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An der ukrainischen Grenze ist Schluss
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(Bild: vic )

Luzerner Band Visions in Cloud auf Tour An der ukrainischen Grenze ist Schluss

4 min Lesezeit 14.11.2018, 18:15 Uhr

Auf ihrer Tour durch Osteuropa erlebt die Luzerner Band Visions in Clouds nebst viel Schönem auch weniger Erfreuliches. So endet ein Konzert im rumänischen Cluj mit viel Frust – die Einreise in die Ukraine scheitert ganz. Doch die Hoffnung auf bessere Konzerte gibt die Band selbstverständlich nicht auf. 

Seit nun fast zwei Wochen reisen wir durch den Balkan und Osteuropa. Die Tage in unserem Bandbus nagen langsam an den Reserven. Die Konzerte geben uns nach wie vor viel Energie, beispielsweise spielen wir in Novi Sad (Serbien) vor einem vollen Saal, sogar die Lokalpresse ist vor Ort.

Dennoch geht es ans Eingemachte: Unser Schlagzeuger hat sich eine Rippe gequetscht. Der anhaltende Husten, gepaart mit dem täglichen Spielen, führte  dazu, dass er nun kaum noch liegen kann, geschweige denn trommeln. Wie er die zweite Hälfte bestreiten soll, ist uns noch etwas schleierhaft.

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Auch meine Stimme hat unter der anhaltenden Erkältung arg gelitten. Das heisere Kratzen wird jeden Abend schlimmer, langsam mache ich mir ernsthaft Sorgen: Was, wenn die Stimme plötzlich ganz weg ist?

Allgemein haben unsere Körper während der ersten Woche gelitten. Die Augenringe nehmen zu, die Rücken schmerzen von den Sofas und dünnen Matratzen, auf denen wir gelegen haben. Noch einmal gleich lange? Phu.

Ein stressiger Abend

Ganz allgemein wendet sich unser Glück. Symbolisch dafür ist der tragische Fall unseres vermeintlichen Tour-Highlights: Das Konzert in Cluj, Rumänien.

Wir hatten im Vorfeld erfahren, dass wir mit einer Athener Band namens Vodka Juniors spielen. Der Pogo-Funpunk ist nicht wirklich unsere Musik, aber offenbar sollen über 200 Leute zum Konzert kommen. Der Freitag versprach viel – und hielt wenig.

Nachdem wir angekommen waren, mussten wir sofort den Van ausladen. Man müsse den Zeitplan einhalten. Danach dauerte es aber rund zwei Stunden, bis wir zum Soundcheck beordert wurden. Die Vodka Juniors hatten zu lange gebraucht.

Der PR-Typ der Venue gibt uns zehn Minuten, wir seien im Verzug. Normalerweise kriegen wir das in zehn Minuten hin. Dass der Soundcheck dann doch 45 Minuten dauerte, war darin begründet, dass der Tontechniker nicht so recht mit seiner Anlage zurechtkam. Alleine den Reverb für die Stimme suchte er während rund einer Viertelstunde. Er fand ihn nicht. Die Stimme klang wie die des Zahlenziehers beim Rotsee-Husaren-Lotto.

Bloss weg aus Cluj

Dann der Gig, wir starten zehn Minuten zu spät, hören zehn Minuten zu spät auf. Der PR-Typ stürmt mit hochrotem Kopf zur Bühne, wir hätten zu lange gespielt. Währenddessen fordert der Tontechniker eine Zugabe.

Wir laden alles in einen Nebenraum und werden praktisch mit unseren Instrumenten auf die Strasse gestellt. Es sei Party nachher, da muss das Equipment weg. Der Promoter, der uns die Gage hätte auszahlen müssen, befindet sich währenddessen pogend in einem Mosh-Pit der Vodka Juniors. Also warten wir, unseren Van auf dem Behindertenparkplatz abgestellt, auf unseren Lohn. Währenddessen kommt ein beruhigter PR-Typ zu uns und kauft uns unser (letztes!!) Vinyl ab. Wir fragen nicht nach.

Uns wird es zu bunt. Anstatt in einen 10er-Schlag mit den Vodka Juniors zu ziehen und (höchstwahrscheinlich) den Abend zu feiern, entscheiden wir uns, weiterzufahren. Richtung Ukraine und nächstes Konzert, hauptsache Cluj hinter sich lassen. Der Promoter, ausgepogt, zahlt uns aus und wir fahren in Richtung Norden. Da der dichte Nebel die riskanten rumänischen Überholmanöver nicht seltener, sondern nur gefährlicher macht, suchen wir uns ein Hotel.

Die harte ukrainische Grenze

Nach einem Trip durch die malerischen Karpaten stehen wir abends an der ukrainischen Grenze. Wie schon so oft werden Ausweise hervorgesucht, die Autopapiere bereitgelegt. Dann die Überraschung: Der Zöllner weist uns ab. Es brauche einen Pass, um ins Land zu kommen, jemand von uns verfügt nur über die ID. Versuchten wir es mit der Karte, könnten wir verhaftet werden. Nicht besonders rosige Aussichten.

Das hätten wir besser abklären sollen, geben wir kleinlaut zu. Und machen uns von dannen. Die zwei Konzerte in der Ukraine müssen wir sein lassen. Stattdessen machen wir uns daran, nach Polen zu kommen. Das Navi zeigt: 1’500 Kilometer nach Warschau. Stöhnend steigen wir in den Bus.

Also fahren wir. Durch Nordrumänien. Es ist Sonntag, also sind die Menschen auf der Strasse. Viele sitzen auf Bänken am Strassenrand und unterhalten sich – offline und altmodisch. Andere gehen zur Kirche, natürlich in voller Tracht. Derweil schleichen wir in unserem Bus mit 50 km/h gen Ungarn. Ein Zwei-Tage-Trip.

Die Stimmung im Bus ist mässig. Nachdem wir in der ersten Hälfte des Trips viel Glück hatten, holt uns nun das Pech ein. Hoffen wir, das Konzert in Warschau ist die Reise wert.

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