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Plötzlich ein Star im japanischen TV!
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Mit meinem japanischen Freund hinter dem roten Banner. (Bild: Sabrina Amrein)

Ein ganz besonderes Nachwuchstraining für Sabrina Amrein Plötzlich ein Star im japanischen TV!

4 min Lesezeit 1 Kommentar 10.09.2019, 10:53 Uhr

Dass in den japanischen Abendnachrichten über sie berichtet werden würde, hätte sich Sportbloggerin Sabrina Amrein nie träumen lassen. Irgendwie ist die Handball-Nationalspielerin aus Nottwil da einfach so reingerutscht …

Als ein Freund mich anfragte, ob ich während meiner Japanreise im Sommer ein Training für den Nachwuchs seines Vereins leiten könnte, hätte ich mir niemals ausmalen können, was er da im Schilde führte. Ich sagte natürlich zu, vor allem aus Wohlwollen ihm gegenüber, da ich während meiner Reise einige Tage bei ihm übernachten dürfte. Sicher war ich auch gespannt darauf, die berüchtigte japanischen Trainingskultur, von der ich schon viel gehört hatte, live zu erleben. Aber alles der Reihe nach …

Wie alles begann

Meinen japanischen Freund lernte ich während meinem Zwischenjahr in Dänemark kennen. In Europa zu trainieren und von den Besten zu lernen, ist für viele japanische Mannschaftssportler bereits ein grosses Ziel. Wir lebten also für ein Jahr zusammen an der Handballakademie in Aarhus, schwitzten zweimal täglich gemeinsam in der Halle und verbrachten auch ausserhalb der Halle viel Zeit miteinander.

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Zwei Jahre später, im Sommer 2018, fand ich Zeit, um eine kleine Reise durch Japan zu unternehmen und meinen Freund zu besuchen.

Nicht «nur» ein Training

Dass ich ein Training führen würde, war für mich schon klar, bevor mein Freund mich direkt danach fragte. Ich sagte also schnell zu und machte mir keine weiteren Gedanken. Es mussten noch zahlreiche andere Dinge geklärt werden, bevor es losging und so ein Training für Juniorinnen zu planen, war keine grosse Sache. Bis ich einige Tage vor Abflug wieder von meinem Freund hörte.

Er schickte mir ein Foto. Darauf zu sehen war ein grosses rotes Banner mit einem Bild von mir und irgendwelchen japanischen Schriftzeichen, aufgehängt vor der Halle, wo unser «Trainingsseminar», wie er es mittlerweile liebevoll nannte, stattfinden sollte. Da überkam mich zum ersten Mal ein etwas komisches Gefühl. Vielleicht würde es doch nicht ganz so simpel werden, wie ich mir das vorstellte …

Als ich endlich ins Flugzeug stieg, hatte die Vorfreude längst wieder Überhand gewonnen und alle Gedanken zum Trainingsseminar wurden irgendwo ganz nach hinten verbannt. Schliesslich durfte ich zuerst für zwei Wochen unbeschwert durch ein mir unbekanntes Land reisen und in eine fremde Kultur eintauchen. Das tat ich dann auch zu Genüge. Ich besuchte Tempel und stopfte mich mit Sushi und anderen kulinarischen Spezialitäten voll.

Sabrina Amrein mit den Mädchen vom Seminar. (Bild: Sabrina Amrein)

Rummel kündigt sich an

Mein Freund holte mich schliesslich nach zwei Wochen, während denen ich zugegebenermassen herzlich wenig an meinen bevorstehenden Auftritt gedacht hatte, am Bahnhof ab und zeigte mir sogleich die Stadt, in der er aufgewachsen war, seine Schule und die Halle. Etwas bange hielt ich nach dem roten Banner Ausschau und atmete innerlich erleichtert auf, als ich es nirgends entdecken konnte. So ein grosses Ding konnte dieses Seminar also doch nicht werden, dachte ich erleichtert. Mein Freund war da etwas anderer Meinung …

Die Zeitung hätte sich angekündigt, würde gerne einen Bericht über das Seminar schreiben. Das Fernsehen wollte vorbeikommen. Viele Trainer seines Vereins würden zuschauen, zu Fortbildungszwecken sozusagen. Was ich denn für das Trainingsseminar in zwei Tagen geplant hätte, wollte er wissen. Ich konnte ihn nur mit grossen Augen anschauen.

Es gilt ernst

Da stand ich also, vor mir ein Haufen junger Mädchen, die sich brav verbeugten, wie sich das in Japan gehört. Es war ganz still in der Halle, trotz der vielen Eltern, Trainern und Vorstandsmitgliedern. Alle warteten erwartungsvoll, bis ich etwas sagte. Also begann ich. Ich gab meine Erklärungen jeweils in Englisch, mein Freund übersetzte auf Japanisch, die Mädchen verbeugten und bedankten sich nach jeder, wirklich jeder meiner Anweisungen und Korrekturen und setzten sich in Bewegung.

Wir spielten Fussball zum Aufwärmen, etwas, das die Mädels aus ihrem strikten Trainingsalltag überhaupt nicht kannten. Ein typisches Handballtraining in Japan kann locker mehr als drei Stunden dauern und ist geprägt von unendlichen Drillübungen. Ich wollte mit meinem Training vor allem zeigen, wie es anders auch geht.

Ein voller Erfolg

Die Mädels hatten sichtlich Spass und als wir uns nach dem Training zu einer Fragerunde zusammensetzten, stellten sie nach anfänglicher Schüchternheit viele Fragen. Ein ganz lustiges Thema habe ich heute noch im Kopf: «Was kann ich tun, damit ich auch so gross werde wie du?», wollte eine Spielerin wissen. Ich musste kurz schmunzeln, denn in der europäischen Handballwelt bin ich bestimmt nicht gross.

Vielleicht sollte ich meine Shooter-Karriere in Japan lancieren … Alle Fragen gestellt und beantwortet, durfte natürlich eine Autogrammstunde nicht fehlen. Seid also nicht überrascht, wenn ihr bei einer zukünftigen Japanreise eine Teekanne mit meiner Unterschrift findet.

Der Vorstand schien mit mir zufrieden, denn sie luden mich ein, den restlichen Tag mit ihnen zu verbringen. Stolz zeigten sie mir die schönsten Plätze ihrer Stadt. Ein bisschen stolz war auch ich einige Tage später, als ich mich in der japanischen Abendshow sah. Es war ein einzigartiger Tag. Eine einzigartige Geschichte, wie sie nur der Sport schreiben kann.

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1 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 10.09.2019, 14:04 Uhr

    Tolle Geschichte, tolles Abenteuer! Dies rund um eine absolut tolle Sportart: Handball.