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Sieben Typen von Politikern, die der Lockdown hervorbringt
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Krisenzeiten schärfen die Eigenarten und bringen ganz verschiedene Typen hervor. (Bild: Themenbild)

Ironischer Blick auf parlamentarische Eigenarten Sieben Typen von Politikern, die der Lockdown hervorbringt

3 min Lesezeit 4 Kommentare 30.04.2020, 10:59 Uhr

Sag mir, was du in der Krise forderst, und ich sage dir, wer du bist. Oder so ähnlich: Krisenzeiten schärfen die Eigenarten der Menschen, schreibt der Luzerner Nationalrat Michael Töngi in seinem Beitrag. Dies zeigt sich auch mit dem Lockdown, der verschiedene Typen zum Vorschein brachte.

Rechtsumkehrfix

Er ist immer am schnellsten, vor allem beim Reden. Und dazu rastlos. Vielleicht deshalb ist er der Erste, der einen Sessionsabbruch verlangt, die Grenzen schliessen will oder keine Flüchtlinge aus Italien mehr aufnehmen will. Drei Wochen später ist er der Erste, der eine Öffnung der Geschäfte verlangt.

Egal, in welche Richtung es geht, zuvorderst dabei sein, ist alles. So zum Beispiel auch mit der Forderung einer Parlamentarischen Untersuchungskommission, bevor die bestehenden Gremien wie die Geschäftsprüfungskommission ihre erste Sitzung zum Thema abhielten.

Wunschfeenine

Sie ist unzufrieden. Eindeutig. Die Wirtschaft leidet und sie mit ihr. Deshalb möchte sie mit dem Zauberstab übers Land fahren, sie wünschte eine schnellere Öffnung der Baumärkte, generell weniger Einschränkungen und mehr Antikörpertests – bevor diese zuverlässig funktionieren und in genügender Menge existieren. Dies verkündet sie vornehmlich via Sonntagszeitungen, ganz als ob im letzten Dezember ihre Partei ihre beiden Bundesratssitze verloren hätte.

Marketingfix

Kümmern sich andere noch um Krankenhäuser, Ansteckungskurven und Homeschooling, ist er einen Schritt voraus. Zum Wohle seines Kantons will er die nächste Session von Bern wegverlegen und rührt die Werbetrommel für den kantonseigenen Standort. Dies nicht nur intern, sondern gerne auch via Presse, die zufällig von seinem Anliegen erfuhr.

Dass viele Angestellte, Presseleute und Parlamentarierinnen in Bern ihre Unterkunft haben, die Infrastruktur sich dort befindet und die Sitzungsorganisation eh schon erschwert ist, geht dabei vergessen.

Zum Autor

Der Krienser Michael Töngi (Grüne) ist seit März 2018 im Nationalrat, wo er die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen präsidiert. Von 1990 bis 2001 war er im Einwohnerrat Kriens, von 2007 bis 2018 im Luzerner Kantonsrat. Der 52-Jährige präsidiert seit 2014 den VCS Luzern und war von 2011 bis 2018 Generalsekretär des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbands.

Parlostressfix

Wacht nachts schweissgebadet auf, weil er von einer sitzungsfreien Zeit träumte und realisiert, dass es Wirklichkeit ist. Heckt der Bundesrat zu dieser Stunde gerade wieder etwas aus? Wer versammelt sich wo und entwirft neue Milliardenpakete? Und er ist nicht dabei – er hätte doch alles besser gemacht! Um die zitternden Hände zu beruhigen, loggt er sich ins Parlnet ein – vertippt sich dabei einige Male – und stellt beruhigt fest: Er kann schon bald tagen.

Geranius und Gerania

Sie melden sich selten zu Wort. Sind eher genügsam und glauben: Der Bundesrat richtet es schon, wozu jetzt Sitzungen und dann noch in einer kahlen Halle ohne Blumen? Da wären wir beim Thema – denn eines geht aus ihrer Sicht dann doch nicht: Die Vernachlässigung der Gärten und der Balkonbepflanzung. Deshalb galt ihr Einsatz einzig der schnellstmöglichen Öffnung der Gartencenter. Fehlt das leuchtende Rot im Kistli, wird die Welt noch trister.

Maskerada

Sie ist Wirtschaftspolitikerin, aber wenn es das Land verlangt, würde sie auch Bundesrätin. Oder momentan Gesundheitsexpertin. Ihr Steckenpferd sind die Masken. Auch wenn die Wissenschaft noch über die Wirksamkeit diskutiert, hat sie schon längst ihr Konzept, das sie allen, die danach fragen oder auch nicht fragen, verteilt.

Copypastix

Er hat gerade noch an einem Papier für die Partei geschrieben, die bekannten Forderungen ein weiteres Mal bearbeitet. Und dann bricht die Coronakrise aus. So ein Pech – oder auch nicht: Schnell die Überschrift wechseln und aus dem Arbeitspapier einer Arbeitsgruppe oder aus der Wahlplattform 19 wird das Coronapapier.

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4 Kommentare
  1. Myriam Vonderach, 03.05.2020, 19:28 Uhr

    Super! Danke! Die Liste könnte noch beliebig verlängert werden: Panix, Gastronia, Nervosa, Katastrofix, …

  2. Andreas Holenstein, 01.05.2020, 12:51 Uhr

    Köstliche Glosse! Habe schon lange nicht so schön schmunzeln können. Wann gibt es mehr davon?

  3. estermap, 30.04.2020, 15:45 Uhr

    Michael, gibt es auch einen Politikertyp, der sich dafür einsetzt, dass die Stadt/der Kanton Nothilfebezügern Hygienemasken bezahlt?

    1. Andreas Peter, 30.04.2020, 16:58 Uhr

      Panik gepaart mit Sozialismus?
      Kein Mensch braucht Hygienemasken, auch Nothilfebezüger nicht.

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