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Vollgeld – was wirklich dahinter steckt
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Eine Gefahr für Zentralschweizer KMUs? Vollgeld – was wirklich dahinter steckt

3 min Lesezeit 4 Kommentare 17.05.2018, 14:00 Uhr

Vergangene Woche habe ich in meinem Briefkasten das Informationsheft der Befürworter der Vollgeld-Initiative erhalten. Darin werben sie  prominent mit Papst Franziskus, nur weiss dieser nichts davon. Diverse Fakten werden verdreht und über viele Aussagen lässt sich nur die Stirn runzeln. Doch was hat es mit der Initiative wirklich auf sich und was würde eine Annahme der Vollgeld-Initiative für die Zentralschweiz bedeuten? Der Luzerner Jungfreisinnige Lucas Zurkirchen nimmt eine Analyse vor.

Sie verlangt nichts weniger als dass künftig keine Bank mehr Buchgeld schaffen darf, um Kredite zu vergeben. Sie greift somit direkt ins Herz der Banken, indem sie eine deren Hauptaufgaben – die Versorgung der Wirtschaft und Gesellschaft mit Krediten – verbieten will. Sie will also staatlich verbieten, was über Jahre doch ganz gut funktioniert hat. Sie plant gleichzeitig der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gegen deren ausdrücklichen Willen die volle Kontrolle über die Geldmenge aufzuzwingen. Alleine dieses Argument zeigt, dass mit der Initiative weit am Ziel vorbeigeschossen wurde.

Elektronisches Geld, also Buchgeld, soll in Zukunft genauso wie Münzen und Noten zu 100 Prozent durch die SNB abgesichert sein. Die Initiative will darum alle Banken verpflichten, Zahlungskonten ihrer Kunden ausserhalb der Bilanz zu führen und das darauf liegende Geld nicht zu investieren. Mit dieser Idee wollen die Initianten Finanzmarktkrisen verhindern und sicherstellen, dass bei einer Bankenpleite keine Guthaben verlorengehen.

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Schlecht passt aber in dieses Szenario, dass es in der Schweiz noch nie eine nennenswerte Bankenpleite gegeben hat. Für diesen Fall wäre übrigens ein Guthaben bis CHF 100’000 geschützt. Aber darüber schweigen sich die Initianten aus, denn sie wollen ein Problem lösen, dass es in der Realität gar nicht gibt. Solche Probleme sind auch einfacher zu lösen als echte, nicht umsonst sprach sich keine einzige grosse Partei für diese Initiative aus.

Ein Denkfehler und die Ur-Aufgabe nicht verstanden

Die Initiative geht zudem von zwei schwerwiegenden Denkfehlern aus: Indem man den Banken das Kreditgeschäft inklusive Hypothekargeschäft in der heutigen Form entzieht und dies zur SNB verlagert, geht man impliziert davon aus, dass die öffentliche Hand diese Aufgabe besser löst als die privaten Anbieter. Dies hat sich auf anderen Gebieten in der Vergangenheit immer wieder als Trugschluss erwiesen.

In der Regel bieten Private ihre Produkte und Dienstleistungen am Markt günstiger, schneller und zu besserer Qualität an. Zudem verstehen die Initianten die Ur-Aufgabe der SNB nicht: Diese ist in erster Linie zuständig für die Preisstabilität in der Schweiz. Dafür braucht sie absolute Unabhängigkeit und totale Handlungsfreiheit. Müsste die SNB auch noch für die genügende Versorgung der Privathaushalte und der Unternehmen mit Krediten sorgen, könnte sie ihrer primären Aufgabe nicht mehr im selben Stil wie heute nachgehen – zum Nachteil der gesamten Schweizer Wirtschaft.

Die Auswirkungen für die Zentralschweiz wären frappant

Weitere negative Folgen sind zu befürchten, Bürger müssten mit höheren Gebühren rechnen, weil Banken nicht mehr mit dem Geld arbeiten könnten. Jede Banktransaktion, sei es mit der Bankkarte, beim Einkaufen, usw. würde sich erhöhen. Auch die Zentralschweizer Wirtschaft würde weiter leiden: Durch die Änderungen würde alles viel komplizierter und schwerfälliger als beim heutigen System. Kredite, das Schmiermittel der Wirtschaft, würden darum ein knappes und teures Gut. Weniger Kreditvergabe bedeutet weniger Investitionen, und dies ist gerade für das Zentralschweizer Gewerbe, das sich im Inland finanzieren muss besonders schlimm. Dies ist schlecht für den Wirtschaftsstandort und natürlich auch für die KMU-Landschaft in der Zentralschweiz.

Die Vollgeld-Initiative entspricht einem Hochrisikoexperiment, das in erster Linie für (ausländische) Ökonomen interessant ist. Darüber nachgedacht wurde schon oft, umgesetzt wurde es noch nie. Das hat natürlich seine Gründe. Deshalb engagiere ich mich im Zentralschweizer Komitee «Vollgeld-Nein», für ein Nein am 10. Juni, für ein Nein zu diesem Experiment und für ein Nein zu leeren Versprechen.

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4 Kommentare
  1. Gerhard Zweifel, 18.05.2018, 20:13 Uhr

    “Vollgeld – was wirklich dahinter steckt” – von wegen: der ganze Artikel ist eine Ansammlung von Falschbehauptungen und eine Zumutung!
    “Denkfehler”: Sie haben offensichtlich nicht das geringste der Absicht der Initiative verstanden – sich wohl auch gar nicht darum bemüht.
    Man kann die Absicht der Initiative ganz einfach so formulieren: alle Zahlungsverkehrskonti werden aus den Bilanzen der Banken gelöst und ausserhalb geführt. Weil die Nationalbank die entsprechenden Verbindlichkeiten übernimmt, enthalten sie Vollgeld und sind damit sicher.
    So, wie es die Kunden erwarten.
    Kredite vergeben nach wie vor die Geschäftsbanken – mit Geld, das sie beschafft haben (von Sparern oder geliehen von der Nationalbank) und nicht selbst geschöpft. So, wie es die Kunden erwarten, und wie es dem heutigen System x-fach angedichtet wird.
    Siehe auch Kommentare unten…

  2. Johann Schuler, 17.05.2018, 18:02 Uhr

    Über die Vollgeld-Initiative (VGI) kann man dieser Tage viel Halbwahres und sogar Unwahres lesen. Doch diese “Analyse” des Luzerner Jungfreisinnigen Lucas Zurkirchen nimmt eine Sonderstellung ein. So ein Stuss.
    Die Nationalbank wurde 1906 extra geschaffen, um Schweizer Franken auszugeben – als Monopol.
    Bei der VGI geht es um eine Trennung von Geldherstellung (nur SNB) und Kreditvergabe. Das gesamte Kreditwesen bleibt bei den Geschäftsbanken und diese sollen genau das tun, was sie uns jahrzehntelang vorgegaukelt haben, dass sie es täten. Nämlich Geld ausleihen, das ihnen für Kredite zur Verfügung gestellt wurde, auch z.B. von der Nationalbank.
    Die Eidgenossen verjagten die fremden Vögte aus unserem Land. Das war gut.
    Über die Banken sind die fremden Vögte wieder eingedrungen.
    UBS & CS schöpfen einen Grossteil unserer Schweizer Franken.
    Der Anteil ausländischer Aktionäre liegt über 70 %.
    Wohin fliessen also die Erträge des gepriesenen CH-Bankenplatzes?
    Goht’s eigentli noh!
    Gebraucht wird jetzt die Entschlossenheit, das Geldwesen wieder in unsere Hände zu nehmen.
    PS: Arena vom 11.5.18 ansehen

  3. Markus Bayer, 17.05.2018, 17:08 Uhr

    “die Versorgung der Wirtschaft und Gesellschaft mit Krediten – verbieten will” Lüge.

    “noch nie eine nennenswerte Bankenpleite gegeben hat” Schwachsinn: 1991 ging die Spar- und Leihkasse Thun pleite. Über 220 Millionen Franken Privat- und Geschäftsvermögen gingen verloren.

    “Banken das Kreditgeschäft inklusive Hypothekargeschäft in der heutigen Form entzieht und dies zur SNB verlagert” Nochmal: die SNB wird nicht Kredite vergeben. So ein Unsinn.

    “Guthaben bis CHF 100’000 geschützt” Doch bloss 6 Milliarden für die gesamte Schweiz! Sogar die BIZ hat die Schweizer Einlagensicherung kritisiert!

    Lieber Herr Zurkirchen: sie treiben Angstmacherei: Hochrisikoexperiment, teuer, “Was wirklich dahinter steckt” Oh mein Gott…

  4. Tobias Hendry, 17.05.2018, 16:13 Uhr

    Woher stammt dieser Blödsinn, dass die SNB Kredite vergeben würde, es versteht jeder, dass dies idiotisch wäre. Kein Ökonom und davon gibt es viele bei der VGI, würde so etwas unterstützen.

    Verbreiten sie keinen Unsinn! Die SNB wird nie für die Kreditvergabe zuständig sein. Dies sagt auch der neutrale Fabio Canetg. Sie gewährleistet nur, dass genug Geld für die Banken zur Verfügung steht, dass sie Kredite vergeben können. Dies macht d SNB auch schon heute mit Darlehen, ob diese zinslos oder mit einem entsprechenden Zins behaftet sind, bestimmt die SNB, da dies ein Teil ihrer Geldpolitik ist.

    Der entscheidende Punkt, den die Gegner nicht verstehen (wollen) ist folgender:

    Die Ausgabe des Geldes soll durch die VGI schuldfrei werden. Canetg nennt es eine schuldfreie Währung.

    Das heute von den Banken generierte elektronische Geld beruht auf Schuld (Krediten) und führt zu weiterer Verschuldung.
    Das elektronische Geld soll zukünftig von der SNB generiert werden und beruht so nicht auf Schuld. Auch die Ausgabe der Münzen ist heute schon schuldfrei.

    1. Die Feinsteuerung der Geldmenge kann weiterhin mit Darlehen an Banken und dem darauf erhobenen Zins gesteuert werden. So wie es heute auch schon von der SNB gemacht wird, damit die Banken, falls sie dies benötigen, immer genügend Geld haben, um es verleihen zu können.

    Alle weiteren Möglichkeiten ihren Auftrag zu erfüllen bleiben weiterhin bestehen.

    2. Der Gewinn der SNB wird wie heute an Bund und Kantonen ausbezahlt, sie bekommt aber die weitere Möglichkeit diesen direkt an den Bürger auszubezahlen, wenn sie dies will. Diese Mechanismus dient der Grobsteuerung und gewährleistet, dass genug Geld entsprechend der Wirtschaftsleistung, welche sich nur langsam ändert, vorhanden ist.

    Wenn nur 2 gelten würde, hätte die SNB natürlich überhaupt keine Chance die Geldmenge zu kontrollieren, dazu dient aber wie bisher die Massnahmen erwähnt unter Punkt 1.

    Im Initiativtext steht explizit: “3. Sie bringt im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrages neu geschaffenes Geld schuldfrei in Umlauf, und zwar über den Bund oder über die Kantone oder, indem sie es direkt den Bürgerinnen und Bürgern zuteilt. Sie kann den Banken befristete Darlehen gewähren.”

    Dies erwähnten Darlehen existieren schon HEUTE und gehört zur Geldpolitik der SNB, die auch weiterhin diese anwenden kann.