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Vergesst die Spange Nord, bald kommt der Bahnhofplatz dran
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So soll der Bahnhofplatz in gut zwei Jahren aussehen – ohne Baumreihe, dafür mit zwei weiteren Durchmesserperrons. (Bild: zvg)

Verkehr bleibt in Luzern ein Dauerbrenner Vergesst die Spange Nord, bald kommt der Bahnhofplatz dran

3 min Lesezeit 5 Kommentare 12.02.2020, 11:01 Uhr

Luzern leidet unter der Blechlawine. Doch statt die für Fussgänger attraktiven Räume weniger zu belasten, soll der motorisierte Verkehr weiter gestärkt werden. Zu Unrecht, findet Politblogger Mario Stübi.

Unzeitgemässe Infrastrukturprojekte wie die Spange Nord (oder Reussportbrücke, wie es der Projektverfasser Kanton Luzern inzwischen nennt) werden von der Bevölkerung nicht mehr einfach hingenommen, sondern immer öfter wird lautstark dagegen opponiert.

Wer bezahlt schon gerne Steuern, wenn damit eine Autobahn vor die Haustüre gebaut wird? Solcher Widerstand, wie er auch am Sonntag in Zürich den millionenteuren Rosengartentunnel zu Fall gebracht hat, ist zu begrüssen.

Aber er braucht Durchhaltevermögen. Und Durchhaltevermögen könnte schon bald wieder gefragt sein, diesmal auf dem Luzerner Bahnhofplatz.

Ein ÖV-Projekt, aber …

Für die hochtourige Verkehrsdrehscheibe zwischen Hauptpost und Torbogen ist derzeit eine grundlegende Umgestaltung im Rahmen des kantonalen Konzepts «AggloMobil tre» in Planung. Auch hier ist die Argumentation des Kantons die gleiche wie bei Spange Nord, respektive Reussportbrücke: Es sei ein ÖV-Projekt. Im Falle des Bahnhofplatzes stimmt das insofern, als dass tatsächlich Kapazitätserweiterungen für Busse des Nahverkehrs entstehen sollen, namentlich zwei weitere Durchmesserperrons. Diese brauchen aber Platz – und hier fängt das verkehrsplanerische Grauen an.

Bäume und Velostreifen weg

Die Vorgabe der zuständigen Dienststelle Verkehr und Infrastruktur lautet nämlich, dass sich die Kapazität des motorisierten Individualverkehrs (motorisierter Individualverkehr MIV, also Autos und Töffs) mit der Umgestaltung nicht verringern darf, sprich der Platz muss anschliessend die gleich grosse Blechlawine schlucken wie heute schon.

Zum Autor

Mario Stübi gehört dem Grossen Stadtrat Luzern seit 2014 an. Er ist als Freelancer in der Kommunikationsbranche tätig. Vorstandsmandate hat er unter anderem in der IG Kultur Luzern und beim Mieterinnen- und Mieterverband Luzern.

Weiterhin soll zweispurig auf die respektive ab der Seebrücke gebraust werden können. Kein Wunder also, sind auf der aktuellen Visualisierung nirgendwo mehr Velostreifen zu sehen. Diese werden wohl der gleichbleibenden Anzahl Autospuren geopfert. Und auch für die Baumreihe in der Mitte, die die Fahrtrichtungen voneinander trennt und etwas Ruhe in die Szenerie bringt, gibt es keine Zukunft mehr.

Der Bahnhofplatz droht also zur noch grösseren, gefährlichen Verkehrshölle zu werden, die er jetzt schon ist. Bereits heute herrscht hier täglich Verkehrsüberlastung zu den Stosszeiten, wegen des Freizeitverkehrs auch sonntags.

Einsprecher warten schon

Wer plant bloss derart an der verkehrspolitischen Zukunft vorbei? Ich bin überzeugt, dass dieses Infrastrukturprojekt eine vergleichbare Sprengkraft entwickeln wird wie der Widerstand gegen die Spange Nord, wenn denn die definitiven Pläne veröffentlicht werden. Das Projekt hat schon jetzt rund zwei Jahre Verzögerung, 2020 dürfte es aber so weit sein, dass es zum öffentlichen Auflageverfahren kommt.

Einsprachen von Verkehrsverbänden sind vorprogrammiert, denn nicht nur verschlechterte sich die Verkehrssicherheit beispielsweise für Velofahrerinnen, sondern es würden Kapazitäten beibehalten, die mit Baubeginn des Durchgangsbahnhofs schon in einigen Jahren für alle Verkehrsmittel massiv runtergefahren werden dürften.

Vor diesem Hintergrund hat die SP/JUSO-Fraktion des Grossen Stadtrats letztes Jahr eine Halbierung des MIV auf dem Bahnhofplatz gefordert (zentralplus berichtete).

Aus Sicherheitsgründen: Spurabbau oder Temporeduktion

Auch als Laie lässt sich erkennen: Pro Fahrtrichtung kann und muss auf eine MIV-Spur verzichtet werden, sonst dürfen diese Pläne niemals Realität werden. Wenn das nicht möglich ist, muss folgerichtig aus Sicherheitsgründen eine Temporeduktion auf 30 Stundenkilometer diskutiert werden.

Der Kanton hat es in der Hand, sonst getraut sich über diesen Bahnhofplatz bald niemand mehr ohne Schutz einer Karosserie.

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5 Kommentare
  1. J Müller, 13.02.2020, 09:19 Uhr

    Herr M, Stübi, als der Bahnhof abbrannte, wünschte sich der Luzerner dass er wieder so aufgebaut wird, wie einst. Das heisst die vordere Fassade hätte man aufbauen können, und die schöne Kuppel die eingestürzt ist ebenfalls, dahinter alles Neu, der Platz vor dem Bahnhof hätte eine Grüne Oase werden sollen, ausser ein Busplatz, evtl. Taxi, sonst nichts. Man hätte die Autos schlimmstenfalls von hinten, also über Tribschen ins Inseli fahren lassen können! Wir wurden wie öfter aufs übelste reingelegt, der schöne Richard Wagner Brunnen wäre vor den Bahnhof ins Grün platziert worden, dann würde heute alles schöner aussehen. Aber Luzern macht mich nur noch hässig in die Stadt gehe ich schon lange nicht mehr…

  2. CScherrer, 13.02.2020, 08:19 Uhr

    Lieber Herr Stübi. Es scheint, als hätte kaum jemand erkannt, dass die Verkehrsproblematik in der Stadt Luzern nicht ideologisch gelöst werden kann. Projekte können gut sein, wenn man diese in die Gesamtproblematik mit einbezieht. Nehmen Sie endlich auch zur Kenntnis, dass der ÖV auch zu den Stauverursacher gehört. Warum müssen praktisch alle Busse ihre Fahrgäste an den Bahnhof bringen. Warum ist es nicht zumutbar, dass in der Agglomeration umgestiegen werden soll? Aus reiner Bequemlichkeit. Fakt. Es braucht nachhaltige Lösungen und dem motorosierten Individualverkehr muss nicht mehr Platz gegeben werden. Die Stadt soll sich künftig die Verkehrsproblematik zu Nutzen machen. Dazu braucht es nicht zwingend Projekte, welche Millionen Schweizer Franken vernichten. Man kann sich jetzt noch dagegen wehren, aber Maut-Gebühren werden kommen. Ebenfalls ist die Wirtschaft mitverantwortlich. Noch immer werden Mitarbeitenden Parkplätze zur Verfügung gestellt etc. Das Kantonsspital kann für seine Mitarbeitenden ein neues Parkhaus bauen (egal welche Deals mit der Stadt gemacht worden sind). Das ist nicht mehr zeitgemäss.
    Ohne Wenn und Aber fordere ich die Politik auf, endlich aktiv etwas dafür zu tun, dass die Stadtbevölkerung einen Mehrwert hat. Ewig gestriges Geschwafel von Parkplatz-Fetischisten soll Wegweisendem weichen. Vorwärts machen und nicht Blogs schreiben. Danke

  3. Peter Lehmann, 12.02.2020, 14:04 Uhr

    „Kein Wunder also, sind auf der aktuellen Visualisierung nirgendwo mehr Velostreifen zu sehen. Diese werden wohl der gleichbleibenden Anzahl Autospuren geopfert.“
    Herr Stübi – Ich glaube, Sie sollten einmal einen Optiker aufsuchen.. 😉

    Ansonsten sehe auch ich hier Optimierungspotential. Aber die immergleichen Phrasen vieler SP- und Grüne-Vertreter gehen mir echt auf den Keks. Ich wähle selbst klar links der Mitte in Sachthemen, finde die sehr ideologisch gefärbte Arroganz und Besserwisserei seitens SP und Grünen aber einfach nur störend und unangebracht. Ebenso ist es nun mal Tatsache, dass der ÖV zwar flächeneffizient, aber gerade für Leute von ausserhalb der Stadt auch sehr zeitineffizient bis nicht brauchbar ist. Wer in der Stadt lebt, sollte sich der erhöhten Menschen- und Verkehrsdichte bewusst sein und entsprechend nicht rumheulen, wegen jedem Verkehrsprojekt. Ich persönlich fahre nicht Auto, finde man sollte andere Alternativen fördern, aber ich leide nicht gross unter dem Verkehr und möchte die Landbevölkerung nicht aus der Stadt ausschliessen.
    Das kategorische Nein nervt nur noch!

  4. Walter Albrecht, 12.02.2020, 11:36 Uhr

    Ja Herr Stübi
    Ihr habt am Wochenende mit euren Partnern bei den Grünen und der CVP
    die Metro-Initiative gebodigt. Ihr werdet noch staunen, was mit dem Bau des
    Durchgangsbahnhofs noch auf die Stadt- und Agglomerationsbevölkerung
    zukommt, und zwar auf alle Verkehrsteilnehmer, nicht nur die Velofahrenden…

    1. Marcello von Arx, 13.02.2020, 00:44 Uhr

      Nun ja Herr Albrecht
      Wenn ich mir überlege, dass das Metroprojekt echte und ausgewiesene Fachleute zur Verfügung hatte und ehrlich gerechnet hat im Gegensatz zu den Gegnern…
      Wenn das Kantonsspital sehr gerne über 1000 Parkmöglichkeiten im Ibach gehabt hätte, für Mitarbeiter und Besucher…
      Wenn die VBL sehr gerne die Metro betrieben hätte und verschiedene Buslinien ab Ibach hätte anbieten können…
      Wenn ich mir überlege, dass dieselben Gegner ein neues Parkhaus im Zentrum anstelle des Kesselturmes wollen…
      Wenn man einen Durchgangsbahnhof will der nicht mal eine neue Strecke beinhaltet…
      Wenn man dank Inseliumnutzung die vielen Fernbusse vergisst…
      Wenn man dank Corona Virus wieder alleine mal über den Schwanenplatz laufen kann…
      Wenn man das Carproblem mittels Umfragen lösen will…
      Wenn die Sperrung der Bahnhofstrasse nicht voran kommt….
      Wenn Veloparkplätze nichts kosten dürfen am Bahnhof…

      und und und

      Dann werden wir auch andere Probleme über uns ergehen lassen (müssen)…

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