Stadträtin Eliane Birchmeier (FDP) und Stadtarchitekt Christian Schnieper vor der illustrierten Stadt Zug. (Bild: zvg/Montage)
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Stadträtin Eliane Birchmeier (FDP) und Stadtarchitekt Christian Schnieper vor der illustrierten Stadt Zug. (Bild: zvg/Montage)

Wie die Stadt Zug 2050 aussehen soll

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Das Baudepartement beschäftigte sich damit, in welche Richtung sich Zug entwickeln soll. Am Mittwoch wurde das Stadtraumkonzept Zug 2050 präsentiert. Neben «urbanen Grünoasen» und der Erhaltung des Quartiercharakters wird der Fokus auf die Seepromenade gelegt.

Elias Wyrsch

Die Stadt Zug präsentierte am Mittwoch das «Stadtraumkonzept 2050». Ein fast 100-seitiges Buch, oder «Werkzeugkasten», wie es die Stadträtin Eliane Birchmeier (FDP) nennt, soll als Richtlinie für die räumliche und bauliche Gestaltung der Stadt dienen.

Bis 2040 wird mit rund 40'000 Einwohnern in der Stadt gerechnet. Das Potenzial liegt laut Stadtarchitekt Christian Schnieper bei bis zu 42'000. Wie viele es tatsächlich sein werden, sei sehr schwierig abzuschätzen und hänge auch mit der globalen Wirtschaft zusammen.

Zug soll Zug bleiben

Entsprechend der steigenden Einwohnerzahl und des begrenzten Raumes soll die Stadt weiter nach innen verdichtet werden. Die Vorteile einer Kleinstadt wie kurze Wege und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu erhalten, ist im Konzept prominent festgehalten.

«Die Stadt Zug soll Stadt Zug bleiben», so Schnieper. Das Heimatgefühl und die Verbundenheit der Bevölkerung zur Stadt sollen trotz der Verdichtung erhalten bleiben. Dafür soll auch die Bevölkerung viel stärker miteinbezogen werden.

Dazu soll eine neue Website her, auf der es Onlinebefragungen geben soll, bei denen die Bürger ihre Inputs geben können. Zudem wolle man mit Telekomunikationsunternehmen zusammenarbeiten, um anhand der Handys herauszufinden, auf welche Weise und von wo nach wo sich Personen in der Stadt bewegen. Dies soll ergänzend zu den klassischen Mitteln wie Infoveranstaltungen geschehen, erklärt Birchmeier.

Rückeroberung des Seeufers

Das Zuger Stadtzentrum soll auch in Zukunft aus der Alt- und Neustadt sowie Teilen der Nordstadt bestehen. Nach der Vorstadt-Katastrophe 1887, bei der 26 Gebäude im See versanken, traute man sich lange nicht mehr recht ans Seeufer heran. Nun soll der Zentrumsfokus wieder mehr Richtung See ausgerichtet werden.

«Das Seeufer ist von  grosser identitätsstärkender Bedeutung für die Stadt Zug. In der Innenstadt ist davon aber noch nichts erlebbar», meinte Schnieper. Die Seepromenade soll insbesondere vom Bahnhof her attraktiver gestaltet werden.

Das zukünftige Stadtzentrum soll Alt-, Neustadt und Teile der modernen Nordstadt verbinden.
Das zukünftige Stadtzentrum soll Alt-, Neustadt und Teile der modernen Nordstadt verbinden. (Bild: zvg)

Zug soll ein lebendiges Stadtzentrum mit Seeuferpromenade erhalten. Die Strassenräume und öffentlichen Plätze sollen die unterschiedlichen Teile der Innenstadt miteinander verbinden und ein vielfältiges Angebot an Aufenthaltsmöglichkeiten bieten.

Baarerstrasse als Rückgrat der Stadt

Strassenräume sollen wieder zu vollwertigen Stadträumen werden. So soll beispielsweise die Baarerstrasse zum «Rückgrat und zur Lebensader der Stadt» werden. Das könne unter anderem dadurch erreicht werden, dass Kreuzungen nicht nur dem Verkehr dienen, sondern auch kleinere Plätze und Treffpunkte darstellen.

Plätze in der Stadt sollen so gestaltet werden, dass sie zum «Wohnzimmer der Bevölkerung» werden, erklärt Stadtarchitekt Schnieper. Es wird vermehrt auf eine Vielzahl kleiner öffentlicher Plätze statt auf grosse repräsentative Plätze gesetzt.

Stadt der Quartiere

«Zug ist – obwohl es eine Kleinstadt ist – eine Stadt der Quartiere», so der Stadtarchitekt. Dies hätten insbesondere auch längere Gespräche mit Bewohnern gezeigt. Der Zuger identifiziere sich nicht nur mit seiner Stadt, sondern auch mit seinem Quartier.

Darstellung von Zug als «Quartierstadt».
Darstellung von Zug als «Quartierstadt». (Bild: zvg)

Deshalb soll die Stadt in ihrer Verdichtung quartierspezifisch entwickelt werden. «So kann den Eigenheiten der einzelnen Quartiere Rechnung getragen werden», sagt Schnieper.

«Die Dächer der Zuger Gebäude sind die fünfte Fassade.»

Christian Schnieper, Stadtarchitekt

Das Bild der Stadt Zug soll weiterhin durch das Zusammenspiel mit der umliegenden Landschaft geprägt sein. Um weiterhin Berge, See, aber auch die Stadt selbst im Landschaftsbild wahrnehmen zu können, sei bei baulichen Massnahmen zu prüfen, dass der Blick darauf nicht versperrt wird.

Die Stadt Zug besteht zu einem grossen Teil auch aus Hanglage, von der aus man auf die tieferliegenden Gebäude hinabblickt. «Dadurch werden die Dächer der Zuger Gebäude zur fünften Fassade», so Schnieper. Auch die Dächer müssten deshalb bewusst mitgestaltet werden.

Grüne Innenstadt

Drei attraktive Naturräume (Seeufer, Lorzenebene und Zugerberg) kennzeichnen die Stadt Zug. Sie bilden Ausläufer in den Stadtkörper, über die die einzelnen Stadtteile direkt an die Landschaft angebunden sind, heisst es im Konzept. Eine Besonderheit der zukünftigen Stadt sollen allerdings die inneren «urbanen Grünoasen» bilden.

Wichtig sei dabei, dass diese «urbanen Grünoasen» nicht als Naturräume verstanden würden, sondern multifunktional seien und ganze eigene Qualitäten zu bieten haben, so der Stadtarchitekt.

Eine qualitative Verdichtung soll her, dazu hatte Birchmeier noch einen Gedankenanstoss: Das höchst verdichtete Gebiet der Stadt Zug sei die Altstadt. Diese Dichte sei selbst mit Hochhäusern nicht zu erreichen. «In der Altstadt fühlt sich aber jeder wohl. Das zeigt, dass Verdichtung nicht immer in der Höhe stattfinden muss», so die Stadträtin.

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