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Bloss ein Betriebsunfall – oder steckt doch mehr dahinter?
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Die Zuger um Dario Simion (links) haben gegen Servette und Eric Fehr erstmals in dieser Saison den Kürzeren gezogen. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Zuger Siegesserie nach fünf Spielen gerissen Bloss ein Betriebsunfall – oder steckt doch mehr dahinter?

3 min Lesezeit 2 Kommentare 04.01.2020, 05:07 Uhr

Kann ein Trainer seiner Mannschaft nach der ersten Niederlage böse sein, nachdem sie zuvor in 12 Spielen in Serie gepunktet hat? In diesem Dilemma steckte Dan Tangnes nach dem 1:5 der Zuger gegen Genève-Servette. Letztlich ist es eine Frage des Anspruchs. Und dieser kann kaum höher sein als beim meistgenannten Titelanwärter.

Der EV Zug ist die beste Mannschaft der Liga im eben erst abgelaufenen 2019 (zentralplus berichtete). Aber der Cupsieger und Finalist hat sich mit den Königstransfers von Leonardo Genoni, Grégory Hofmann und Jan Kovar zum Ziel gesetzt, in diesem Jahr nicht nur das beste, sondern vor allem das erfolgreichste Team zu werden. Und das erfordert den Gewinn des Meistertitels. Ohne Wenn und Aber. Es wäre der erste nach 1998.

Zuletzt drückte der EV Zug mit fünf Siegen in Serie gehörig aufs Gaspedal und hievte sich nach einem harzig verlaufenen Saisonstart an die Tabellenspitze. Weil es in einer 50 Spiele dauernden Qualifikation schier unmöglich ist, auf konstant hohem Level zu performen, lässt sich die erste Niederlage der Zuger im neuen Jahrzehnt getrost unter Betriebsunfall einordnen.

Ein grosses Team hätte gewonnen

Aber wäre das auch richtig so vor dem Hintergrund des angestrebten Gipfelsturms? In den Minuten nach der ersten Pleite im dritten Saisonduell mit den Genfern schien sich Tangnes unschlüssig zu sein. Er sagte zwar, dass man aus diesem Spiel keine grosse Sache machen dürfe. «Wir müssen das Spiel so schnell wie möglich abhaken.»

«Wir waren gedanklich nicht schnell genug.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes

Doch sein Team hat kein grosses Spiel auf unglückliche Art und Weise verloren. Vielmehr hat es einen Match auf bescheidenem Niveau gegen einen soliden Gegner auf selbstverschuldete Art und Weise verloren. Eines, das eine grosse Mannschaft mit meisterlichem Selbstverständnis auf der Haben-Seite verbucht hätte.

Darum hielt Tangnes eben auch fest: «Wir sind dem Level, das wir benötigen, um uns selber eine Siegchance zu geben, nicht nahe gekommen. Wir waren gedanklich nicht schnell genug.»

Dem EVZ fehlte es überall «es bitzeli»

Im Vergleich zum Vorabend in Fribourg (3:2), als «wir mit einem Sieg davonkamen», wie sich Tangnes ausdrückte, fehlte es beim EVZ überall «es bitzeli»: Mit einer Abwehrquote von 85,71 Prozent konnte Goalie Leonardo Genoni nicht an seine starken Leistungen der letzten Spiele anknüpfen. Von den Verteidigern erreichte nur Captain und Torschütze Raphael Diaz sein Leistungsniveau gegen Servette.

Dazu kam eine viel zu geringe Effizienz im Abschluss, und die mangelnde Disziplin in Form einer Zwei-plus-zwei-Minuten-Strafe gegen Johann Morant war der entscheidende Genickschlag. Mit zwei Toren während dieses Überzahlspiels zum 4:1 zog Servette dem EVZ den Stecker.

Holt sich der EVZ das Sieger-Gen?

Um einem möglichen Missverständnis vorzubeugen: Der EV Zug braucht nicht immer Champagner-Hockey abzuliefern. Gewiss nicht. Aber er muss nicht zuletzt auf mentaler Ebene die Fähigkeit erlangen, Spiele für sich zu entscheiden an Abenden, an denen es nicht rundläuft. Nur gross aufspielende Gegner dürfen siegen. Servette war weit davon entfernt.

Es ist dieses Sieger-Gen, das grosse Mannschaften von guten unterscheidet. Der EVZ befindet sich irgendwo dazwischen, aber der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Die Playoffs beginnen erst in zwei Monaten, am 7. März. Dann muss definitiv Zeugnis abgelegt werden.

Zweifelsfrei haben die Zuger alle individuellen, spielerischen und taktischen Qualitäten, um den Titelgewinn realisieren zu können.

Die entscheidende Frage ist: Werden sie in der entscheidenden Phase der laufenden Saison auch mental reif genug sein, um triumphieren zu können?

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2 Kommentare
  1. Ryter Ole, 04.01.2020, 09:21 Uhr

    Geschätzte Damen und Herren
    Ich finde es langsam aber sicher eine Frechheit wenn hauptsächlich nur noch über den EVZ berichtet wird!!Da gehen Millionen über den Tisch,werden Spieler abgeworben mit hochdotierten Verträgen usw.
    Aber ein kleines Ambri mit viel Herz und Leidenschaft wird nie beachtet!!Sie kennen den Mythos nicht und sie haben Ambri vergessen!Bin sehr entäuscht von Ihren einseitigen Berichterstattungen!
    Gesunden Menschenverstand bitte einschalten und neutral und in alle Richtungen analysieren und berichten.Herzlichen Dank

    1. Markus Köchli, 05.01.2020, 12:21 Uhr

      Hallo Herr Ryter, Kompetenz beweisen Sie durch ungerechtfertigte Angriffe auf “Zentralplus” nicht. Wenn Sie auch nur über eine Spur Wissen über die Medienlandschaft Zentralschweiz verfügen würden, wüssten Sie, dass Zentralplus eine Internetpublikation für die Kantone Zug und Luzern ist – nicht aber den Kanton Tessin (und damit Ambri). Dass daher das Schwergewicht bei “Zentralplus” in der Eishockey-Berichterstattung beim EVZ und beim Fussball beim FCL liegt, ist daher medienpolitisch logisch. Ihr so locker hingeworfenes Wort “Frechheit” ist daher deplatziert und eigentlich einer Entschuldigung würdig. Übrigens: Mit meinem Wohnort Wolhusen läge mir geographisch der SC Langnau näher als der EVZ – dennoch verzichte ich auf die Forderung an “Zentralplus”, zusätzlich über den SCL zu berichten. Mir gefällt der analytische Stil der konzentrierten Berichterstattung über den EVZ. Wenn ich über Ambri-Piotta lesen will, stehen mir Tessiner Zeitungen zur Verfügung.