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Als Ersatz aufgeboten, als Stammspielerin gekämpft
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Volle Konzentration beim Abspielen eines Spielsteines.   (Bild: Peter Witschonke)

Im Einsatz an den Curling Junioren Weltmeisterschaften Als Ersatz aufgeboten, als Stammspielerin gekämpft

4 min Lesezeit 16.04.2019, 14:30 Uhr

Das Curling Juniorinnen-Nationalteam Flims-St.Gallen nahm unsere Sportbloggerin Selina Witschonke mit an die Junioren-Weltmeisterschaften in Kanada. Trotz grosser Freude war es für die Sempacherin nicht einfach, in einem völlig ungewohnten Team zu spielen. Als dann beschlossen wurde, dass die 20-Jährige fix die wichtige Spielerposition 4 übernehmen werde, wurde ihre Anspannung noch grösser.

Die erste grosse Frage war, ob ich überhaupt an die Curling Junioren Weltmeisterschaften mitgehen werde oder nicht. Eigentlich ein einfacher Entscheid, denn welcher Sportler will nicht an eine Weltmeisterschaft? Die Tatsache, dass gleichzeitig die Elite-Schweizermeisterschaften mit dem eigenen Luzerner Team stattfinden werden, hat mir den Entscheid jedoch sehr schwierig gemacht.

Viele Stunden lang wägte ich die Vor- und Nachteile der beiden Events ab und führte mehrere Gesprächen mit der Familie, dem Verband und natürlich auch mit dem eigenen Team. Daraufhin habe ich mich schliesslich, mit gemischten Gefühlen, für die Junioren Weltmeisterschaften in Kanada entschieden.

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Von Gegnerinnen zu Teamkolleginnen und Freundinnen

Ich kannte das WM-Team bereits gut. Seit vielen Jahren waren wir ewige Gegnerinnen und ich weiss gar nicht, wie viele Matches wir schon gegeneinander gespielt haben. Trotzdem hatte ich keine Mühe bei dem Gedanken, mit meinen langjährigen Gegnerinnen im gleichen Team zusammen zu spielen. Ich stellte mir eher Fragen wie: «Was wollen meine neuen Mitspielerinnen von mir hören, wenn es gut läuft, wenn es schlecht läuft?» oder «Welche Gewohnheiten darf ich beibehalten, wo sollte ich mich anpassen?»

Da Curling eine Sportart ist, bei der das Mentale eine grosse Rolle spielt, war es wichtig, bereits im Vorfeld über solche Fragen zu reden. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass das frühzeitige Besprechen allfälliger Probleme der beste Weg zu einer guten Teamdynamik ist.

In einem neuen, ungewohnten Team zu spielen, war sehr spannend für mich. Ich bekam einen Einblick, wie es in einem anderen Team abläuft und ich konnte vieles für meine Zukunft lernen und mitnehmen. Diese WM hat uns menschlich näher gebracht hat und wir sind von Gegnerinnen zu guten Freundinnen geworden.

Neue Spielerposition

Meine gewohnte Skip-Position aus dem Luzerner Team spielte ich nicht, was für mich aber eher eine Erleichterung war. Drei neuen Spielerinnen «das Eis zu geben» (taktisch die Richtung vorzugeben), ist nicht zu unterschätzen. Jede Spielerin hat bei der Steinabgabe ihre Eigenheiten und es ist ein grosser Vorteil, diese einzelnen Spielergewohnheiten im Team gut zu kennen.  

Ein weiteres Thema war die ungewohnte Position. Zwar spielte ich die Position 4 (die letzten beiden Steine 7 und 8), jedoch war ich neu auch Wischer. Es freute mich sehr, auch mal diese Aufgabe zu übernehmen. Die richtige Länge abzuschätzen, die Ausdauer und die eher ungewohnte Bewegung waren für mich eine Herausforderung. Folge davon war der Besuch bei einem Physiotherapeuten, um die Schmerzen in meiner Schulter besser ertragen zu können. Das Wischen im Curlingsport wird oft unterschätzt.

Da ich nun plötzlich auch Wischer war, hatte ich etwas weniger mit der Taktik zu tun als sonst in der Skip Position. Natürlich denken alle Spieler bei der Taktik mit, doch der Skip hat meistens den definitiven Entscheid zu fällen. Da ich diese Aufgabe eigentlich gewohnt war, musste ich stets abwägen und mich anpassen, wie viel Einfluss ich auf die Taktik nehmen soll und darf. Schliesslich spielt jedes Team eine eigene Taktik. Die einen defensiver, die anderen offensiver. In vielen Besprechungen mit meinem neuen Skip konnten wir eine gute Lösung finden, indem ich jederzeit meine Vorschläge einbringen durfte.  

War es der gleiche Ansporn wie im eigenen Luzerner Team?

In den beiden vergangenen Jahren durfte ich bereits mit dem eigenen Team aus Luzern an den Junioren-Weltmeisterschaften in Südkorea und Schottland teilnehmen. War es mir dieses Jahr weniger wichtig, einen guten Rang zu erzielen als es mit dem eigenen Team gewesen war? Die Antwort ist ein klares Nein!

Ich ging an jede Weltmeisterschaft als Team Schweiz. Egal, ob als Team Luzern oder als Team Flims-St.Gallen. Ich wollte jedes Mal für die Schweiz eine Medaille holen! Auf keinen Fall war in diesem Jahr meine Motivation oder mein Einsatz kleiner. Ich wollte diese Medaille unbedingt gewinnen, so wie ich es die Jahre zuvor auch wollte.

Mein eigenes Luzerner Team

Wie bereits erwähnt spielte mein eigenes Team gleichzeitig mit der Junioren-WM erstmals die Elite-Schweizermeisterschaften. Deshalb war ich mit meinen Gedanken immer wieder bei ihnen, obwohl ich die Konzentration bei mir und der WM immer hochhalten musste.

Ich freute mich sehr, als sie sehr überraschend als Juniorinnen bei der Elite die Bronzemedaille gewinnen konnten. Das motivierte mich sehr, auch eine Medaille zu gewinnen. Einige Tage später gelang es auch uns, die Bronzemedaille umgehängt zu bekommen. Ich konnte doppelt feiern, mit dem WM-Team und meinem eigenen Team aus Luzern. Zwei Bronzemedaillen innerhalb einer Woche – was für ein Saisonabschluss!

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