Burgbach-Leiterin: «Es hilft, dass wir sehr viel Galgenhumor besitzen»
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Giannina Masüger (l.) und Madeleine Flury leiten seit einem Jahr den Burgbachkeller. Es war kein leichtes. (Bild: zvg)

Ungewöhnliche Saison steht bevor Burgbach-Leiterin: «Es hilft, dass wir sehr viel Galgenhumor besitzen»

6 min Lesezeit 03.09.2020, 20:00 Uhr

Kaum angefangen, schon ausgebremst. Die neuen Leiterinnen des Zuger Theaters Burgbachkeller stehen vor einer Saison, die einige Unsicherheiten mit sich bringt. Statt zu verzagen, finden Madeleine Flury und Giannina Masüger jedoch: «All in!» Dass endlich wieder Leben in die Bude kommt, können die beiden kaum erwarten.

Bloss eine halbe Saison haben die neuen Co-Leiterinnen im Burgbachkeller hinter sich. Die Euphorie, mit der sich Giannina Masüger und Madeleine Flury in ihre neuen Jobs gestürzt haben, wurde jäh abgebremst. Seit März, seit Corona, sind die Läden des Zuger Kellertheaters dicht. Dabei gäbe es doch so vieles, was die beiden Betreiberinnen auf ihre Bühne bringen möchten. Nun wird der Burgbachsaal wieder eröffnet. Zum ersten Mal mit dem Programm, das die beiden Zugerinnen selber auf die Beine gestellt haben. Wir trafen die zwei Kulturschaffenden vor einer Saison, die seltsam werden dürfte, im noch brachliegenden Theater.

zentralplus: 2019/2020 hätte ihre erste Saison im Burgbachkeller werden sollen. Wegen Corona mussten Sie die Spielzeit in der Hälfte abbrechen. So hatten Sie sich das wohl nicht vorgestellt. Wie sind Sie mit dieser unverhofften Wendung umgegangen?

Madeleine Flury: Uns hat es natürlich das ganze Programm durcheinandergewirbelt. Vieles, was wir absagen mussten, haben wir versucht, im kommenden Programm unterzubringen, das im März eigentlich schon stand. Entsprechend wird die kommende Saison ziemlich dicht.

«Natürlich war die Situation im März blöd, doch war es handkehrum gut, dass es einen so klaren Schlussstrich gab.»

Madeleine Flury, Co-Leiterin Burgbachkeller

Masüger: Trotzdem kann man sagen, dass wir von Anfang an recht pragmatisch mit der Lage umgegangen sind.

Flury: Natürlich war die Situation im März blöd, doch war es handkehrum gut, dass es einen so klaren Schlussstrich gab. Jetzt hingegen ist alles unklar. Wie erfüllen wir die Schutzmassnahmen, die teilweise sehr widersprüchlich formuliert sind? Wie werden sich diese verändern? Kommen die Leute überhaupt? Vieles wird sich erst noch herausstellen.

zentralplus: Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Lässt sich daran schon erkennen, ob die Leute überhaupt Lust auf Veranstaltungen in relativ engen Räumen haben?

Flury: Es läuft erst zögerlich. Doch haben wir während der letzten Saison gemerkt, dass das Publikum im Burgbachkeller eher spontan ist. Auch wenn wir in der jetzigen Situation eigentlich froh wären, die Abendkasse zu vermeiden.

zentralplus: Ihr Theater ist gut abgesichert, wird von Kanton und Stadt subventioniert. Das dürfte die Sache leichter machen.

Masüger: Das stimmt. Die Existenz des Theaters ist nicht gefährdet. Das trägt wohl dazu bei, dass wir es ruhig angehen können und nicht jedes einzelne Zeitfenster mit Programm füllen müssen. Dieser privilegierten Lage sind wir uns immer wieder aufs Neue bewusst.

zentralplus: Sie teilen sich als Co-Leiterinnen des Theaters eine 80-Prozent-Stelle. Funktioniert das gut?

Die beiden Frauen schauen sich an und lachen. Flury: Es ist im Moment wohl eher eine 160-Prozent-Stelle, die wir uns teilen. Corona half dabei nicht gerade. Wir hatten ziemlich viel damit zu tun, das Programm neu zu organisieren, Rückerstattungen zu tätigen und ein Schutzkonzept zu erarbeiten. Für die Putzfrau ist das wenigstens lässig. Sie hat wegen des neuen Schutzkonzeptes mehr Arbeit.

zentralplus: Bevor Sie mit der Co-Leitung begonnen haben, hatten Sie in einem Interview erklärt, dass es zwischen Ihnen wohl nicht nur reibungslos laufen werde und wohl auch mal knallen dürfte (zentralplus berichtete). Und? Hat’s schon geknallt?

Sie lachen wieder. Masüger: Nein. Überhaupt nicht. Im Gegenteil, es funktioniert bisher sehr gut. So gut, dass wir auch privat noch gemeinsam Dinge unternehmen. Vielleicht hilft es, dass wir beide sehr viel Galgenhumor besitzen.

Flury: Kommt dazu, dass viele der Aufgaben mittlerweile geklärt sind. Vor uns hatte Roland Schlumpf die Leitung allein inne. Jetzt mussten wir unsere Tätigkeiten im gemeinsamen Austausch erarbeiten. Langsam sind jedoch die Kriterien und Grundpfeiler gesetzt, jede von uns hat ihre Bereiche, in denen sie selbst entscheiden kann.

zentralplus: Das Programm der letzten Saison stammt noch von Ihrem Vorgänger. Gibt es Punkte, welche Sie bewusst ändern wollen?

Masüger: Das Einzige, was wir ändern wollen, sind die eingemieteten Veranstaltungen, die öffentlich sind und bei denen nicht ersichtlich ist, dass sie nicht von uns stammen. Es ist schwierig, dem Theater mit solchen Anlässen ein Profil zu geben. Ausserdem war das jeweils mühsam, da sich die Leute bei uns über besagte Anlässe informieren wollten, wir jedoch nicht wussten, worum es überhaupt geht.

«Ehrlich gesagt nützen wir diese spezielle Situation gleich aus. Ganz nach dem Motto ‹All in!›»

Giannina Masüger, Co-Leiterin Burgbachkeller

Flury: Ansonsten fahren wir von der Spartenvielfalt her einen ähnlichen Kurs wie unser Vorgänger, suchen die Balance zwischen Bekanntem und Nischenprodukten. Doch orientieren wir uns eigentlich nicht daran, was in der Vergangenheit war, sondern suchen unseren eigenen Weg.

Masüger: Ehrlich gesagt nützen wir diese spezielle Situation gleich aus. Ganz nach dem Motto «All in!», probieren wir einige neue Formate, um frisches Publikum anzulocken.

zentralplus: Beispielsweise?

Masüger: Wir haben verschiedene Sparten geschaffen. So steht neu eine Reihe für Familien auf dem Programm. Auch starten wir eine Reihe von Feierabendkonzerten, welche eher für jüngere Erwachsene konzipiert ist und bei der es eine Kollekte gibt statt eines fixen Eintrittspreises.

Flury: Auch findet die Improgruppe «Ab und zufällig» bei uns eine neue Plattform. Vielleicht kommen die Jungen, die sich für Improvisationstheater interessieren, gleich auf die Idee, dass es für sie auch andere spannende Veranstaltungen bei uns zu sehen gibt.

zentralplus: Gibt es Programmpunkte, die beim Burgbachkeller-Publikum nicht funktionieren?

Flury: Viel eher sind wir positiv überrascht, wie offen das Publikum gegenüber Neuem ist. Klar gibt es auch die, die uns direkt sagen, wenn ihnen etwas nicht gefallen hat. Aber das ist nicht abwertend gemeint. Dass nicht allen dasselbe gefällt, gehört zum Theatergenuss. Für uns ist jedoch klar, dass wir neues Publikum brauchen. Das braucht Zeit und Geduld.

Masüger: Noch immer gibt es viele junge Zuger, die den Burgbachkeller gar nicht kennen oder zumindest nicht wissen, dass wir ein so grosses Programm haben.

«Nach einem halben Jahr, in dem wir alleine hier drinsassen, freue ich mich ausserdem enorm aufs Publikum.»

Madeleine Flury

zentralplus: Am 11. September wird der Burgbachkeller nach halbjähriger Zwangspause wiedereröffnet. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Flury: Auf die Programmreihen, die wir selber konzipiert haben. Nach einem halben Jahr, in dem wir alleine hier drinsassen, freue ich mich ausserdem enorm aufs Publikum.

Masüger: Und wie! Es ist so schade, wenn ein so toller Raum nicht genutzt wird. Vor kurzem hatte ein Theaterverein gefragt, ob er hier proben dürfe. Nur schon darüber, dass endlich wieder Leben hier einkehrt, habe ich mich sehr gefreut. Wir machen diesen Job ja nicht, weil wir besonders gerne tagelang vor unseren Laptops sitzen.

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