannes-Strasse her vorgesehen. Doch das ist eine ruhige Quartierstrasse, welche die BPK möglichst verkehrsarm halten will.

Blick in die Sankt-Johannesstrasse von der Allmendstrasse aus. Hier soll ein Kreisel entstehen.
Blick in die Sankt-Johannes-Strasse von der Allmendstrasse aus. Hier soll ein Kreisel entstehen. (Bild: mam)

Deshalb ist man übereingekommen, die Ein- und Ausfahrt für die Parkhäuser – eins gibt’s für die Anwohner, ein zweites für die Besucher des Shopping-Centers – auf die Allmendstrasse zu legen. Die Strasse trennt das Herti-Quartier von den Zuger Sportstätten. Also vom Leichtathletikplatz, vom Fussballstadion und von der Bossardarena des EV Zug.

Damit die geplante Verkehrsführung klappt, ist vorgesehen, einen zusätzlichen Kreisel auf der Kreuzung Allmendstrasse/Sankt-Johannes-Strasse einzurichten. Dies aber ruft die Alternativen auf den Plan.

Hindernislauf auf zwei Rädern

Die Allmendstrasse ist nämlich auch eine städtische Veloroute und deswegen mit Velostreifen ausgestattet. «Auf einer kurzen Strecke von rund 200 Metern gäbe es dann drei Kreisel und zwei Parkhaus-Einfahrten», sagt die alternativ-grüne Gemeinderätin Astrid Estermann. «Die Allmendstrasse würde gefährlich für Velofahrer.» Deswegen wird ihre Fraktion beantragen, dass ein Parkhaus von der Sankt-Johannes-Strasse her erschlossen wird und man auf den dritten Kreisel verzichtet. So wie es die Verkehrsplaner der Bauherren einst vorgesehen hatten.

«Die Allmendstrasse würde gefährlich für Velofahrer.»

Astrid Estermann, Gemeinderätin ALG, Zug

Mit diesem Wunsch stehen die Alternativen erst mal allein da. Denn auch die FDP wird für eine Erschliessung via Allmendstrasse stimmen, wie Fraktionschef Stefan Moos sagt. Und sogar die Sozialdemokraten werden dies möglicherweise tun, auch wenn’s bei der SP verschiedene Meinungen gibt.

Verkehrsplanung: Hellgrün die städtischen Velowege, rot der Bereich, wo im Herti eine neue Gebäudezeile zur Erweiterung des Zentrums geplant ist.
Verkehrsplanung: Hellgrün die städtischen Velowege, rot der Bereich, wo im Herti eine neue Gebäudezeile zur Erweiterung des Zentrums geplant ist. (Bild: Zug)

«Wir sind allgemein von der Verkehrssituation wenig begeistert», sagt Urs Bertschi. Der Anwalt steht nicht nur der BPK vor, sondern führt auch die SP-Fraktion im Grossen Gemeinderat. Zwar wolle man von der SP aus eine Verkehrsberuhigung im Wohnquartier um die Sankt-Johannes-Strasse, wo auch eine Tempo-30-Zone geplant sei. Andererseits sei der zusätzliche Kreisel an der Allmendstrasse «ein Unding» und eine Parkhauseinfahrt anfangs der Sankt-Johannes-Strasse für die Quartierbewohner «eigentlich schon zumutbar».  

Ideen müssen andere überzeugen

«Der Verkehr ist unser allergrösstes Problem», sagt Bertschi zu den Plänen für die Erweiterung des Hertizentrums. Das lasse sich aber auch für die ganze Umgebung sagen – ja für die gesamte Stadt. Bertschi verweist auf die Oesch-Wiese südlich des Hertizentrums, die ebenfalls in den nächsten Jahren überbaut wird. Insgesamt plane man für ein grosses Areal, das ein derartiges Wachstumspotenzial habe, «dass die Verkehrssituation fragil zu werden droht», meint Bertschi.

Abschliessend kann man sagen: Weder die Alternativen noch die CVP oder die SVP haben genügend Sitze im Stadtparlament, um ihren Ideen allein zum Durchbruch zu verhelfen. Aber alle drei haben nachvollziehbare Argumente für ihre Änderungswünsche. Für eine spannende Debatte ist also gesorgt.

Vor dem Eingang zum Hertizentrum stehen zum Zeitpunkts unseres Besuchs 12 Velos und vier Töffs.
Vor dem Eingang zum Hertizentrum stehen zum Zeitpunkt unseres Besuchs zwölf Velos und vier Töffs. (Bild: mam)

 

 

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