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Der Traum der Olympia-Welle
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Die Luzerner Surferin in Aktion.   (Bild: Ben Reed)

Alena Ehrenbold über die Hoffnungen der Schweizer Surfer Der Traum der Olympia-Welle

3 min Lesezeit 18.03.2018, 09:54 Uhr

Am Bildschirm werden die 5 Ringe eingeblendet. Danach folgt eine strahlende Michelle Gisin. Im Fitnesscenter läuft eine Sendung über die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Ich trete noch ein wenig fester in die Pedale des Hometrainers. 2020 ist es so weit, Surfen wird in Tokyo das erste Mal als olympische Disziplin ausgetragen werden.

20 Surferinnen und 20 Surfer aus aller Welt dürfen insgesamt an den Spielen teilnehmen. Schon so nah und doch Lichtjahre entfernt vom Alltag von uns Schweizer Surfern. Man muss sich das so vorstellen: Es gibt zwar einen offiziellen Schweizer Surf-Verband: die Swiss Surfing Association (die hervorragende Arbeit leistet – alles ehrenamtlich), aber es gibt keine Trainer, keine Physiotherapeuten, die einen beim Training unterstützen, keine Team-Ärzte, keine Räumlichkeiten, praktisch kein Budget. Auch keine offiziellen Trainings. Alle Athleten trainieren alleine für sich irgendwo auf der Welt.

Im Ausland sieht es anders aus

Meine Muskeln werden langsam warm, ich habe meinen Rhythmus auf dem Hometrainer gefunden. Eine Schar Schweizer Biathletinnen flitzt über den Bildschirm. Was sie wohl tun würden, wenn sie ihre Sportart nicht im Heimatland ausüben könnten? Da die Schweiz ja bekanntlich ein Binnenland ist, überrascht es nicht, dass die meisten Surfer der Schweizer Nationalmannschaft auch Auslandschweizer sind, die in ihrer Jugend von bereits bestehenden Trainings-Strukturen im Ausland profitieren konnten.

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Ja, die Schweiz hat eine Surf-Nati: 4 Männer und 2 Frauen dürfen jeweils an die Weltmeisterschaften. Das Niveau der Mannschaft lässt sich durchaus sehen. Zugegeben, insbesondere dank den im Ausland aufgewachsenen Surfern.

Flusswellen als naturfreundliche Trainingsstädte

Ich fühle, wie sich auf meiner Stirne langsam kleine Schweissperlen bilden. Meine Oberschenkel beginnen ein wenig zu brennen. Vorläufig können wir in der Schweiz lebenden Surfer uns oft nur mit Alternativtraining wie Schwimmen, Joggen, Yoga, Snowboarden, Biken oder eben mit Training im Fitnesscenter fit halten. Das wäre nicht nötig, wenn es mehr Flusswellen wie z. B. die stehende Welle in Bremgarten gäbe.

«Wieso gibt es bei uns keine stehende Welle?»

München macht es vor, die Flusswelle im Eisbach ist eine DER Touristen-Attraktionen der Stadt. Bei so vielen sauberen Flüssen wie in der Schweiz kommt die Frage auf: Wieso gibt es bei uns keine stehende Welle in einer grösseren Stadt? Zahlreiche Gesuche für weitere Flusswellen und Wavepools liegen den Gemeinden vor. Oft liegen sie da leider schon viel zu lange.

Olympia, ein Thema?

Wieder jubelnde Gesichter auf dem Bildschirm. Ein Goldmedaillengewinner beisst etwas verlegen in das Edelmetall. Wir Schweizer Surfer werden nun oft gefragt: Und, sind die Olympischen Spiele ein Thema für euch? Ja klar, das wäre grossartig! Aber wer soll das finanzieren? Vom Surfen alleine leben kann in der Schweiz niemand, denn genügend Sponsoren zu finden ist keine leichte Aufgabe.

«Es ist nicht unrealistisch, dass Schweizer Surfer an den Olympischen Spielen teilnehmen können.»

Damit eine Qualifikation möglich wäre, müsste sie/er intensiv trainieren können. Wenn wir aber gleichzeitig unsere Brötli verdienen müssen, dann ist das gänzlich unmöglich. Ich denke, es ist nicht unrealistisch, dass – wenn die Anzahl der Teilnehmer auf ein normales Feld erhöht wird und sich die Strukturen in der Schweiz entwickeln – eine Schweizerin oder ein Schweizer an den Olympischen Spielen im Surfen teilnehmen kann. Und zwar ohne dass gleich der Vergleich zu «Cool Runnings» oder «Eddy The Eagle» kommen wird.

Ich höre auf zu strampeln. Ich bin froh, dass ich wieder vom Fitness-Drahtesel absteigen kann. Schon nicht ganz dasselbe Gefühl wie auf einer Welle zu reiten …

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