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Warum denn nicht ein Pub auf dem Uni-Campus

4min Lesezeit

Nach einem Austauschsemester in Oslo eröffnet sich ein neuer Blickwinkel auf die Uni Luzern. Vieles ist wie früher, nicht aber die eigene Wahrnehmung. Ein Vergleich.

Linus Pfrunder

Es gibt sicherlich noch grössere Universitäten als jene der norwegischen Hauptstadt, und es gibt wahrscheinlich auch viele noch kleinere Universitäten als jene in Luzern. Das Studieren an den beiden genannten Unis unterscheidet sich aber stark. An der Uni Oslo, der grössten Universität Norwegens, studieren über 30’000 Studenten, an der Uni Luzern sind gerade einmal etwa 2’800 Studenten eingeschrieben. Vor einigen Wochen sind in Luzern die neuen Austauschstudenten eingetroffen, zwischen 20 und 30 junge Menschen aus verschiedenen Ländern. An der Uni Oslo sind es in jedem Semester einige Hundert internationale Studenten.

Und während in Luzern alles in einem Gebäude untergebracht ist, besuchte ich als Student in Oslo verschiedene Uni-Gebäude, Mensen, Bibliotheken und sogar Pubs im Uni-Gelände. Im P.A. Munchs Haus besuchte ich meine Seminare, meine Lieblingsmensa war die Frederikke und meine Pubs hiessen Uglebo und Amatøren – zwei der wenigen Orte in Oslo, wo man sich das Bier als Student überhaupt leisten konnte. Von Studenten für Studenten war das Motto, mit einem Minimum an Profit. Vielleicht auch eine Idee für die Studenten in Luzern?

Fehlt in Luzern das Studentendorf?

Auch das Campus-Leben ist anders. In meinem Student Village gab es über 1’600 Wohnungseinheiten. Nur für Studenten und inklusive Supermarkt und Bar! Und das ist nur das zweitgrösste Studentendorf in Oslo. Meine Mitbewohnerinnen kamen aus Südkorea, Italien, England, Deutschland, Japan und den Niederlanden. Eine bunte Mischung an Menschen aus verschiedensten Ländern – aber niemand aus Norwegen.

Das alles kam mir als Student der Uni Luzern doch sehr gross und gleichzeitig erfrischend neu vor. Es zeigte mir aber auch, dass Austauschstudenten oft in einer eigenen Welt und umgeben von anderen Studenten aus dem Ausland leben.

Die moderne, persönliche Uni

Was für einen Eindruck hinterlässt wohl Luzern und die hier beheimatete Uni bei ihren Austauschstudenten? Klar, es ist die kleine und persönliche Uni, und es ist bekannt, dass dies verschiedene Vorteile mit sich bringt. Es ist das sehr moderne, beinahe futuristische Gebäude, das das Bild der Uni prägt. Und vielleicht auch die Art, wie in Luzern gelehrt und studiert wird.

Was aber den Austauschstudenten am meisten bleiben wird, sind die vielen neuen Freundschaften und Begegnungen. Allerdings nicht mit Schweizern, sondern mit anderen Austauschstudenten. Vielleicht gehört das einfach zu einem Austauschsemester dazu, dass man jene Menschen am besten kennenlernt, die im gleichen Boot sitzen und mit denen man zunächst mal am meisten gemeinsam hat.

Kein Austausch mit Austauschstudenten

Es fällt mir auch erst jetzt – nach meinem eigenen Austauschsemester – auf, wie wenig sichtbar die Austauschstudenten in Luzern sind. In meinen drei Jahren an der Uni bin ich erst ein einziges Mal mit einer Austauschstudentin in Kontakt gekommen. Sicher, man kann sich mehr oder weniger bemühen, Studenten aus anderen Ländern kennenzulernen. Und sicher, es sind nicht so viele, die nach Luzern kommen. Die meisten meiner Kommilitonen haben meiner Einschätzung nach aber nie oder höchstens selten Austauschstudenten an der Uni kennengelernt. Da aber viele Studenten aus dem Ausland ihre Kurse in englischer Sprache besuchen, bleiben die Begegnungen in den Seminaren und Vorlesungen meist international.

Erst durch eigenes Bemühen lernt man auch die eine oder andere einheimische Person besser kennen und mit etwas Glück und Wille entwickeln sich dann sogar längerfristige Freundschaften.

Aus dem zentralplus Blog Campus-Blog

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