The Eels mit Sänger E (Mark Oliver Everett). (Bild: jwy)
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The Eels mit Sänger E (Mark Oliver Everett). (Bild: jwy)

Die grosse Rockshow des Mr. E

7min Lesezeit

Zwei Bands, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten, eröffneten das Blue Balls im Luzerner Saal: der Newcomer Keir und die gestandenen Rocker Eels. Letztere wollten die Bühne nicht mehr hergeben und spielten sich in die Herzen der Zuschauer.

Der eine trat das erste Mal in der Schweiz auf – der andere beendete in Luzern seine aktuelle Welttournee. Der eine ist 23 Jahre jung und hat noch nicht mal sein Debüt veröffentlicht, der andere zählt 55 Jahre und ganze zwölf Studioalben. Die Rede ist vom Engländer Keir und vom US-Amerikaner Mark Oliver Everett und seiner Band Eels.

Unterschiedlicher könnten die beiden Acts also kaum sein, die am Freitag im Luzerner Saal des KKL das Blue Balls eröffneten. Hut ab vor dem Mut, solche Kombinationen zu veranstalten. Und es passte dann eben doch ganz gut – doch der Reihe nach.

Der Londoner Newcomer

Keir ist das diesjährige Blue-Balls-Face und schaut seit Wochen von den Schweizer Plakatwänden (zentralplus berichtete). Und zu seiner Verblüffung auch in Übergrösse von der KKL-Fassade.

Dieser Keir agierte zwischen seinen souligen Pop-Songs wie ein scheues Reh, man verstand seine Ansagen kaum, so leise sprach er. Aber wenn die Musik loslegte, gab's für ihn kein Halten mehr. Er zappelte, wirbelte seine Arme durch die Luft und presste seine Stimme in höchste Tonlagen.

«That's mental»: Keir ist in Luzern angekommen – und freut sich über sein Gesicht am KKL:

 

Der Mut für die grossen Gesten und die ambitionierte Songs, die er ohne Rücksicht auf Genregrenzen performte, waren beeindruckend. Das Konzert begann verhalten, aber seine junge Band drückte zunehmend auf die Tube. Es war durchaus erfrischend, wie Keir über die Bühne wirbelte und vor lauter Freude stets ein Lachen auf den Stockzähnen hatte.

Keir erinnerte optisch an Prince und war modisch eigenwillig in einen Overall gewandet. Und man sollte ihn auf dem Radar behalten, auch wenn seine Stimme in den hohen Lagen nicht immer überzeugte und er seinen Sound noch finden muss. Aber mit seinem Talent und dieser starken Band im Rücken wird man sicherlich noch von ihm hören.

Keir mit Band hat das Blue Balls im Luzerner Saal eröffnet.
Keir mit Band hat das Blue Balls im Luzerner Saal eröffnet. (Bild: jwy)

Tourschluss in Luzern

Dann war die Bühne frei für Eels. Die 2018er-Ausgabe dieser stets wandelbaren Band hat sich ganz dem Rock verschrieben. Vier ältere Herren mit Sonnenbrille standen dicht beeinander und legten mit einer Spielfreude los, die sich hinter dem Jungspund zuvor nicht verstecken musste.

Mark Oliver Everett alias E und seine Band sind eines der Highlights dieses Festivals. Er war mit seinem neusten Werk «The Deconstruction» auf einer monatelangen Welttournee, die er nun in Luzern beendete. Und E sagte irgendwann, dass die Tour die beste in 25 Jahren Bandgeschichte war.

So frei wie Eels sind, legten sie mit zwei Coversongs von The Who und Prince los – sie können schliesslich tun, worauf sie gerade Lust haben, bewiesen haben sie sich längst. Anschliessend rumpelten sie sich durch ihr aktuelles Werk und die Klassiker aus verganenen Zeiten – hach, und was haben die nur für Songs auf Lager.

Der Tour-Tross von Eels – mit den Namen hat es der Sänger nicht so:

 

Wie wunderbar aus der Zeit gefallen erschienen diese vier Herren und sie dürften mit ihrem gradlinigen Sound ein gutes Omen für das weitere Festival sein, das dieses Jahr viel Rock im Programm hat. Sänger E war bestens aufgelegt, er tänzelte, er schäkerte und bediente sich abwechselnd beim Schellenring, den Rasseln und sogar Kastagnetten.

«Tonight, we ejaculate»

«My Balls are extremly blue tonight», sagte der Sänger. «But tonight we ejaculate.» Und als er die ersten kratzbürstigen Balladen anstimmte, für die Eels alle lieben, ging eine kollektive Hühnerhaut durch den Luzerner Saal (und man vergass für den Moment, dass dieser Konzertsaal leider noch immer nicht sehr stimmungsvoll ist). «Are you ready to softrock?», schickte er in den Saal.

Eels brachten die Klassiker wie «Novocaine for the Soul» oder «Birds», interpretierte sie jedoch frei und rockiger als auf den Alben. Und am Schluss, wer kann es ihm verübeln, wollte er einfach nicht mehr aufhören und brachte einen allerletzten Song nach dem anderen auf die Bühne. «Fresh Blood» war eine der letzten Nummern. Und ja, es muss im Blut sein, was diese vier Herren antreibt.

Mr. E, jederzeit gerne wieder!

Das Blue Balls dauert bis 28. Juli.

War das schon das Highlight des Festivals? Eels auf der Bühne des KKL.
War das schon das Highlight des Festivals? Eels auf der Bühne des KKL. (Bild: jwy)

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