Luzerner Band Vision in Clouds auf Tour Der gebührende Abschluss der Tour in der Jazzkantine

17.11.2018, 16:53 Uhr 3 min Lesezeit
<p>Visions in Clouds live in Polen.</p>
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Visions in Clouds live in Polen. (Bild: vic)

Die Luzerner Band Visions in Clouds berichtet in regelmässigen Blog-Einträgen von ihren Erlebnissen während ihrer Tour durch Osteuropa. Nachdem die letzten Tage viele Rückschläge boten, zieht die Band dennoch ein positives Fazit – auch dank dem Abschluss vor heimischem Publikum.

Die letzten Tage waren schwierig. Wir kämpften mit einigen Rückschlägen (zentralplus berichtete). Nachdem wir nicht in die Ukraine gelassen wurden wegen ungenügender Ausweise, fahren wir jetzt um das Land herum bis nach Warschau – 25 Stunden Fahrt über Land.

Doch die Strapazen sind es wert. In Warschau treffen wir auf eine wunderbare Venue, vielleicht die schönste der ganzen Tour. Sowieso muss diese Stadt faszinierend sein. Leider fehlt uns die Zeit, sie zu besichtigen.

Die Farben des Herbstes in Bulgarien.

Die Farben des Herbstes in Bulgarien.

(Bild: vic)

Das Konzert spielen wir mit einer zweiten Band – Dehet Sinn heissen sie. Was uns besonders freut: Unser Label-Manager aus Paris hat seine polnischen Freunde dazu animiert, zum Konzert zu kommen. Die Zuschauerzahl ist ordentlich für einen Montag. Es ist schon speziell, wie vernetzt und klein die europäische Musikszene einem plötzlich vorkommt, wenn Leute aus Paris, aus Polen und der Schweiz sich auf einmal über den Gegenstand der geteilten Faszination der Musik kennenlernen.

Noch einmal durch die Nacht

Wir schlafen in der Wohnung der Veranstalterin. Sie mahnt uns im Voraus, unsere Handys auszuschalten – wegen der Katze. Sie heisst «Hexe» und reagiert allergisch auf elektronische Geräusche. «Ein Kindheitstrauma», sagt sie. Schlafen neben einer psychisch angeknacksten Katze – das kann ja was werden.

So sieht die Jazzkantine von innen aus.

Jazzkantine – gepielt wird im Untergeschoss.

Wir wollen aber eh nur ins Bett, Mieze hin oder her. Wir sind am Ende, körperlich, aber auch psychisch. Das Einzige, was uns wieder in diesen verdammten Van bringt, ist die Perspektive, nach Luzern fahren zu können. Die Aussicht auf ein bequemes Bett, einen ruhigen Abend und die Menschen, die wir jetzt zwei Wochen lang nicht gesehen haben, lassen uns erneut 20 Stunden durch die Nacht fahren.

Keine Entspannung in Sicht

Zurück in der Schweiz. Morgens um fünf steigen wir zum letzten Mal aus unserem mit Kleidern überfüllten, mit Snackkrümeln bestreuten Bus. Jetzt gilt es, uns zu erholen und vielleicht einen Tag lang nicht an Musik zu denken. Denn: Am Freitag steigt die grosse Release-Show in der Jazzkantine Luzern.

Es will noch einiges organisiert sein: eine Nebelmaschine für die Bühne kaufen, ausserdem brauchen wir noch jemanden, der unser Licht steuert. Gleichzeitig holt uns der Alltag brutal ein. Die Rechnungen, Briefe, Mails – alles hat sich gestapelt während der letzten zwei Wochen. Man kommt noch nicht richtig dazu, den Erinnerungen zu frönen.

Schockmoment: Synth-Spieler ist krank

Dann der Freitag, der Höhepunkt der letzten zwölf Monate. Wir haben seit Ende letzten Jahres und mit Beginn der Albumproduktion darauf hingearbeitet, hier in Luzern unser Werk vorzustellen. Wir erwarten über 100 Leute in der Jazzkantine, die Nervosität steigt.

Das Platten-Artworks hat Helen Kilchmann gestaltet, die Vorarbeiten sind in der Jazzkantine ausgestellt.

Das Platten-Artworks hat Helen Kilchmann gestaltet, die Vorarbeiten sind in der Jazzkantine ausgestellt.

(Bild: vic)

Doch es ist nicht nur die Vorfreude, die uns den Schweiss auf die Handflächen treibt. Unser Synthesizer-Spieler meldet sich: Er ist krank. Nun hat’s auch ihn erwischt und heftiger als uns zu Beginn der Tour. Sein Update am Morgen: «Momentan sieht’s nicht gut aus.»

Das ist hart. Doch seine Freundin päppelt ihn auf, mit Medikamenten und verordneter Bettruhe. Wir kümmern uns derweil um den Rest: Transport der Instrumente, Aufbau der Bühne und Soundcheck. Er komme später nach, sagt er und die Spannung löst sich ein wenig.

Ausverkauftes Haus entlöhnt für Strapazen

Um acht Uhr und direkt auf die Türöffnung steht unser Synth-Spieler da. Er hat zwar etwas kleine Augen, doch man sieht ihm die Vorfreude auf den Abend an. Dank ihm, der ausverkauften Jazzkantine, der wunderbaren Luzerner Vorband Hermann und vielleicht auch dank all den Strapazen wird es ein toller Abend. Wir sind wieder angekommen und die Erinnerungen wiegen die Beschwerlichkeiten locker auf.

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