«Fussball Uni-Cup – Kämpf für deine Fakultät um die Vorherrschaft an der Uni.» (Bild: lob)
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«Fussball Uni-Cup – Kämpf für deine Fakultät um die Vorherrschaft an der Uni.» (Bild: lob)

Wer an der Uni den Ton angibt

6min Lesezeit

An Vorurteilen und Stereotypen gegenüber Fachrichtungen und Fakultäten mangelt es wohl an keiner Uni – auch nicht in Luzern. Nun sollte auf dem Fussballplatz Bramberg zumindest sportlich geklärt werden, wer an der Uni den Ton angibt. Zwei Studentinnen über die erwarteten und die tatsächlich angetroffenen Klischees.

Nadia Zwahlen
Loredana Bevilacqua

Wenn die Vorstellungskraft das Feld stürmt          

Die Universität Luzern hat bereits viele denkwürdige Unterhaltungsangebote vorzuweisen. Spektakulär werben sie mit Namen wie «Pub-Quiz», «Partyboot» und «Mafia-Party», bei denen meine Vorstellungskraft immer gleich davongaloppiert und sagenumwobene Abenteuer zusammendichtet. Da werden einem auf der Party Angebote gemacht, die niemand ausschlagen kann, und irgendjemand wacht mit einem abgetrennten Pferdekopf im Bett auf. Zugegeben: Diese Ideen entspringen einem phantasieliebenden Geist mit leichtem Hang zur Übertreibung. Generell lässt sich aber trotzdem sagen, dass manche Vorstellungen vor Ort dann leider doch nicht ganz der Realität entsprechen.    

Und dann kam dieses Plakat: «Fussball Uni-Cup – Kämpf für deine Fakultät um die Vorherrschaft an der Uni.» Als sportlich gänzlich unbegabte Person, hegte ich keinerlei Interesse an einer Teilnahme und wehrte die nicht ganz ernst gemeinte Frage meiner Kommilitonin prompt ab. Aber ich kam nicht umhin, mir das Ereignis auszumalen. Und so begann das Kopfkino.

Feld der Träume

Düster die Arena, nur erhellt vom Schein der Fackeln. Spannung liegt in der Luft, das Publikum bereit zum Sprung, bewaffnet bis an die Zähne, mit Plakaten zur Unterstützung der eigenen Mannschaft. Dann endlich der lang ersehnte Einmarsch der Teilnehmer. Alle Teams, auf einen Blick nach Fakultätszugehörigkeit erkennbar, schreiten erhobenen Hauptes vor den Rektor und heben die Hand zum Gruss. Morituri te salutant!

Die Menge tobt, der Anpfiff geht im allgemeinen Geschrei unter; der Kampf der Fakultäten hat begonnen. Die Spiele sind hart, Regeln werden gerne ignoriert, Blut fliesst in Strömen.       
Die Historiker kämpfen mit Streitaxt und Morgenstern, die Wirtschaftler wedeln mit Aktentaschen, die Jus-Damen steigen aus den Highheels und benutzen sie als Dolche.
Das Publikum tobt. Die PH-Fans werfen Konfetti (natürlich alle selbst ausgeschnitten) und schwenken Banner mit Gefühlsmandalas. Die Ethnologen lassen sich die Zeit auf der Tribüne als «Feld»-Forschung gutschreiben.

Die Historiker kämpfen mit Streitaxt und Morgenstern, die Wirtschaftler wedeln mit Aktentaschen, die Jus-Damen steigen aus den Highheels und benutzen sie als Dolche.

Nach einiger Zeit zeignen sich bereits erste Verschleissspuren: Die Wirtschaftler werden beim Versuch, den Schiedsrichter zu bestechen, vom Platz verwiesen. Die Rechtsfakultät verliert bei jedem Foul einen Spieler, weil das Opfer schliesslich einen Rechtsbeistand braucht. Die KSF bricht aufgrund interner Uneinigkeit komplett auseinander. Während die Philosophen über ihren Platz auf dem Feld sinnieren und die Soziologen per Statistik die ultimative Taktik heraustüfteln, nageln die Religionswissenschaftler in der Pause plötzlich neue Regeln ans Tor. Und die erst müde belächelte PH entpuppt sich plötzlich als Geheimfavorit aufgrund der vereinten Kräfte angehender Sportlehrer.

So sehen Sieger aus?

Schlussendlich stemmt die Siegesmannschaft die wohlverdiente Trophäe in die Höhe, die Fans jubeln, die Verlierer lecken ihre Wunden. So langsam leert sich die Arena. Zurück bleiben Blutspritzer, Getränkeflaschen, Konfetti und zerstörte Hoffnungen.     

In den darauffolgenden Tagen schwelgen die Sieger noch in Erinnerungen an den grossen Triumph, während die Verlierer allerlei Verdrängungstaktiken anwenden müssen. Doch mit der Zeit verschwinden alle wieder in einem Meer aus wandelnden Alltagsklischees …

Unsanft werde ich von der Kommilitonin  aus dem Tagtraum gerissen. Ob ich denn wenigstens beim Turnier zuschauen möchte, fragt sie. Ich bejahe – trotz Ballphobie und in der festen Überzeugung, dass sich meine semirealistische Vorstellung wenigstens einmal bewahrheiten muss.  

Oder etwa doch nicht?

Wie es tatsächlich war

Tatsächlich haben wir erstmals Schwierigkeiten beim Aufstieg zum Sportplatz  – durch das ganze Treppensteigen war auch unser Bewegungs-Soll an diesem Tag gedeckt. Beim Sportplatz Bramberg angekommen, bot sich vor der historischen Kulisse der Museggmauer ein relativ überschaubares Bild. Zuschauer und Mannschaften waren eher spärlich verteilt; langsam wagten wir uns an den Spielfeldrand. Ein Spiel war im Gange, bei beiden Mannschaften für uns Master-Studenten gänzlich unbekannte Gesichter. Waren wir wirklich am richtigen Ort? Die Zweifel hielten sich eine Weile, bis der bekannte Begriff «social credits» fiel – wir waren offenbar am richtigen Ort. Wir wandten uns wieder dem Spiel zu und versuchten, die ausgedachten Klischees auf die Teams anzuwenden.

Gesucht: Klischee-Bilder

Gar nicht so einfach: Es gab weder einheitliche Mannschaftsbekleidungen, noch war es ein wilder Kampf, nein – geradezu fair ging es zu und her. Ein Glück für die Organisatoren, die sich gegen eine Trillerpfeife für die Schiedsrichterinnen entschieden hatten. Eine ganz andere Art von Kopfkino hatte da offenbar vorgeherrscht, nur so ist eine derart mutige Entscheidung zu verstehen. Damen waren vertreten; allerdings ohne Highheels, dafür quotenmässig auf eine pro Team beschränkt. Ansonsten: Keine Taschen, keine Klagen, kein Konfetti.

Die Hälfte hat vor dem Kampf gekniffen

Zurück zu den Spielen: Wir errieten bei der dritten Begegnung zwar ein Jus-Team, die anderen gaben sich aber grösste Mühe, sich nicht durch Stereotypen entlarven zu lassen. Nach einer Weile gaben wir auf und wollten das Rätsel auflösen lassen. Eine Kommilitonin der Wilu klärte uns schliesslich auf: Es haben sich nur Teams der Wirtschafts- und der Rechtsfakultät – dafür je zwei – angemeldet, alle anderen Fakultäten haben kein Team gestellt oder keines zusammenbekommen. Wir waren ziemlich enttäuscht. Woran es wohl gelegen hat?

Man könnte an dieser Stelle sagen, Sozial- und Geisteswissenschaftler seien Fussball-Phobiker, dass die PH-Leute mit dem Färben des Dress’ nicht pünktlich fertiggeworden sind. Und die Theologen gar nicht im Fakultäten-Aufgebot für das Turnier standen. Vielleicht war die Vorstellung vor dem geistigen Auge meiner Kollegen ein kleines bisschen zu farbig. Fest steht: Wir wollen einen Rückkampf! Mit allen Beteiligten. Damit die Wirtschaftsfakultät (wir glauben zumindest, dass sie am Ende die Sieger waren), ihren Titel auch richtig behaupten kann.

Aus dem zentralplus Blog Campus-Blog

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